Einmal Nordseeküste und zurück

Haldensleben (Magdeburg) – Dorum (Wurster Nordseeküste) – Dornumersiel (Ostfriesland) – Koblenz – Geslau (Franken)

Endlich geht es wieder los! Nach zahlreichen Kurztrips starteten wir Ende Juni 2022 in den ersten etwas längeren Urlaub mit unserem Wohnmobil. Tatsächlich waren wir schon seit über sechs Jahren nicht mehr länger als acht Tage unterwegs. Kaum zu glauben, oder? Wir freuten uns sehr auf diese Reise, waren aber auch gespannt, wie das Fazit nach zwölf Tagen ‚Leben im Camper‘ ausfallen würde.

Zusammengestellt und gebucht hatten wir die Reise bereits an Weihnachten des vergangenen Jahres. Nach wie vor gehören wir zu den Planern. Spontanes ‚einfach drauf los fahren‘ müssen wir wohl erst noch lernen. Irgendwie fehlt uns dazu noch die Leichtigkeit. Oder eher: Die Zeit! Wir möchten ungern wertvolle Urlaubszeit mit stundenlanger Stellplatzsuche vergeuden. Abgesehen davon muss der Platz ja auch für unsere beiden Hundedamen passen, was man oft erst durch Recherchen herausfindet. Und eigentlich wollen wir auch immer die größten Stellplätze … Ach ja, Ihr seht: Wir wissen einfach gerne vorher, wo wir landen.

Da wir zum Zeitpunkt der Planung noch nicht wussten, wie sich die Lage mit Corona bis zum Sommer entwickeln würde, verzichteten wir bewusst auf das Ausland und konzentrierten uns dieses Mal auf einen Urlaub im Heimatland. Und weil es uns rund um Cuxhaven im Mai 2015 mit Benita so gut gefallen hatte, stand schnell fest: Da wollen wir noch einmal hin! Allein das fantastische Krabbenbrötchen rief schon ganz laut nach mir. Seitdem hatte ich nämlich nie wieder eines gegessen.

Tatsächlich buchten wir (völlig untypisch für mich!) nur wenige hundert Meter von unserem damaligen Ferienhaus im CuxLand entfernt einen Stellplatz für drei Nächte. Um auch mal eine andere Gegend an der Nordseeküste kennenzulernen, sollte es außerdem weitere drei Nächte nach Dornum (Dornumersiel) in Ostfriesland gehen. Für den Rückweg wählen wir schließlich noch einen zweitägigen Stopp in Koblenz am Deutschen Eck, was ebenfalls schon lange auf meiner Reiseliste stand. Und zu guter Letzt weitere zwei Nächte auf einem idyllisch gelegenen Platz zum gemütlichen Ausklang in der Nähe von Rothenburg ob der Tauber. Somit also eine schöne und vor allem auch sehr abwechslungsreiche Kurzreise quer durch Deutschland.

Fehlte also nur noch die erste Nacht auf dem Weg nach Norddeutschland. Die perfekte Gelegenheit, unsere ‚Spontanität‘ auf die Probe zu stellen …

Tag 1 (Freitag): Los geht’s in Richtung Norddeutschland – Stopp in Haldensleben bei Magdeburg

Obwohl wir weder Zeitdruck noch ein bestimmtes Ziel vor Augen hatten, machten wir uns bereits um 8.30 Uhr auf den Weg gen Norden. Wir wollten so weit als möglich kommen und uns dann in aller Ruhe einen schönen Stellplatz für eine Nacht suchen.

Unsere Mäuse waren kaum mehr zu halten. Ich habe keine Ahnung, wie sie es anstellen, aber sie wissen immer ganz genau, wenn es wieder losgeht. Dann nämlich laufen sie kreuz und quer schwanzwedelnd und fiepend im Haus umher, damit wir sie auch ja nicht vergessen. Die Van-Tür kann man gar nicht so schnell öffnen wie sie schon auf ihren Plätzen sitzen. Unsere kleinen Jetsetterinnen.

Die Fahrt von München über Nürnberg und Bayreuth verlief erstaunlich ruhig. Nach gut vier Stunden legten wir eine erste Pause in Bad Klosterlausnitz ein. Den Camper am Waldesrand abgestellt, drehten wir erst einmal eine kleine Gassi-Runde mit den Hunden. Denen tat das Beinchen vertreten genauso gut wie uns. Das leichte Tröpfeln störte uns dabei nicht.

Plötzlich kamen wir an einem Wald-Parkplatz mit Wurstbude heraus … mmhh, das duftete herrlich! Ein Frühstück hatte es heute nicht gegeben, der Hunger meldete sich sofort zu Wort. Also spazierten wir wieder gemütlich zurück, holten den Camper und parkten um. Jetzt erst einmal eine echte Thüringer Bratwurst ‚Roster‘. Lecker!!

Während Anton noch ein paar berufliche Dinge erledigen musste, legte ich mich mit den Hunden etwas hin. Schon praktisch, wenn das Bett immer mit dabei ist. Nach einer guten Stunde Pause ging es dann aber auch wieder weiter. Der Großteil war geschafft, aber ein kleines Stückchen sollte es dann doch noch weiter gehen.

Gerade noch darüber gefreut, wie gut wir die ersten 400 Kilometer durchgekommen waren, geriet nun alles etwas ins Stocken. Immer wieder standen wir im Stau. Wenn auch nie lange. Aber trotzdem kam es zu Verzögerungen. Vorbei an Leipzig und Halle (Saale) erreichten wir gen frühen Abend Magdeburg und beschlossen: Hier in der Gegend bleiben wir.

Von der Autobahn abgefahren, entdeckten wir auch gleich ein Schild zu einem Camping-Stellplatz, das sich dann dummerweise kurz darauf verlor. An der Tankstelle Einheimische gefragt, boten sie uns sofort an, uns hinzubringen. Das war ja nett! Es entpuppte sich dann zwar nicht als Stellplatz, sondern als Wohnmobilvermietung. Aber egal – der Wille zählte und ich freute mich sehr über die Hilfsbereitschaft. Ein weiteres Mal durchgefragt, fanden wir besagten Parkplatz dann zwar direkt an einem großen Supermarkt. Aber … ähm … nö! Das war nun so gar nicht das, was ich mir vorstellte.

Mit der App ‚Einfach Campen‘ entdeckte Anton kurzerhand einen Platz in Haldensleben. Google-Bilder und Bewertungen gecheckt, einmal kurz angerufen und Platzverfügbarkeit abgefragt, waren wir eine gute Viertelstunde später auch schon dort. Und hatten mit dem Stellplatz am Bootshafen Haldensleben einen richtig, richtig tollen erwischt. Von neun Plätzen war nur einer belegt. Alle in erster Reihe zum Bootshafen, frei wählbar – fantastisch!

Auch preislich konnte man nicht meckern. Also wir zumindest nicht (der weitere Gast sah das etwas anders). 17 € gesamt für die Übernachtung inklusive Strom. Mit diesem tollen Blick? Geschenkt!

Direkt am Mittellandkanal gelegen, gab es zwar rund 500 Meter entfernt Hallen und Gewerbe. Davon bekamen wir heute Abend aber nichts mehr mit. Wir drehten eine Gassi-Runde mit den Hunden, dann gab es erst einmal ein kleines Abendessen.

Das ‚einfach drauf los‘ war zugegebenermaßen doch gar nicht so schlecht. Wir wurden erstaunlich schnell fündig und hatten zusätzlich noch richtig Glück. Vielleicht sollten wir das doch öfter probieren?!

Wir genossen eine herrliche Abendstimmung bei warmen Temperaturen, quatschen mit den Nachbarn und drehten im Anschluss nochmals eine kleine Runde mit den Hunden. Benita buddelte ausgelassen in einem Sandhaufen; auch die Hunde fühlten sich hier sichtlich wohl und wir tobten mit ihnen über die große Wiese. Auch um 22 Uhr war es noch taghell … das kennen wir von zu Hause gar nicht.

Tag 2 (Samstag): Weiter geht’s nach Dorum an die Wurster Nordseeküste

Ausgezeichnet geschlafen, wurden wir von warmen Sonnenstrahlen begrüßt. Ein Frühstück am Hafen, dann drehten wir nochmals eine ausgiebige Runde mit dem Hunden. Wir hatten genügend Zeit, denn auf unserem nächsten Campingplatz konnten wir ohnehin erst ab 15 Uhr einchecken.

Tatsächlich war unsere erste spontane Stellplatz-Suche ein voller Erfolg. Für eine Nacht hatten wir mit deutlich weniger Atmosphäre gerechnet. Den Platz hier können wir jedoch wärmstens weiterempfehlen. Auch für mehrere Nächte kann man es hier gut aushalten. In unmittelbarer Nähe gibt es Burgen und Schlösser sowie zahlreiche Radwege. Dafür hatten wir allerdings leider keine Zeit mehr.

Alles wieder zusammengepackt und noch ein paar Fotos gemacht, verließen wir Haldensleben gegen 11.30 Uhr schweren Herzens wieder.

Vorbei an Braunschweig, Bremen und Bremerhaven erreichten wir gut drei Stunden später schließlich unseren Urlaubsort für die nächsten drei Tage: Dorum-Neufeld. Sofort schwelgten wir in Erinnerungen an den damaligen Aufenthalt, entdeckten das Café, in dem es diesen herrlich leckeren Kuchen gab und die Fischbude, bei der ich damals die ‚Krabben-Semmel‘ bestellt hatte und sofort eines Besseren belehrt wurde, dass das hier ‚Brötchen‘ heißt. Hach, war das schön. Und schon sieben Jahre her … wie schnell doch die Zeit vergeht.

Um 14.30 Uhr am ‚Knaus Campingpark Dorum‘ angekommen, vertrieben wir uns die halbe Stunde Wartezeit bis zur Öffnung der Rezeption mit einem Spaziergang über den Platz. Im Gegensatz zu den bisher von uns besuchten Plätzen war der hier schon … wie soll ich sagen … sehr spartanisch. Ich wusste zwar, dass der Platz jedes Jahr im Sommer auf- und im Winter wieder abgebaut wird und es daher nur wenige feste Elemente gibt. Aber im Grunde genommen war es nur eine große Wiese mit angedeuteten Parzellen und vier Waschhäusern in Containern. Sehr einfach gehalten. Ursprünglich einen Ufer-Stellplatz gebucht, mussten wir feststellen, dass dieser zwar mit direktem Blick auf den Leuchtturm Obereversand war – Strom und Wasser gab es allerdings nicht. Das war schlecht. Wir können zwar ein paar Tage autark stehen. Aber auch nur wenn es unbedingt sein muss. Und auf meinen täglichen Kaffee aus der Maschine sowie auf die gekochten Eier kann ich nur schwer verzichten …

Zurück an der Rezeption und eingecheckt, wechselten wir dann doch lieber auf einen der Plätze dahinter, dafür dann aber mit direktem Stromanschluss und Wasser. Den Leuchtturm sahen wir trotzdem und das Ufer war ohnehin durch Zaun und Wiese getrennt. Da der Platz kaum belegt war, war der Tausch auch kein Problem. Zumindest für den Herrn an der Rezeption nicht. Wir hatten jedoch nicht an den (selbst ernannten?) Platzwart gedacht …

Auf dem Weg zu unserem Platz Nr. 75 kam uns plötzlich ein älterer Herr auf dem Fahrrad mitten am Weg entgegen und zwang uns zum stehen bleiben. Wir dürften hier nicht entlang fahren, wir sollten umgehend umdrehen und ihm folgen. Im ersten Moment taten wir das auch, bis wir merkten, dass er uns auf eine große unparzellierte Wohnmobil-Stellfläche abschieben wollte. Nein, das wollten wir aber nicht. Ganz ruhig mitgeteilt, dass wir einen bestimmten Platz an der Rezeption erhalten hätten, pampte er uns an, das wäre alles nur ‚Schall und Rauch‘ und ‚er hätte in dieser Reihe nichts mehr frei‘, wir sollen uns gefälligst da hinten hinstellen. Hui … Anton war innerhalb Sekunden auf 180, stellte den Camper ab und düste zur Klärung an die Rezeption. Dort stellte sich schnell heraus, dass der gute Mann hier gar nichts zu sagen hatte und schon des Öfteren negativ aufgefallen war. Zwar schien er sich in der Tat um den Platz zu kümmen und auch eine Funktion als Gärtner inne zu haben. Die Verteilung der Plätze obliegt aber nach wie vor den Chefitäten an der Rezeption.

Alles final geklärt, konnten wir gegen 15.30 Uhr dann endlich (!) mal auf unseren Platz. Dass hier ’nichts mehr frei wäre‘ war zudem eine absolute Lachnummer. Der komplette Platz war leer. Durch Zufall erfuhren wir von gleichzeitig anreisenden Gästen, dass der Herr die gleiche Show bereits im letzten Jahr abgezogen und es auch bei ihnen heute erneut versucht hatte. Warum man nichts dagegen macht, ist uns unerklärlich. Mit dieser Aktion vergrault er doch nur die Gäste. Vermutlich aber auch eine bewusste Aktion, denn wenig später stellte sich heraus, dass die Dauercamper einen Groll gegen die Touristen-Camper hegen, da ihnen ein paar Plätze genommen wurden. Wir wurden also als Eindringlinge gesehen. Das war auch ziemlich schnell klar, denn kaum einer von den Dauerbewohnern hier würdigte uns eines Blickes. Auf Grüßen unsererseits wurde keine Reaktion gezeigt. Was für ein erbärmliches und kindisches Verhalten.

Umso mehr freute ich mich aber über das Begrüßungsgeschenk für unsere Hunde-Damen. Beim Check-In erhielten wir zwei große Packungen mit Nass- und Trockenfutter sowie einer Rolle Kotbeutel. Eine wirklich nette Geste, die die Hundefreundlichkeit zeigt.

Erst einmal alles aufgebaut, die Markise raus, Tisch und Stühle aufgestellt und gemütlich eingerichtet, machte sich Anton auf den Weg zum ‚Food-Court‘ direkt vor dem Campingplatz. Und da war es: Mein erstes Krabben-Brötchen seit Jahren. Ich grinste übers ganze Gesicht. Ja, mit so etwas kann man mir eine große Freude bereiten. Und es war sooo lecker!

Während Anton sich wieder seiner Arbeit widmete, schnappte ich mir mein Rad und drehte eine erste Runde durch den Ort. Als erstes besuchte ich das CuxLand und machte mich auf die Suche nach unserem damaligen Ferienhaus. Inzwischen ganz schön zugewachsen, sah es aber immer noch so aus wie damals. Ich liebe es, in schönen Erinnerungen zu schwelgen.

Weiter ging es zu den kleinen Läden und dann noch ein Stück am Deich entlang. Einfach wunderschön hier. Mit einem Abstecher zum Hafen mit den Krabben-Kuttern und einem Rundgang zu den Fisch-, Crêpes- und Getränke-Ständen ging es schließlich noch zum Leuchtturm Obereversand, bevor ich wieder bei meinen Lieben war und wir gemeinsam eine kleine Runde drehten.

Zum Abendessen entschieden wir uns für Backfisch mit Kartoffelsalat von der Fischbude. Die Portion war riesig, aber wieder sehr sehr lecker und einfach genau das Richtige hier an der Nordsee. Frischer geht nicht.

Pünktlich zum Sonnenuntergang spazierten wir nochmals zum Leuchtturm Obereversand und genossen diese wundervolle Lichtstimmung. Das Meer hatte sich schon längst zurückgezogen, vor uns lag das Watt und die Sonnenstrahlen spiegelten sich in den vereinzelten Wasserpfützen. Was für ein Anblick! Davon konnte ich gar nicht genug bekommen und die Kamera glühte mal wieder.

Den restlichen Abend verbrachten wir bei angenehmen Temperaturen an unserem Platz. Auch heute wollte es einfach nicht dunkel werden. Und die Stille um uns herum tat unglaublich gut.

Tag 3 (Sonntag): Ausflug zum Leuchtturm ‚Kleiner Preuße‘ nach Wremen

Den heutigen Tag begannen wir wieder mit einem gemütlichen Frühstück und drehten im Anschluss mit den Hunden eine kleine Runde durch Dorum-Neufeld. Nur kurz zurück und die vergessenen Gästekarten geholt, ging es nun an den Hundestrand. Bei der Anmeldung brachten wir den Kassierer mit der sehr ernst drein schauenden Mia zum Lachen. Sie ist eben so manches Mal skeptisch neuen Dingen gegenüber. 🙂 Nachdem auch die Hunde ihre Eintrittskarte in Form eines Leckerlies erhalten hatten, ging es an den zahlreichen Strandkörben vorbei direkt zum Meer. Noch war es zu sehen, es zog sich aber schon wieder langsam zurück – zumindest sah man weit draußen ein paar Leute gerade mal wadentief entlang laufen.

Neben dem Hundestrand mit Leinenpflicht gibt es auch einen abgetrennten Bereich, in dem sie leinenlos sausen dürfen. Dort war aber so viel los, dass wir darauf verzichteten. Zu viele andere Hunde stressen Mia. Stattdessen setzten wir uns auf eine Bank, blickten ein bisschen aufs Meer und ließen die Zeit verstreichen.

Eine Weile hier zugebracht, ging es langsam wieder zurück und wir machten es uns vor dem Camper bequem. Einfach mal nichts tun.

Doch nur eine Stunde später zog es mich wieder weiter. Ich schnappte mir mein Rad und los ging es nach Wremen, zum Leuchtturm ‚Kleiner Preuße‘.

Auf dem Weg traf ich nur selten andere Radfahrer, stellenweise war ich komplett allein unterwegs, was ich ehrlich gesagt auch sehr genoss. Immer mal wieder blieb ich stehen. Sei es, um die Aussicht zu genießen oder Fotos von den Kühen und der endlosen Weite zu machen. Die mich im Übrigen immer wieder aufs Neue faszinierte.

Knapp 40 Minuten später erreichte ich schließlich Wremen und prompt war auch wieder einiges los. Die Restaurants waren voll, die Autos parkten am Straßenrand. Ich fuhr weiter zum Hotel Upleven. Ein interessanter Bau und ein Hotel der etwas anderen Art. Hier stehen Meditation, Spiritualität und Nachhaltigkeit im Vordergrund. Definitiv keine Unterkunft für mich, aber von außen zumindest schön anzusehen.

Vorbei am kleinen Markt mit den Fisch-, Getränke- und Crêpes-Buden (genauso wie in Dorum), erreichte ich den Leuchtturm ‚Kleiner Preuße‘. Whow! Was für ein schöner Anblick. Der Leuchtturm im Vordergrund, dahinter das Watt … herrlich.

1906 am Deich des Granatkutterhafens errichtet, erhielt der Leuchtturm aufgrund seiner geringen Größe und dem schwarz-weißen Anstrich seinen Namen. Nachdem er dann einige Jahre in rot-weiß erstrahlte, wurde er 1930 wieder abgebaut. Seit 2005 findet man demnach nur einen Nachbau auf dem Kajenschutzdeich am Ende des Wremer Hafens. Er wird gerne für Trauungen genutzt.

Der Turm kann bei gutem Wetter auch bestiegen werden, worauf ich aber ausnahmweise verzichtete. Die Höhe war nicht der Rede wert. Da sah ich von unten genau so viel. 🙂

Ein bisschen umher spaziert, machte ich mich wenig später wieder auf den Weg zurück nach Dorum. Allerdings hatte ich nicht mit dem heftigen Gegenwind gerechnet, der nun auf mich wartete. Die Rückfahrt war demnach richtig anstrengend und ich musste zugegebermaßen immer mal kurz absteigen, da mir die Puste ausging. Das sind die Leiden all jener Radfahrer, die noch kein E-Bike haben … Trotzdem bereute ich den Ausflug keineswegs. Eine schöne 24 km lange Radtour. Für mich als mehr oder weniger ‚Fahrradanfängerin‘ ganz passabel.

Auf dem Rückweg nahm ich uns auf dem ‚Food-Court‘ noch eine kleine Stärkung in Form von Fisch-Brötchen mit. Wenn man schon einmal da ist, muss man das auch nutzen. Und wir lieben ohnehin Fisch in allen Variationen.

Den restlichen Nachmittag am Platz verbracht, ging es mit den Hunden am Abend erneut auf einen etwas längeren Spaziergang. Hier hat man wirklich einige Gassi-Wege zur Verfügung. Es wird nie langweilig und den Hunden gefiel es auch. Benita wagte sich sogar mal ganz kurz ins Watt. Die Pfötchen sahen danach auch dementsprechend aus, schließlich musste man ja auch buddeln. Aber ich liebe es, wenn sie Spaß hat und dann darf sie (fast) alles.

Leider wurde es am Abend mit dem Wind dann doch relativ schnell frisch. Zeit, um mir den ‚Küstennebel‘, einen heimischen Likör zu genehmigen. 😉 Der machte allerdings auch nicht wirklich warm und so verzogen wir uns gegen 20 Uhr ins Wohnmobil. Nicht, ohne vorher wieder alles abgebaut zu haben, denn in der Nacht wurden schwere Gewitter und ggf. Sturm sowie Starkregen vorher gesagt. Das wollten wir unserer Markise dann wirklich nicht antun.

Tag 4 (Montag): Ein fauler Tag an der Nordsee

Der Wetterbericht hatte Wort gehalten. Gegen Mitternacht stand ein heftiges Gewitter mit Starkregen über uns. Als wir morgens aus dem Fenster sahen, hatte sich der Regen zwar verzogen – unser Stellplatz stand allerdings komplett unter Wasser. Anton wollte eigentlich noch etwas aus der Garage holen. Keine Chance, denn das Wasser lief ihm oben in die Schuhe rein.

Zum Glück war der Campingplatz noch immer kaum belegt, also sollte ein Stellplatzwechsel kein Problem darstellen. Prompt kam der (selbsternannte?) Platzwart um die Ecke gebogen. Aha! Plötzlich konnte man auch wieder mit uns sprechen; seit dem Vorfall am Anreisetag hatte er uns ja keines Blickes mehr gewürdigt. Erstaunlich freundlich erkundigte er sich sogar nach unserem Befinden und ob wir nicht ggf. den Platz wechseln wollen. Ja genau, das hatten wir vor. Allerdings war es mit der Freundlichkeit schnell wieder vorbei, als er merkte, dass wir nicht dorthin wollten, wo er uns wieder hin manövrieren gedachte.

An der Rezeption war alles kein Problem, wir hatten freie Auswahl und so fuhren wir einige Meter weiter. Alles wieder an Ort und Stelle gebracht, gab es nun eben ein etwas verspätetes Frühstück um 12 Uhr. Egal! Wir waren ja schließlich im Urlaub und besonders viel vor hatten wir heute auch nicht, da es den ganzen Tag über wechselhaft gemeldet war.

Erst einmal wieder eine große Gassirunde gedreht, nutzte ich die letzte trockene halbe Stunde und begab mich auf kleine Fototour. Selbst bei grauem Himmel kann man schöne Fotos schießen und so übte ich mich mal wieder in dier Kugelfotografie. Auch das Watt zeigte sich in einem ganz besonderen Licht. Von der Aussichtsplattform das Leuchtturms Obereversand hatte ich eine herrliche Aussicht über das Watt sowie Dorum-Neufeld. Allerdings pfiff mir der Wind nur so um die Ohren, so dass ich es nicht lange aushielt.

Kaum zurück, setzte auch schon wieder der Regen ein. Die nächsten vier Stunden verbrachten wir ganz gemütlich im Wohnmobil. Ich glaube, die Hunde waren ganz froh, einmal nicht so viel unterwegs zu sein und holten ihren Schlaf nach. Aber auch uns wurde nicht langweilig. Während Anton sich seiner Arbeit widmete, begann ich schon mal mit meinem Reisebericht. Auch nicht schlecht – normalerweise schaffe ich das nie im Urlaub.

Tatsächlich können so ein paar Stunden im Camper richtig erholsam sein. Man mag es kaum glauben. Ich, die immer aktiv ist, immer unterwegs, selten länger als eine halbe Stunde irgendwo sitzen kann, konnte mich hervorragend erholen. So ein bisschen Regen zwischendurch schadet nicht.

Zwischendurch bekamen wir auch mal Besuch von den Deich-Hasen. Mit Hasen hatte ich hier ehrlich gesagt am allerwenigsten gerechnet. Aber immer wieder huschten sie quer über den Platz oder den Deich. Für unsere zwei Jäger natürlich ein tolles Schauspiel.

Kurz vor 19 Uhr versiegte der Regen, die Sonne kämpfte sich durch die Wolken – Zeit für einen Spaziergang. Die Stimmung war jetzt ganz besonders schön. Klare Luft, tolle Farben und noch weniger los als ohnehin die letzten Tage schon. Und prompt waren wir wieder rund eineinhalb Stunden mit den Hunden unterwegs. Ein weiterer Abstecher an den Hundestrand durfte dabei nicht fehlen, denn auch er war logischerweise kaum besucht.

Die gesamte Wiese hier ist immer mal wieder von kleinen Wasserläufen durchzogen. Wir machten uns einen Spaß mit den Hunden und hüpften über die mit Gräser gesäumten Spalten. In ihrer Ungestümtheit und weil sie es auch einfach immer übertreiben muss, vergaß Mia vollkommen ihre Leine, sprang los … und war im Bachlauf verschwunden. So schnell konnten wir gar nicht reagieren. Vier Meter Leine scheinen immer noch zu wenig zu sein. Zum Glück war ihr nichts passiert, nicht einmal ein Fiepen gab es, dafür stand sie bis zum Bauch im Wasser. Hui. Wenn Blicke töten könnten … sie hüpfte raus, schüttelte sich ab, legte die Ohren nach hinten und zog uns auf direktem Wege in hohem Tempo zurück zum Platz. Ihr Orientierungssinn ist wirklich 1a. Kein Umweg, keine alternative Strecke … sie wollte nur noch zurück, für sie war der Tag gelaufen. Und wir kamen aus dem Lachen nicht mehr raus.

Somit also wieder schneller am Camper als gedacht, gab es nun erst einmal ein kleines Abendessen, den restlichen Abend verbrachten wir gemütlich am Platz. Inzwischen konnte man sich auch wieder raussetzen, denn es blieb für den restlichen Tag trocken und auch der Wind hielt sich erfreulicherweise in Grenzen.

Ein bisschen Wehmut kam auf, denn morgen ging es schon wieder weiter. Dorum-Neufeld hat irgend etwas an sich, was mir ganz besonders gut gefällt und ich kann nicht ausschließen, irgendwann einmal wieder zu kommen. Ich könnte stunden- und tagelang hier am Leuchtturm sitzen und einfach nur das Naturschauspiel Ebbe & Flut beobachten.

Auf eine Wattwanderung verzichtete ich dieses Mal. 2015 war ich mit einem Wattführer mehrere Stunden von Cuxhaven aus unterwegs und total begeistert von der Tour. Er hatte damals auch unglaublich viel erzählt, Wattwürmer etc. gezeigt und uns zu den Seehunden gebracht. Leider wurden hier in Dorum-Neufeld keine attraktiven Touren angeboten und alleine trauten wir uns trotz Tidekalender ehrlich gesagt nicht hinaus. Ja, da bin ich tatsächlich übervorsichtig. Denn ich kenne mich … ich lasse mich von Motiven und Muscheln treiben … und dann bin ich ganz schnell ganz weit weg …

Tag 5 (Dienstag): Auf Wiedersehen, Dorum! Moin, Dornum!

Heute Morgen wurden wir wieder von strahlend blauem Himmel und Sonnenschein begrüßt. Vom Sturm und Regen des gestrigen Tages war nichts mehr zu spüren.

Da unser Weg zum nächsten Ziel nicht besonders weit war und wir somit alle Zeit der Welt hatten, ließen wir den Tag ruhig angehen. Nach dem Ausschlafen holte ich erst einmal frische Brötchen aus dem Ort, anschließend gab es wieder ein reichhaltiges Frühstück. Danach packten wir unsere Siebensachen zusammen. Bis alles im und um den Camper verräumt ist, dauert es dann doch immer eine Weile.

Mit den Hunden ging es im Anschluss nochmals auf einen Abschieds-Spaziergang zum Leuchtturm Obereversand und am Hafen von Dorum entlang. Benita merkt man immer sofort an, wenn sie einen Platz nicht verlassen möchte. Dann trödelt und schlurft sie extra herum und straft uns mit genervten Blicken.

Doch es half alles nichts …. gegen 11 Uhr unsere Rechnung an der Rezeption beglichen, starteten wir los in Richtung Dornumersiel nach Ostfriesland. Wir waren gespannt. Die Ecke kannten wir noch nicht. Und auch auf den Campingplatz waren wir neugierig. Der Knaus Campinpark in Dorum ist ja nun wirklich sehr minimalistisch … der Herr an der Rezeption erklärte uns, dass er bereits in diesem Jahr schon 15 x den kompletten Platz innerhalb von fünf Stunden wegen Sturmflutgefahr räumen musste. Und so sieht er ehrlich gesagt auch aus. Sehr spartanisch. Und dennoch: Trotz des eher merkwürdigen Platzwarts und dass hier außer Stellplätze nichts geboten ist, hat es uns gut gefallen. Wir genossen Ruhe pur, waren in wenigen Minuten direkt am Meer, hatten herrliche Sonnenuntergänge und schöne Ausflugsmöglichkeiten – was will man mehr?

Um 11.30 Uhr gestartet, füllten wir unsere Lebensmittel beim nächsten Supermarkt auf und machten uns anschließend auf den Weg zurück über Bremerhaven und dann weiter am Jadebusen vorbei in Richtung Wilhelmshaven. Durch Jever hindurch, die Stadt, die für das gleichnamige Bier bekannt ist, erreichten wir gegen 14.30 Uhr schließlich Dornumersiel und unseren gebuchten Campingplatz am Nordseestrand. Schon allein die dreispurige Einfahrt ließ Großes erahnen.

Vor der Schranke findet man bereits einige Stellplätze für Wohnmobile, die zwar deutlich günstiger, dafür aber auch deutlich enger und in meinen Augen eigentlich auch nur Parkplätze sind. Wer viel unterwegs oder am Strand ist, für den sind sie bestimmt eine gute Alternative. Für uns jedoch nicht.

Nachdem Anton uns eingecheckt hatte, drehten wir erst einmal wieder eine Runde über den Platz und machten uns auf die Suche nach dem gebuchten Platz N039. Hier gibt es zwei Bereiche für Hundehalter. Einer davon befindet sich gleich nach der Einfahrt an der Hundewiese und dem Schwimmbad. Der zweite Bereich liegt ganz in der Nähe des Hundewanderwegs und nur wenige Meter vom Meer entfernt. Wir hatten uns bewusst für diesen Bereich entschieden, um etwas Ruhe zu haben. Die ständig an- und abreisenden Gäste muss ich nun wirklich nicht mitbekommen.

N039 war schnell gefunden. Der Platz mit 100 qm gefiel uns. Rund herum war wenig los. Genau so wie wir es mögen. Wieder zurück am Camper, wurde auch schon die Schranke geöffnet und wir düsten mit den weiteren Anreisenden los. Eingeparkt war prompt und ohne Mühe.

Inzwischen sind wir schon ein eingespieltes Team, was den Aufbau unserer Utensilien betrifft. Markise und Möbel standen innerhalb weniger Minuten und während Anton die letzten Arbeiten erledigte, machte ich mich gleich einmal auf den Weg zum Kiosk – Brötchen bestellen für den nächsten Tag.

Auf dem Weg dorthin hüpften wieder zahlreiche Deich-Hasen umher. Wie süß! Sie scheinen sich hier richtig wohl zu fühlen, denn auch in den nächsten Tagen sollten wir sie immer wieder zu Gesicht bekommen.

Der Kiosk befindet sich in einem größeren Holzgebäude, welches durch einen Steg mit dem Deich verbunden ist und auf Stelzen steht. Zu finden ist hier ein kleiner Laden mit frischen Backwaren, Getränken, den wichtigsten Standard-Lebensmitteln, aber auch Zeitschriften, Spielwaren und Camping-Zubehör. Nichts besonders Herausragendes, aber zumindest gibt es hier ein paar Kleinigkeiten zu kaufen – das hatten wir auf dem vorherigen Platz vermisst.

Brötchen können hier bis Ladenschluss für den nächsten Tag bestellt werden. Nette Idee: Der Gast erhält bereits beim Check-In eine Stoff-Tasche, die er dann für die Brötchen abgibt. Am nächsten Tag hängen die gefüllten Taschen mit Namen versehen an einem der drei ‚Bäume‘ im Laden, so dass man sich diese unkompliziert und ohne langes Anstehen einfach abholen kann.

Eine kleine Kaffeepause am Platz eingelegt, machten wir uns am späten Nachmittag mit den Hunden schließlich auf den Weg zum ‚Hundewanderweg‘. Darüber hatte ich im Vorfeld bereits viel Positives, aber auch viel Negatives gelesen und wollte mir nun endlich selbst eine Meinung bilden.

Doch was ist ein ‚Hundewanderweg‘ eigentlich? Nun ja: Zwischen Anfang/Mitte April bis Ende September (in manchen Orten auch bis Ende Oktober) gilt an der Nordsee generelle Leinenpflicht für Hunde. Während der Brut-, Setz- und Aufzuchtzeit von Anfang April bis Mitte Juli sind Hunde in vielen Bereichen gar nicht erlaubt, was vor allem auch die Deiche betrifft. Der Grund ist ganz einfach: Das Wattenmeer und der dazugehörige Nationalpark sind geschützt. Leider gibt es immer wieder rücksichtslose Hundehalter, die trotz zahlreicher Hinweis-Schilder auf die Brutzeit ihre Hunde ohne Leine toben und jagen lassen und auch die Hinterlassenschaften nicht wegräumen. Das verheerende Ergebnis kann man sich vorstellen. Um es gar nicht erst so weit kommen zu lassen, wurden vor vielen Jahren jene Verbote erlassen.

Auch hier in Dornumersiel gibt es Wege, die für Hunde tabu sind – dem entgegengesetzt dann aber eben auch den Hundewanderweg, der direkt am Deich beginnt und ca. 2,8 Kilometer auf einem Rundwanderweg durch herrliche Landschaften führt. Zusätzlich gibt es auch noch einen kleine Einstiegsstelle ins Wasser für die Vierbeiner, wenn schon kein richtiger Hundestrand vorhanden ist. Aber eben auch hier alles mit Leinenpflicht. Für uns kein Problem, da wir unsere Hunde in fremden Gebieten ohnehin niemals frei laufen lassen.

Wir drehten nun also entgegen dem Uhrzeigersinn unsere Runde, begannen den Weg entlang am Meer und bogen dann hinter den Deich ab. Meine Befürchtung, dass hier zig Hundehalter unterwegs sein würden, bestätigte sich nicht. Tatsächlich trafen wir auf all unseren Runden kaum welche. Sehr angenehm.

Der Blick auf das Watt sowie auf die weitläufigen Wiesen war fantastisch und begeisterte uns. Wir kamen an Rinder- und Schafherden vorbei und freuten uns, was für ein schönes Leben sie hier doch hatten.

Auch den Hunden gefiel die kleine Wanderung. Aufgrund der heutigen Temperaturen von rund 29 Grad waren sie danach aber auch ganz schön k.o. Es gibt hier ja keinerlei Schatten! Na dann würden sie später wenigstens gut schlafen.

Wir fanden diesen Weg wirklich schön. Natürlich fehlt die Abwechslung. Man kann ihn einmal links herum und einmal rechts herum laufen. Aber die Idee finde ich trotzdem gut und auch, dass während des Wegs immer wieder Hunde-Toiletten zu finden sind. Auch nicht selbstverständlich. Leider gibt es immer wieder Menschen, die so etwas in keinster Weise zu schätzen wissen und Dinge schlecht machen anstatt sich darüber zu freuen, dass hier auch für Hundehalter diverse Möglichkeiten geschaffen werden. Denn letzten Endes sind es doch gerade sie, weswegen so viele Verbote herrschen: Weil viele nicht in der Lage sind, sich anständig und rücksichtsvoll mit ihren Hunden in der Natur zu bewegen.

Es soll aber auch nicht der Eindruck entstehen, dass man mit Hund ausschließlich auf diesen Weg beschränkt ist. Er ist zwar der einzige am Meer – drum herum gibt es aber noch zahlreiche weitere Wege, die man mit ihnen passieren kann.

Einen Hundestrand (ganzjährig mit Leine – Schleppleine empfehlenswert!) gibt es im Übrigen im rund 10 Kilometer entfernten Neßmersiel. Auf rund 5.000 qm (und damit der kleinste Hundestrand an der ostfriesischen Nordseeküste) befinden sich 50 bis 60 Strandkörbe sowie Duschen für Herrchen und Hund. Mit der Nordsee-ServiceCard hat man freien Eintritt. Der Hund zahlt 1 € für’s Strandvergnügen. Ausgedehnte Spaziergänge sind hier nicht möglich – dafür aber Toben ohne Ende. – Wir besuchten den Strand mangels Mobilität nicht. Zu Fuß erst einmal 10 Kilometer hin zu laufen und dann wieder zurück – bei der Hitze! – macht unsere Benita nicht mehr mit. Und mit dem Camper fahren wir – wenn er einmal am Platz steht – nirgends mehr hin (ja, da hat man als Wohnwagen-Besitzer wieder Vorteile). Da aber beide keine Wasserratten sind, haben sie es uns verziehen. 🙂

Wieder zurück am Platz, machte ich mich noch einmal allein mit Kamera bewaffent auf den Weg durch die Anlage. Mit den Wolken gab es gerade ein so wunderbares Motiv – das musste ich einfangen. Ich lief am Wattenmeer entlang und weiter zum Sandstrand, an dem ein bunter Strandkorb neben dem anderen stand. Doch kaum einer war besetzt. Tatsächlich hatten sich am frühen Abend die meisten Gäste schon wieder in ihre Unterkunft verzogen, wobei aber generell nicht so viel los war.

Während sich Austernfischer und Möwen ein heftiges Gezwitscher lieferten, spazierte ich gemütlich herum, setzte mich einfach mal auf eine Bank und genoss den Ausblick aufs Meer.

Nach dem Abendessen spazierten wir mit den Hunden über den Platz und liefen anschließend am Restaurant Hafensänger über den Deich in Richtung Meer. Das Restaurant liegt unabhängig vom Campingplatz direkt am Deich mit herrlichem Ausblick auf die Nordsee und den Hafen von Dornumersiel. Das Angebot reicht von Krabben über Burger bis hin zu Schnitzel Wiener Art. Also alles, was das Herz begehrt. Weil ein Besuch in vollen Restaurants mit Mia nicht so einfach möglich ist, verzichteten wir darauf. Tatsächlich haben wir es auch versäumt, uns einfach mal etwas zu holen. Irgendwie fällt mir das jetzt erst ein …

An einem kleinen Sandstrand durfte Benita schließlich wieder ein klein wenig toben. Sie liebt es, im Sand zu buddeln. Und ja: Natürlich haben wir alle Löcher wieder zugemacht. Aber ein bisschen Spaß muss doch auch sein.

Die Hunde waren heute trotz der zahlreichen Spaziergänge nicht müde zu bekommen. Wir setzten uns noch ein wenig vor den Camper und guckten fremde Hundis … das strengt dann doch mit der Zeit an.

Um kurz nach 21 Uhr drehte ich schließlich meine Sonnenuntergangsrunde. Whow! Kein einziges Wölkchen trübte den Himmel und das Meer glitzerte unglaublich. Mit dem Naturpark und dem Watt im Vordergrund traumhaft schön. Dafür fröstelte es mich immer mehr. Die Hitze war weg – jetzt kam der Wind. Nach einer Stunde Fotosession war ich leicht durchgefroren.

Inzwischen waren wir aber auch alle (endlich) hundemüde. Es war ein langer Tag, wir viel an der frischen Luft. Ab ins Bett. Morgen ist auch noch ein Tag.

Tag 6 (Mittwoch): Ausflug nach Dornum

So langsam machte sich der Urlaub bei den Hunden bemerkbar. Je länger wir unterwegs waren desto länger hielten sie es morgens aus. Nichts mehr mit 7 Uhr aufwecken … jetzt waren wir es, die sie zwei Stunden später aus dem Bett schmissen.

Das Frühstücks-Gebäck am Brötchenbaum gepflückt 🙂 und wieder ausgiebigst gefrühstückt (wie sehr ich das im Urlaub liebe – zu Hause frühstücken wir unter der Woche nie!), machten wir uns am späten Vormittag mit den Hunden auf Erkundungstour.

Dieses Mal spazierten wir über einen Teil des Hundwanderwegs zum Reethaus am Meer, wo die Touristeninformation untergebracht ist. Von hier war es nicht mehr weit bis zum Seepark West, einer schönen Grünanlage in Dornumersiel, die sich an der Westseite des Mahlbusens entlang schlängelt. Der maritime Kurpark zeigt fantasievolle Themengärten, die zudem auch noch Fachwissen vermitteln. Insgesamt gibt es 17 Stationen zum Entdecken und Staunen, u. a. eine große Sonnenuhr, in einem Becken schwimmende Schiffchen und vieles mehr. Rund herum gesäumt von wunderschönen Blumen und Büschen, alles akkurat angelegt.

Wir liefen weiter in Richtung des Buten-Diek-Hotel & Restaurant, wo sich der Mahlbusen schließlich wieder zum Dornumersieler Tief – einem kleinen Bach – verkleinert. Hier drehten wir dann auch wieder um. Die Temperaturen waren mit knapp 30 Grad einfach zu hoch für Benita. Ihre Zunge hing schon bis zum Boden. Wir wollten sie nicht überanstrengen und spazierten langsam zurück.

Während Anton und die Hunde am Camper blieben – der eine arbeite, die anderen schliefen – schnappte ich mir mal wieder mein Fahrrad und machte mich auf den Weg ins rund 8 km entfernte Dornum.

Erneut am Reethaus am Meer vorbei und die Hafenstraße parallel zum Seepark West entlang, erreichte ich die Störtebeker Straße und das dort befindliche Denkmal der Sturmflut. Ein paar Fotos gemacht, ging es nun ein Stück weiter und ich bog in die Oll Deep ein, eine Straße entlang des Dornumersiel Tief. Westeraccumersiel hinter mir gelassen, folgte ich nun einem sehr gemütlichen Radweg mit herrlichen Ausblicken auf die Wiesen und Felder.

In Westeraccum angekommen, blitzte etwas versteckt die Windmühle Accumer Riege hervor. Oh wie schön! Die 1746 errichtete Galerieholländerwindmühle befindet sich heute in einem voll funktionsfähigem Zustand. Sie hat eine Höhe von 18 Metern, das Flügelkreuz einen Durchmesser von 22 Metern. Eine Mühle wie aus dem Bilderbuch!

Entlang der gleichnamigen Straße befand ich mich nicht nur inmitten einer wunderschönen Allee, sondern auch noch inmitten in einer Apfelplantage. 1951 die ersten Apfelbäumchen von Landarzt Dr. Onno Poppinga gepflanzt, wuchs die Anlage im Laufe der Jahre zu einer ansehnlichen Größe heran. Inzwischen findet man hier über 30.000 Obstbäume, die neben den Äpfeln auch Kirschen, Zwetschgen und Birnen tragen und direkt vor Ort gekauft werden können. Den Namen trägt das Unternehmen heute noch und klingt irgendwie lustig.

Nur fünf Minuten später stand ich mitten in Dornum – ein richtig verträumtes Städtchen mit historischem Stadtkern. Das Rad in der Enno-Hektor-Straße am ‚Bienenkorb‘ abgestellt, ging es nun zu Fuß weiter, denn ich wollte mir alles ganz genau ansehen. An jedem einzelnen Backsteinhaus – die im übrigen sehr gut erhalten sind – findet man kleine Tafeln, die über die ehemalige Funktion der Gebäude berichten, teilweise sogar mit den Bilder von damals. Ob Schreinerei, Bäckerei oder Apotheke. Ich fand es ziemlich spannend und stellte mir den Ort in den frühen 1920er Jahren vor.

Immer wieder entdeckte ich kleine Tee-Läden und hübsche Geschäfte. In Holz geschnitzte Vögel am Gartenzaun hatten sogar alle eine gehäkelte Mütze verpasst bekommen – wie süß ist das denn?! Ich kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Wäre da nicht immer mal wieder ein Auto durchgefahren, hätte ich echt gedacht, eben mal so in die Vergangenheit gereist zu sein.

Am meisten los war in der Dornumer Teestube unweit des Wasserschlosses. Die Sitzgelegenheiten waren aber auch sehr einladend, leckere Kuchen lockten die Gäste an. Direkt daneben befindet sich ein kleiner Näh-Laden und prompt stand ich mittendrin. Hier werden sogar Nähkurse für Touristen angeboten. Im Hintergrund hörte ich auch ganz fleißig die Nähmaschine rattern. Neben puren Stoffen kann man hier auch Endprodukte erwerben, wie Kissen, Türstopper, Taschen und vieles mehr. Ein echt süßer Laden, der einen Besuch lohnt!

Über die Schloßstraße erreichte ich das barocke Wasserschloss Dornum. Bereits im 14. Jahrhundert als Norderburg errichtet, wurde es im 17. Jahrundert zu einer Vierflügelanlage mit Vorburg ausgebaut. Heute befindet sich hier u. a. eine Realschule. Auf dem Schlossgelände finden über das Jahr verteilt Ritterspiele, Kunsttage und div. Konzerte statt. Besonders interessant soll wohl der Rittersaal mit Galerie sein. Leider konnte ich es mir nicht ansehen, weil ausgerechnet im 2. Quartal des Jahres Renovierungsarbeiten vorgenommen werden und das Gelände gesperrt ist. Sehr schade.

Also ging es wieder zurück und durch die Gassen zum Marktplatz. Der Ort wirkte hier wie ausgestorben. Über die Kirchstraße ging es zur Kirche St. Bartholomäus aus dem 13. Jahrhundert mit dem Glockenturm. Etwas mystisch wirkten die zahlreichen von Moos bewachsenen Kreuze unterhalb der gigantischen Buche. Der Solitär auf dem Kirchhof hat eine Höhe von 16,5 Metern und einen Kronendurchmesser von 30 Metern. Unglaublich! Was für ein Baum!

Noch ein wenig hier entlang spaziert, holte ich mein Rad und fuhr weiter zur letzten ostfriesischen Bockwindmühle, die einige hundert Meter Richtung Ortsausgang zu finden ist. Sie ist seit 1626 das Wahrzeichen von Dornum. Die wuchtigen Eichenbalken und die massiven Mühlsteine haben viel Wind und Wetter und die zerstörerischen Sturmfluten über die Jahrhunderte überdauert. Rund um die Mühle findet man einen kleinen Erholungspark, auch Kutschen aus der damaligen Zeit und diverse Häuser sind zu sehen.

Wieder zurück im historischen Stadtkern, stattete ich der Beningaburg noch einen kurzen Besuch ab. Sie wurde im 14. Jahrhundert erbaut und ist umgeben von einem Wassergraben und alten Bäumen. Heute beherbergt sie ein Hotel, eine Burgkellerkneipe und ein Restaurant.

Dornum hat mich wirklich begeistert. Ein schöner Ort mit Geschichte, an jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken. Nun hatte ich aber alles gesehen und machte wieder auf den Weg zurück nach Dornumersiel. Vorbei an der Obstplantage und wiederum malerischen Landschaften, erreichte ich am Nachmittag wieder den Campingplatz.

Jetzt war erst einmal etwas Relaxen angesagt, eine Stunde später starteten wir wieder mit den Hunden los. Dieses Mal ging es den Hundewanderweg in die andere Richtung und Mia lernte zum ersten Mal Schafe kennen. Gestern hatte ich sie ihr schon aus der Ferne gezeigt, heute standen sie direkt am Zaun. Sowohl Mia als auch die Schafe waren sichtlich verwirrt, wer da denn plötzlich vor ihnen stand.

Zum Abendessen machten wir uns einen leckeren Scampi-Salat und streiften anschließend nochmals am Deich in Richtung Hafen Dornumersiel entlang. Im Hotel HaWattn war heute Live-Musik und ausgelassene Stimmung und so blieben wir ein wenig stehen um zuzuhören.

Eigentlich hatte ich ja gestern schon zahlreiche Fotos vom Sonnenuntergang geschossen. Aber auch heute war er wieder herrlich anzusehen und mit den Wolken drum herum so ganz anders, dass ich nicht anders konnte und erneut zum Watt lief.

Den restlichen Abend verbrachten wir noch ganz gemütlich am Camper und philosophierten über unser mögliches Nachfolger-Wohnmobil. Verrückt! Gerade mal ein Jahr unterwegs, überlegen wir schon, was wir in fünf Jahren wohl fahren werden … das sind auch nur wir!

Tag 7 (Donnerstag): Ausflug nach Bensersiel

Heute starteten wir sehr stürmisch in den Tag. Zwar gab es Sonne und erneut Temperaturen um die 30 Grad. Aber der Wind war wirklich nicht ohne. Gerade eben noch zum Frühstück die Markise herausgefahren und den Sichtschutz gespannt, löste sich dieser urplötzlich und hakte sich von selbst aus. Na toll. Das nervte ein wenig. Aber an der Nordsee ist das eben so. Ohne Wind würde hier etwas fehlen.

Den Vormittagsspaziergang unternahmen wir in Richtung Dornumersiel Hafen. Vorbei am Siel- und Schöpfwerk ging es direkt am Hafenbecken entlang und wir betrachteten die bunten Fischerboote, die nun wieder gesäubert und für den morgigen Tag vorbereitet wurden. Gleich um die Ecke gibt es die Fischfeinkost Rinjes OHG, ein kleiner Fischmarkt, auf dem man die frischeste Ware kaufen oder auch direkt vor Ort verspeisen kann. Doch jetzt um kurz nach 11 Uhr war uns dann doch noch nicht danach.

Am angrenzenden Yachthafen vorbei, spazierten wir gemütlich wieder zurück. Plötzlich hörten wir zahlreiche Möwen irrsinnig laut kreischen und im Hafenbecken herumschwirren. Es wirkte ganz so, als wäre irgend etwas Schlimmes passiert. Stattdessen kam nur ein Fischerboot wieder in den Hafen gefahren … ah ja.

Die Hunde müde. Der Mann am arbeiten. Zeit für mich, wieder auf Tour zu gehen. Eigentlich hatte ich geplant, mir Esens anzusehen. Aufgrund des heftigen Gegenwindes und der damit verbundenen Schwierigkeit, mit dem Rad anständig vorwärts zu kommen, verzichtete ich auf das 14 km entfernte Esens und fuhr stattdessen ins näher gelegene Bensersiel.

Am Siel- und Schöpfwerk vorbei, übersah ich doch glatt die richtige Abzweigung und landete nun auf der anderen Seite des Mahlbusens, dem kleinen See, auf dessen gegenüberliegenden Seite wir gestern am Seepark West unterwegs waren. Das war auch ganz gut so, denn tatsächlich entdeckte ich hier noch richtig schöne Gegenden.

Gleich neben dem Westeraccumersiel Tor steht ein Seenotrettungsboot auf einem kleinen Hügel und bietet tolle Fotomotive. Im dahinter liegenden Park kann man schön spazieren gehen und es sich auf einer der zahlreichen Bänke bequem machen. An der Südseite des Mahlbusens, am Jörg-Darms-Pfad, steht ein Nachbau der Leuchttonne Accumer Ee. Das Original befindet sich 12 Kilometer vor der Küste zur Ansteuerung des Seeweges zum Hafen Accumersiel (Dornumersiel), wurde bereits 1583 erwähnt und hat bis heute einen große historische Bedeutung für die Schiffahrt.

Wieder ein Stück zurück gefahren, entdeckte ich nun die richtige Abzweigung auf die Westerburer Polder in Richtung Bensersiel. Ein schöner Radweg entlang der Nordsee, hinter dem Deich gelegen. Rund 40 Minuten später erreichte ich mein Ziel.

Das Fahrrad am Schmiedeweg direkt um die Ecke von Hinrichs Eis abgestellt, spazierte ich nun wieder zu Fuß durch den Ort. So schön das Radfahren auch ist – am liebsten bin ich doch auf meinen eigenen Füßen unterwegs. Da könnte ich auch zehn Stunden herumlaufen, während mich das Radfahren zugegebenermaßen nach wie vor anstrengt.

Schon von unserem Urlaubsort aus hatten wir das große Riesenrad gesehen, das sog. Watten Eye, das mit einer Höhe von 38 Metern fantastische Ausblicke auf die Ostfriesischen Inseln, den Strand und das Wattenmeer bietet. Neben den üblichen Rundfahrten werden hier sogar sog. Themen-Fahrten angeboten, wie Frühstück in der Gondel oder gemütliche Weinabende. Auch eine nette Idee. Es steht zwischen Strand und Hafen direkt vor dem Freibad Bensersiel.

Ich lief am Benser Außentief entlang zum Yachthafen, wo auch die Fähre nach Langeoog ablegt, drehte wieder um und genoss von der ‚Walfisch-Brücke‘ einen tollen Ausblick auf das Hafengelände. Hier war schon etwas mehr Tourismus geboten als in Dornumersiel. Entlang der Hauptstraße findet man zahlreiche Restaurants und Bars, dazwischen den ein oder anderen Souvenir-Laden, in die ich natürlich auch mal gucken musste.

Und überall im Ort verteilt findet man sie: Die Bären – das Wappentier der Stadt Esens (und Bensersiel gehört sozuagen zu Esens dazu). Doch wie kam es dazu? Als die Stadt Esens im Mittelalter immer wieder von feindlichen Truppen belagert wurde, befand sich gerade ein Musikant mit seinem Tanzbären in der Stadt. Innerhalb der Mauern und Gräben gesichert, trotzten die Esener ihren Feinden. Doch die Not wurde immer größer, der Hunger auch. Kurz vor der Kapitulation befreite sich der eingesperrte Bär, kletterte vor Hunger brüllend auf einen Turm und warf mit Steinen um sich. Die Feinde schlossen daraus, dass die Esener noch genügend Proviant haben, um selbst Bären zu ernähren und zogen ab. Seitdem ist er der Held der Stadt.

In allen Variationen waren sie zu finden. Als Sparkassen-Bär oder Figur vor einem Restaurant. Bunt bemalt. So etwas gefällt mir natürlich immer.

Vorbei am Seerosenteich, ging es nochmals zum Hafen und nach einem kurzen Einkauf im Supermarkt langsam mit dem Rad wieder zurück nach Dornumersiel. Es war ein schöner Ausflug und genau das richtige, sich nur auf Bensersiel konzentriert zu haben.

Wieder am Platz, berichtete ich jetzt erst einmal von dem Erlebten, zwei Stunden später drehten wir mit den Hunden die übliche Hundwanderweg-Runde. Auch zum dritten Mal wurde es uns nicht langweilig, weil einfach die Natur so schön ist und auf diesen Wegen niemand unterwegs.

Da wir morgen den Platz schon wieder verließen, drehte ich nochmals eine kleine Fotorunde und schaute mir dabei auch den Freilauf-Platz für Hunde näher an. Dieser befindet sich nur wenige Meter hinter der Einfahrt und angrenzend ans Meerwasserfreibad. Er ist vollständig umzäunt (ca. 1,20 m Höhe) und bietet zumindest für zwischendurch mal die Gelegenheit, die Hunde toben zu lassen.

Nach dem Abendessen spazierten wir noch einmal in Richtung Strand und gelangten erneut in einen wunderschönen Sonnenuntergang. Benita flippte im Sand wieder regelrecht aus und ich konnte sie kaum bändigen. Mia forderte sie im Spiel auf und prompt waren die Leinen ineinander verheddert. Egal. Die Mäuse hatten so viel Spaß, dass sogar die drum herum sitzenden Leute lachen mussten. Und mir ging mein Herz auf. Die Hunde so ausgelassen und voller Lebensfreude zu sehen – es gibt nichts Schöneres!

Ich war zugegebenermaßen ziemlich traurig, die Nordsee morgen schon wieder verlassen zu müssen. Natürlich freute ich mich auf die weitere Reise – aber wir haben uns die letzten Tage hier so wohl gefühlt, dass wir gerne noch länger geblieben wären. Hier wirkt alles so friedlich, so ruhig und angenehm. Kein Stress. Keine Hektik. Es war Erholung pur.

Da der Wetterbericht für heute Nacht wieder heftige Gewitter und Sturmböen vorher gesagt hatte und wir morgen ohnehin schon früh losstarten wollten (es lagen rund 480 Kilometer vor uns), packten wir noch heute Abend alle Utensilien zurück in den Camper. Das war auch gut so, denn kurz vor Mitternacht ging es so richtig rund. Rund herum blitzte und donnerte es und der Wind pfiff durch den Platz. Ein paar Wagemutige hatten all ihr Sachen draußen stehen lassen. Nach und nach sahen wir sie mit Taschenlampe bewaffnet herumwuseln und Markisen einfahren, Tische und Stühle einpacken. Das war lustiger als jede Comedy-Sendung. Wir saßen gemütlich im Bett und guckten frech aus dem Fenster.

Tag 8 (Freitag): Auf dem Weg nach Koblenz

Die Nacht hatten wir gut überstanden. Irgendwann war ich so müde, dass mich selbst das Gewitter nicht mehr am Schlafen hindern konnte. Am Morgen war alles (sprichwörtlich) wie weggeblasen. Nein, ganz so schlimm war es natürlich nicht. Die Zelte um uns herum standen alle noch – und darum hatte ich wirklich etwas Angst. Aber tatsächlich hört sich so eine Sturmböe wohl immer schlimmer an als sie eigentlich ist.

Das Wetter war bewölkt; die Temperaturen kletterten aber auch heute Morgen um 8 Uhr schon wieder auf rund 24 Grad. Nach einem schnellen Frühstück ging es mit den Hunden nochmals am Watt entlang. Ein letzter Blick auf die Nordsee. Wir kommen wieder – das ist sicher!

Auf dem Weg nach draußen noch schnell das Grauwasser abgelassen und die Rechnung bezahlt, düsten wir gegen 10.30 Uhr schließlich los in Richtung Rheinland-Pfalz. Laut Navi sollten wir um kurz nach 15 Uhr an unserem Ziel sein. Wäre da nicht … ja wäre da nicht der Stau aufgrund eines liegen gebliebenen LKW’s.

Fahre niemals an einem Freitag an Großstädten vorbei … Die Strecke bis nach Düsseldorf war ja soweit ganz ok. Der erste Teil der Fahrt sogar richtig idyllisch. Den Campingplatz verlassen, ging es noch ein ganzes Stück durch Ostfriesland hindurch. Wir streiften die Fehnroute bei Leer, die auf 173 km durch zahlreiche traditionelle Wieken führt (schnurgerade, ursprüngliche Ortschaften), fuhren an Papenburg vorbei, dem Ort, der uns durch die Meyer Werft für Kreuzfahrtschiffe nur bestens bekannt ist (eigentlich hätten wir hier getrost noch eine Nacht verweilen können, schließlich gibt es auch hier einen eigenen Campingstellplatz mit Werftbesichtigung) und fuhren durch den Emstunnel. Auf dieser Reise kamen wir an wirklich vielen Ecken des Landes vorbei.

Doch im Ruhrgebiet war dann alles anders. Das Landschaftsbild veränderte sich, der Verkehr wurde immer mehr und letzten Endes ging es rund eineinhalb Stunden lediglich im Schneckentempo weiter wegen des Pannen-LKW’s. So hatten wir uns das nicht vorgestellt. Merke: Staus können immer sein; Großstädte zum Wochenende hin vermeiden; daran hatten wir natürlich nicht gedacht.

Ich konnte die Zeit zwar gut fürs Arbeiten nutzen – dennoch wollten wir so bald als möglich ankommen und es zerrte schon sehr an unseren Nerven. Doch irgendwann war auch dieser Spuk vorbei und so erreichten wir schließlich gegen 16.15 Uhr endlich den Campingpark Knaus in Koblenz. Geschafft!

Die Anfahrt war ganz schön tricky. Wer hat sich denn diese Straßenführung hier einfallen lassen? Das Navi leitete uns über den Kreisverkehr, dann wieder zurück, dann doch die nächste Straße rechts, vorbei an alten Hallen, durch ein Gewerbegebiet hindurch – und da soll ein Campingplatz sein? Tatsächlich: Da war er ja.

Während Anton uns eincheckte, warteten wir geduldig im Camper, kurz darauf konnten wir unseren Platz Nr. 45 (Ufer-Stellplatz) beziehen. Oh wie schön! Was für eine tolle Aussicht auf den Rhein und die Festung Ehrenbreitstein.

Jetzt aber erst einmal eine kurze Gassi-Runde. Auch die Hunde waren platt von der langen Autofahrt und so mussten wir uns jetzt alle erst einmal die Beine vertreten. Mia war etwas unentspannt. Im Gegensatz zu den bisherigen Campinplätzen war dieser hier bis auf den letzten Platz besetzt. Das waren wir gar nicht mehr gewöhnt. Dementsprechend waren auch viele Leute unterwegs. Die Nähe zum Deutschen Eck (wir befanden uns in greifbarer Nähe direkt gegenüber) und somit der Altstadt stresste unsere kleine Maus. Sie ist eben ein Naturkind.

Und da sahen wir es auch schon: Das Reiterstandbild von Kaiser Wilhelm I. Und wie groß das war! Whow! Ach, ich freute mich riesig, hier zu sein. Koblenz stand ja schon lange am Plan – endlich hatte es geklappt.

Heute allerdings war es schon zu spät für eine Stadtbesichtigung. Wir waren alle müde und morgen war auch noch ein Tag. Daher kehrten wir zum Camper zurück und machten es uns mit kühlen Getränken bequem. Auf Kochen hatten wir heute so absolut keine Lust mehr. Dankenswerterweise gibt es gleich am Camp-Eingang das Bistro Rhein-Moselblick und so orderte ich uns zwei Pizzen zum Mitnehmen. Leider mussten wir später feststellen, dass es sich dabei lediglich um etwas bessere Tiefkühlpizzen handelte. Mit 11,50 € bzw. 13 € in meinen Augen daher ziemlich überteuert. Aber egal. Geschmeckt haben sie ja trotzdem.

Als wir den Platz hier ‚bezogen‘, schauten wir übrigens erst einmal etwas doof aus der Wäsche. Der nächste Stromkasten war über 50 Meter entfernt. Leider gab es auch hier nicht an jedem einzelnen Platz eigenen Strom, sondern nur entsprechende Sammelstellen. Unser Kabel war mit 25 Metern aber deutlich zu kurz. Was tun? Verzichten mussten wir zum Glück nicht darauf, an der Rezeption konnten wir uns kostenfrei (jedoch gegen Pfand) ein 30 Meter langes Kabel ausleihen. Wenn wir eines auf dier Reise gelernt haben, dann: Unbedingt eine zweite Kabeltrommel mitnehmen. Die letzten Male hatten wir sie auch tatsächlich immer mit dabei – und nie gebracht. Doch kaum ausgeladen, wäre sie Gold wert gewesen. Also wieder rein in den Van.

Gegen 19 Uhr machten wir uns dann noch einmal auf einen etwas längeren Spaziergang, um die Umgebung zu inspizieren. Ein toller Gehweg (der eigentlich für Radfahrer gesperrt ist, aber wir kennen es ja schon von vielen anderen Reisen, dass Lesen nicht jedermanns Stärke ist) führt direkt am Rhein entlang. Wir beobachteten die Schiffe, die vorbei fuhren. Neben Flusskreuzfahrtschiffen sind es vor allem auch Container-, Gas- oder Kohleschiffe. Aber auch das ein oder andere Privatboot schlängelte sich dazwischen.

Am Kiesstrand können sich nicht nur Badefreunde erholen – auch für Hundehalter gibt es hier viele Einstiegsstellen fürs Toben im Fluss. Aber Vorsicht: Der Rhein fließt schnell und man sollte hier seinen Hund nicht ungesichert zu weit ins Wasser lassen. Tatsächlich sahen wir auch den ein oder anderen Hundehalter mit Schleppleine, der seinen Vierbeiner beim Schwimmen unterstützte.

Hier gefiel es mir. Mitten in der Stadt und doch in der Natur. Mia teilte meine Meinung nicht ganz so. Man merkte ihr die Anspannung richtig an. Das sollte sich auch den ganzen Aufenthalt über nicht mehr ändern. Beim Gassi-Gang gab es auch immer einen ganz speziellen Punkt, an dem sie keinen Schritt mehr weiterging. Eigentlich erreicht man nach dem Campingplatz die Grillwiese Neuendorf, eine Freizeitwiese, auf der auch ein Skate-Park sowie ein Football-Platz zu finden ist. Doch Mia drehte permanent immer an dem selben Punkt ab. Keine Chance, mit ihr weiter zu gehen, sie geriet regelrecht in Panik. Wir wissen bis heute nicht genau, was sie so verschüchterte. Aber wir wollten sie nicht unnötig stressen und liefen dann eben in die andere Richtung weiter.

Noch ein bisschen am Platz relaxt und einfach nur doof auf den Rhein geschaut, verabschiedete ich mich heute schon früher als gewöhnlich ins Bett. Schon seit der Stau-Geschichte hatte ich Kopfschmerzen, die immer schlimmer wurden. Um morgen nicht komplett ausgeknockt zu sein, ging es dann eben schon um 22 Uhr ins Bett.

An Schlaf war jedoch erst einmal nicht zu denken. Zum einen spielten ausgerechnet jetzt Kinder direkt hinter unserem Wohnmobil Fußball, zum anderen verlor der Baum, unter dem wir standen, regelmäßig seine Früchte in Form von kleinen Kügelchen und es klackerte auf dem Dach – und DAS wiederum brachte Benita zum Zittern. Dass aber auch immer was anderes sein muss … die Sorgen und Nöte unserer Hunde, ach ja.

Tag 9 (Samstag): Stadtbesichtigung Koblenz

Gemorsche, Koblenz!

Die Kinder gestern Abend noch freundlich darum gebeten, ihr Fußballspiel doch auf ihren eigenen Stellplatz zu verlegen und Benita einigermaßen beruhigt, fand ich dann doch endlich meinen Schlaf und wachte heute zum Glück ohne weitere Kopfschmerzen auf.

Die Sonne strahlte vom wolkenlosen, blauen Himmel. Die Temperaturen kletterten erneut auf knapp 30 Grad. Schöner könnte man doch gar nicht in seinen 18. Hochzeitstag starten, oder? Die Ehe war volljährig. Wahnsinn, wie schnell die Zeit vergeht. Ich freute mich über die Glückwünsche, die von Familie und Freunden eintrudelte. Toll, dass so viele noch immer mit uns an ‚unseren‘ Tag dachten.

Ich wagte einen vorsichtigen Blick auf das Heck unseres Wohnmobils. Das Rad war noch da! Gestern beim Check-In wurde uns nämlich mitgeteilt, dass derzeit regelmäßig Fahrräder vom Campingplatz geklaut werden. Das war natürlich ein etwas mulmiges Gefühl. Man hat zwar die Möglichkeit, sein Rad in einem vom Campingplatz gestellten Sammelcontainer unterzubringen. Doch da war absolut kein Platz mehr. Also ließ ich meines an der Vorrichtung des Campers und verschloss es doppelt und dreifach. Andererseits hätten die Diebe sicherlich auch Mitleid mit meinem Rad. So verrostet, wie das teilweise an der Kette schon ist … ich glaube, da legen sie lieber nochmal 10 € dazu. 🙂

Nach dem gemütlichen Frühstück spazierten wir mit den Hunden wieder am Rhein entlang, die sogar ihre Pfötchen ein kleines bisschen ins Wasser hielten. Na, dann muss es ihnen aber schon sehr warm sein …

Zurück am Platz, wartete auf Anton leider schon wieder die Arbeit. Da wir mit den Hunden aber ohnehin nicht gemeinsam in die Stadt konnten (Mia stressen Städte, zumal sie ja hier am Platz schon so nervös war), nutzte ich die Gelegenheit Zur Erkundung Koblenz‘.

Super praktisch ist dabei die Fähre ‚Liesel‘, die von April bis Oktober zwischen dem Knaus Campingpark und dem Moselanleger am Peter-Altmeier-Ufer fährt. Sie ist seit 1949 die schnellste und wohl auch schönste Verbindung zwischen beiden Ufern. Das Boot fasst 25 Passagiere. Auch Hunde und Fahrräder finden Platz. Feste Fahrzeiten gibt es nicht. Es wird nach Zuruf und Bedarf gefahren. Pro Strecke bezahlte ich 1,80 € (Stand: Juli 2022).

Gerade auf dem Weg zum Anleger, hörte ich rechter Seite eine Gruppe Junggesellen-Abschiedler, wie sie in meine Richtung liefen mit den Worten: ‚Frischfleisch!‘ (Naja, mit 40 Jahren wohl nicht mehr ganz so ;-)). Nichts wie weg, darauf hatte ich jetzt so absolut keine Lust. Schnellen Schrittes ging ich zur ‚Liesel‘, nahm Platz … und prompt legte das Boot ab (ich glaube, der Bootsführer hatte auch keine Lust auf sie). Die Jungs schauten bissl dämlich aus der Wäsche. Hihi.

Keine drei Minuten später stand ich am Peter-Altmeier-Ufer und lief gemütlich dort entlang. Eine schöne, breite Promende. Links mit einem Grünstreifen und vielen bunten Blumen. Rechts ankerten zahlreiche Flusskreuzfahrtschiffe verschiedener Reedereien. Das war für mich natürlich von ganz besonders großem Interesse, da ich sie ja auch alle in meinem Reiseangebot habe und so wieder ein paar zumindest von außen besichtigen konnte.

An die Vielzahl der Menschen musste ich mich hier aber erst einmal wieder gewöhnen und momentan war es noch ein kleiner Spießroutenlauf. Enger Kontakt zu fremden Leuten ist mir noch immer nicht geheuer. Aber klar – zum einen waren zahlreiche Touristen in der Stadt unterwegs. Zum anderen aber viele weitere Junggesellen-Abschiede und natürlich auch die Einheimischen, die das Wochenende für einen gemütlichen Einkaufsbummel nutzten. Nach den eher menschenleeren Tagen an der Nordsee war das ein ziemlich krasser Wechsel.

Wer am Ufer entlang läuft, blickt natürlich in erster Linie auf die Mosel. Ihr solltet aber unbedingt auch die Häuser auf der linken Straßenseite beachten. Hier gibt es so viele hübsche Details. Wie z. B. kleine Figuren in Form von Tauchern oder Schwimmern, die ganz oben auf der Dachkante sitzen oder ‚gerade zum Sprung ansetzen‘. Besonders schön auch das Restaurant ‚Deutscher Kaiser‘ mit seiner Bemalung. Und auch an den Mauern zwischendurch findet man immer wieder schöne Malereien, die es wert sind, stehen zu bleiben.

Schon von weitem blitzt einem glänzend weiß die Alte Burg, eine ehemalige kurfürstliche Burg aus dem 13. Jahrhundert entgegen. Sie steht als Niederungsburg in der Altstadt direkt neben der Balduinbrücke und beherbergt heute das Stadtarchiv.

Ich bog ab auf die Balduinbrücke, eine steinerne Bogenbrücke aus dem 14. Jahrhundert. Sie ist die älteste erhaltene und auch längste Brücke über die Mosel vor der Mündung in den Rhein am Deutschen Eck und verbindet die Koblenzer Altstadt mit dem Stadtteil Lützel. Dorthin wollte ich zwar nicht, aber ich spazierte bis zur Steinfigur des Kurfürsten Balduin von Luxemburg, dem Namensgeber der Brücke. Von hier aus hatte ich auch einen fantastischen Blick über die Mosel und einen Teil der Altstadt sowie auf die vielen Schiffe.

Wieder zurück in Richtung Altstadt ging es nun erst einmal weiter entlang der Straße An d. Moselbrücke und Hohenfelder Straße und prompt stand ich inmitten eines tosenden Straßenverkehrs. Die Leute liefen kreuz und quer vor mir herum und ich stellte schnell fest, wie multikulturell Koblenz doch ist. Damit hatte ich in einer Stadt in Rheinland-Pfalz ehrlich gesagt gar nicht gerechnet.

An der Ecke Löhrstraße und Moselring steht die unglaublich beeindrucke Herz-Jesu-Kirche, die zwischen 1900 und 1903 errichtet wurde. Sie gehört zu den bedeutendsten neuromanischen Sakralbauten Deutschlands. Nördlich der katholischen Pfarrkirche findet man das große Einkaufszentraum Löhr-Center, für das ich heute allerdings keine Zeit und Lust hatte. Gibt ja eh überall das gleiche.

Hier findet man auch zahlreiche Restaurants und Bars und es herrschte ausgelassene Stimmung überall. Vorbei an einem hübschen Brunnen mit Zinnfiguren überquerte ich die Löhrstraße und lief den Friedrich-Ebert-Ring entlang, als ich schließlich die evangelische Christuskirche erreichte, ebenfalls eine sehr eindrucksvolle Kirche aus 1904.

Vorbei am Landesbetrieb Mobilität Rheinland-Pfalz, das in einem richtig schönen, historischen Gebäude untergebracht ist, lief ich über die Neustadt weiter zum Kurfürstlichen Schloss Koblenz und stand plötzlich wieder inmitten einer idyllischen Parkanlage. Gerade noch von Autolärm umgeben, war es hier wieder wundersam still und erholsam. Breite Geh- und Radwege, riesige Grünflächen mit wundervollen Blumenarrangements. Herrlich!

Über die Schlossstraße und den Schlossvorplatz spazierte ich direkt zum Schloss, wo zahlreiche Brautpaare gerade ihre Fotoshootings hatten. Ein Paar hübscher als das andere – und dann erst die tollen Brautkleider! Ich schwelgte in Erinnerungen. Heute vor 18 Jahren …

Der Weg zum Schloss ist gesäumt von den verschiedensten Bäumchen. Ob Feige, Oliven, Orangen oder Zitronen. Jeder einzelne Baum wird dabei genauestens benannt. Also auch ein bisschen Naturkunde zwischendurch.

Von Weitem ähnelt das Schloss ja so ein klitzekleines bisschen dem Weißen Haus in Washington. 🙂 Tatsächlich war das Kurfürstliche Schloss einst die Residenz des letzten Erzbischofs und Kurfürsten von Trier, der es Ende des 18. Jahrhunderts erbauen ließ. Später residierte hier der preußische Thronfolger und spätere Kaiser Wilhelm I.

Heute gehört es zu den bedeutendsten Schlossbauten in Südwestdeutschland und ist mit dem Schloss Münster eines der letzten Residenzschlösser, die vor der Französischen Revolution erbaut wurden.

Hier in der Parkanlage hielt ich mich eine ganze Weile auf, da es an jeder Ecke etwas zu sehen gibt. Ob die akkurat in Würfel geschnittenen Bäume, der groß angelegte Brunnen, in denen gerade kleine Kinder plantschten oder auch die Löwen-Figuren. Und überall gab es Sitzgelegenheiten für eine kleine Pause zwischendurch.

Sofort aufgefallen sind mir hier in Koblenz die sog. ‚Alltagsmenschen‘. Eine – wie ich erst später herausgefunden habe – ‚Sonderausstellung‘ der beiden Künstlerinnen Christel und Laura Lechner. Vom 1. April bis zum 5. Juli fand man rund 40 Skulpturen an 12 charakteristischen Standorten zwischen Deutschem Eck und Schloss. Die Figuren zeigten das Leben in ihrer reinsten Form, völlig ungeschönt. Schon vorne auf dem Schlossplatz hatte ich eine in den Brunnen springende Dame entdeckt. Hier am Schlossvorplatz gab es einen in Anzug gekleideten Mann mit zwei Dackel.

Über die Stresemannstraße erreichte ich den Reichensperger Platz, auf dem ich erneut eben solche Figuren entdeckte. Eine Gruppe Rentner, alle bepackt mit Taschen. Auf den ersten Blick sah es tatsächlich wie eine ganz gewöhnliche Menschengruppe aus.

Weiter ging es nun entlang der Kaiserin-Augusta-Anlagen, einer schönen Grünanlage entlang des Rheins zu den Schlossstufen, einem Ort zum Verweilen. Und auch hier stieß ich immer wieder auf den ein oder anderen Alltagsmenschen.

Ziemlich imposant thront an den Rheinanlagen das Joseph-Görres-Denkmal aus dem Jahre 1928. Gleich dahinter ist das Schloss zu erkennen. Verschiedene mittelalterliche Tore führen von hier aus immer wieder in den Schlosspark und auch ich nahm schließlich eine Abzweigung. Tatsächlich könnte man die Kaiserin-Augusta-Anlagen noch ein ganzes Stück weiter spazieren. Gemeinsam mit dem Konrad-Adenauer-Ufer bildet sie die insgesamt 3,5 Kilometer lange Rheinanlage.

Nun näherte ich mich dem Schloss also von der Rhein-Seite und war erneut sprachlos. Schon der Schlossvorplatz hatte mir ausnahmslos gut gefallen. Doch dieser Park hier war noch einmal mindestens genauso schön. Herrliche Blumenarrangements, gekieste Wege und hübsche Sitzgelegenheiten mit Blick auf den Rhein.

Auch hier tummelten sich die Brautpaare und zogen alle Blicke auf sich. Ich wollte das Fotoshooting aber nicht stören, zog vorbei an der Polonaise tanzenden Rentnertruppe der ‚Alltagsmenschen‘ und spazierte gemütlich durch den Park, als ich schließlich wieder am Konrad-Adenauer-Ufer herauskam und mir auch sofort das Preußische Regierungsgebäude ins Auge stach. Was für ein gigantischer Bau!

Von einer kleinen Anhöhe aus hatte man einen tollen Blick auf den Rhein und das Ufer hier rund herum. Mit den zahlreichen Schatten spendenden Bäumen und den zig aufgestellten Blumentöpfen fühlt man sich schon fast wie in Italien.

Einmal unter der Seilbahn hindurch und weiter in Richtung Deutsches Eck lagen auch hier auf der Rhein-Seite noch das ein oder andere Flusskreuzfahrtschiff, wobei der Großteil davon scheinbar tatsächlich auf der Mosel-Seite festmacht.

Und nun stand ich also an der Spitze des Deutschen Ecks, dem Wahrzeichen der Stadt Koblenz. Tatsächlich ist es eine künstlich aufgeschüttete Landzunge direkt an der Mündung der Mosel in den Rhein und wohl auch Hauptanziehungspunkt für Touristen (hier ‚muss‘ man einfach mal gestanden haben). Dreht man den Flüssen den Rücken zu, blickt man auf das unglaublich beeindruckende Kaiser-Wilhelm-Denkmal, das die Rheinprovinz damals zum 100. Geburtstag des Monarchen in Auftrag gegeben hatte. Das Original wurde kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs leider zerstört und lange Zeit diente der Sockel als Mahnmal der Deutschen Einheit. 1993 wurde nach vielen Diskussionen eine Nachbildung platziert. Das Denkmal ist 37 Meter hoch, wovon 14 Meter allein auf das Reiterstandbild entfallen.

Steigt man die Stufen nach oben, kann man sogar in das Innere des Sockels spazieren und hat von hier aus noch einmal einen ganz besonderen Blick auf die Flüsse und die Umgebung. Nervtötend waren an diesem Tage (und vermutlich auch an allen anderen) die ‚Influencer‘, die nahezu alle Punkte permanent für ‚ihr bestes Bild‘ belagerten. Einmal nach links geguckt, einmal nach rechts, drei Mal Schnute gemacht und fünfmal gehüpft. Hergott, nochmal! Man kann es auch übertreiben. Letzten Endes ist es doch vollkommen egal, wo ihr das Foto macht, wenn eh nur euer Grimassen-Gesicht zu sehen ist … Irgenwann war ich so genervt davon, dass ich eine von ihnen frecherweise auf die Seite schob. Irgendwann ist auch mal gut.

Direkt am Eck finden immer mal wieder Veranstaltungen statt. Gerade gestern gab es ein Musik-Festival, das wir auch an unserem Platz noch ein wenig mitbekamen. Ein Zelt wurde aufgestellt und es herrschte beste Stimmung. Und heute wurde alles – schwups – innerhalb weniger Stunden wieder abgebaut.

Ein wirklich tolles Eckchen hier in Koblenz. Etwas überlaufen. Aber mit vielen schönen Ausblicken.

Über das Peter-Altmeier-Ufer spazierte ich nun wieder auf die Rückseite des Denkmals und durch den Königsbacher Biergarten. Hier war vielleicht was los! Nichts wie weg. Über die Esther-Bejarano-Straße erreichte ich einen kleinen Innenhof mit einer Luxus-Gastronomie und dem Koblenzer Daumen, einer Bronze-Skulptur. Gleich dahinter befindet sich die Basilika Sankt Kastor mit einem hübschen Blumenhof.

Und da war ich wieder: Direkt an der Seilbahnstation von Koblenz. Von hier geht es zur Festung Ehrenbreitstein – logisch, dass ich da auch noch hoch musste, oder?! Doch schon vorhin hatte ich eine endlos lange Schlange an den Kassen entdeckt. Da wartet man ja mindestens eine Stunde … Aber ich bin ja nicht blöd. Gleich daneben war die menschenleere ‚Fast-Lane‘ für all jene, die bereits ein Ticket besaßen. Also setzte ich mich auf die Bank dahinter, bestellte online mal schnell mein Ticket und schwups, saß ich keine fünf Minuten auch schon in der Gondel. Gewusst, wie! Kein Hexenwerk – aber nur die wenigsten scheinen auf die Idee zu kommen.

Die Seilbahn Koblenz (auch Buga-Seilbahn oder Rheinseilbahn genannt), ist eine rund 12 Millionen Euro teure Luftseilbahn über den Rhein. Sie wurde als Attraktion und umweltfreundliche Verbindung zur Bundesgartenschau in 2011 erbaut und erfreut seither zahlreiche Touristen. 3.800 Personen pro Stunde pro Richtung können befördert werden. Unglaublich!

Die 18 Kabinen bieten Platz für jeweils 35 Gäste. Platz genommen werden kann quasi rundherum. Vorwärts, rückwärts, seitlich. Dank der riesigen Glasfenster genießt man während der gerade mal sieben Minuten langen Fahrt fantastische Ausblicke. Anfangs war mir tatsächlich ein klein wenig mulmig. Allerdings wackelt sie erstaunlich wenig.

Mit 13,90 € pro Erwachsenem für Hin- und Rückfahrt (Stand: Juli 2022) kein billiges Vergnügen, aber durchaus jeden Cent wert. Zusätzlich gibt es noch entsprechende Kombitickets, z. B. mit Besichtigung der Festung Ehrenbreitstein, Mehrtages-Tickets oder auch inklusive einer Schifffahrt. Hier findet sicher jeder das gewünschte Angebot.

Ich verzichtete auf etwaige Kombitickets, denn dafür war leider keine Zeit mehr. Zwar hätte mich die Festung in ihren Außenberichten und -anlagen interessiert, die Räumlichkeiten mit verschiedenen Wechselausstellungen sprach mich allerdings so gar nicht an. So besonders an Kunst interessiert bin ich dann doch wieder nicht. Tatsächlich zog mich in erster Linie die Aussichtsplattform Rhein-Mosel-Blick – Koblenzer Kanten – an und zu dem spazierte ich nun (ca. 400 Meter von der Seilbahn entfernt).

Auch diese Plattform wurde zur Bundesgartenschau 2011 errichtet und besteht in Form eines riesigen Dreiecks aus Holz. Allein das ist schon sehenswert, doch der fantastische Ausblick auf (über) Koblenz sowie Rhein und Mosel sind einfach atemberaubend! Natürlich war einiges los hier, jeder wollte den Ausblick genießen. Und auch hier waren sie wieder: Die aufgetakelten und einmal ins Schminkfass gefallenen Influencerinnen … Hauptsache, die Schnute passt.

Von hier oben kann man wirklich meilenweilt blicken und erkennt erst, wie groß Koblenz eigentlich ist. Und auch den Campingplatz und da … gaaanz klein … unseren Camper konnte ich erkennen.

Die Sonne brannte von Himmel, ich spürte meinen heißen Kopf, und entschied mich, langsam wieder nach unten zu fahren. Ein kleines bisschen spazierte ich vorher aber noch den Festungspark entlang, ein riesiges Areal mit zahlreichen Parkmöglichkeiten, Wegen und Erholungspunkten. Hier finden das Jahr über auch mehrere Veranstaltungen statt. Entweder hier am Vorplatz oder auch direkt auf der Festung Ehrenbreitstein. Allein hier oben könnte man sich sicher einen ganzen Tag lang aufhalten, um auch jeden einzelnen Winkel zu besuchen.

Die Wasserdampf-Düsen an der Seilbahn waren in der Hitze richtig erfrischend. So etwas brauch ich zu Hause. 🙂 Auch hier konnte ich gleich wieder in die Gondel steigen. Nichts los – perfekt.

Auf dem Weg nach unten ein schöner Blick auf das Deutsche Eck. Genauso wie man es aus den Zeitschriften und Reiseführern kennt. Ach wie schön, dass ich das jetzt auch endlich mal alles live verleben durfte.

Wieder unten angekommen, bog doch gerade die A-ROSA Aqua vom Rhein in die Mosel ein. Jetzt aber schnell nochmal vor zum Deutschen Eck – da musste nochmal ein Foto sein.

Auf meinem Rundgang durch die Stadt fehlte jetzt eigentlich nur noch der Altstadtkern und so spazierte ich das Peter-Altmeier-Ufer entlang und bog anschließend ab in die Kornpfortstraße, wo sich nur unweit die evangelische Florinskirche aus dem Jahre 1100 befindet. Vorbei an alten, aber schön restaurierten Häuserfassaden mit zum Teil kleinen Erkern oder nostalgischen Metallschildern erreichte ich den Jesuitenplatz mit der Citykirche. In der Mitte steht das Johannes-Müller Denkmal. Hier war ja ganz schön was los! Eine kleine Bühne, zahlreiche Essens- und Getränkestände und gefühlt Tausende von Menschen auf engstem Raum.

Natürlich sah ich mich hier ein wenig um. Allein die bunten Häuser rund herum und die süßen Cafés laden zum Verweilen ein. Als dann aber eine Flussschifffahrt-Gruppe nach der anderen hier vorbei kam, trat ich den Rückzug an. Die spazieren ja ohne Rücksicht auf Verluste einfach drauf los. Ganz egal, wer da gerade steht oder geht.

Etwas ruhiger war es nur wenige Meter dahinter am Schlängelbrunnen, ein weiteres Wahrzeichen der Stadt. Er steht seit 1941 am Rathaushof, umringt von herrlichen Renaissance- und Barockbauten und gilt als Denkmal für die Koblenzer Lausbuben. Denn tatsächlich spuckt er immer nur dann Wasser, wenn man am wenigsten damit rechnet, was natürlich ein großer Spaß für Kinder ist.

Eigentlich darf man in den Innenhof des Rathauses nicht, aber der nette Security-Mann ließ mich zumindest ein Foto machen – sehr nett.

Und so ging es schließlich noch ein Stück die Fußgängerzone entlang, was aber mehr einem Spießroutenlauf als einem gemütlichen Bummel glich, ich guckte in den ein oder anderen kleinen Laden, noch schnell eine Postkarte für die Brieffreundin gekauft und dann machte ich mich auch tatsächlich schon wieder auf den Rückweg zu meinen Lieben am Campingplatz. Die Leute hier wurden mir langsam zu viel und von Koblenz hatte ich nun auch tatsächlich soweit alles gesehen, was ich sehen wollte – und noch mehr.

Der stundenlange Spaziergang machte sich in meinen Beinen bemerkbar. Ich freute mich jetzt auf etwas Relaxen am Platz und vor allem – auf die Ruhe!

Mit der Fähre ‚Liesel‘ also wieder gemütlich auf die andere Rheinseite übergesetzt, holte ich bei der Bäckerei um die Ecke noch einen Hochzeitstag-Kuchen (eigentlich wollte ich ja irgendwo eine kleine Torte auftreiben; aber sowohl die Hitze als auch die vielen Leute in der Innenstadt haben mich davon überzeugt, das Vorhaben bleiben zu lassen) und überraschte damit Anton.

Die Freude war groß, als ich um die Ecke bog. Die Drei hatten es sich mit Blick auf den Rhein bequem gemacht und auch ich setzte mich mit dazu und berichtete von meinen vielen Eindrücken, die ich heute in Koblenz gewonnen hatte. Tatsächlich sprudelte es nur so aus mir heraus.

Mit den Hunden ging es wenig später noch einmal auf die übliche Gassi-Runde, bevor wir unseren Grill aufstellten und zu Abend aßen. Mit einem leckeren Wein aus der Pfalz ließen wir den Abend schließlich ganz gemütlich ausklingen. Auf der Festung Ehrenbreitstein fand heute Abend ein Musik-Event statt und somit war für Unterhaltung gesorgt.

Tag 10 (Sonntag): Weiter geht’s nach Franken (Geslau)

Während ich durchaus noch einen Tag länger hier in Koblenz verbringen hätte können, merkte man den Hunden ihre Erleichterung über unseren Aufbruch richtiggehend an. Benita hatte Mia mit ihrer ‚Baum-Angst‘ zwischenzeitlich angesteckt und so verzogen sich beide mit eingezogenem Schwanz im Fußraum der Fahrerkabine. Wenn Mia doch bloß auch die guten Eigenschaften von Benita so schnell übernehmen würde.

Dennoch ließen wir uns heute nicht stressen und genossen erst einmal wieder ein gemütliches Frühstück mit Blick auf den Rhein. Das Paar am Nachbar-Stellplatz hatte einen 16jährigen Rüden mit dabei, der mich irgendwie faszinierte. Zwar konnte er nur noch schwerlich laufen und musste das ein oder andere Mal vom Frauchen getragen oder wieder auf die Beine gestellt werden. Aber der Blick des Hundes zeigte eine irrsinnige Lebensfreude. Als er unsere beiden Hundedamen am ersten Tag entdeckte, kam er voller Neugier sofort rüber zu uns. Er war total interessiert an seiner Umgebung, blickte auch gerne mal ne Stunde verträumt auf den Rhein. So ein biblisches Alter erhoffe ich mir auch bei meinen Mäusen.

Die letzte Gassi-Runde am Rhein gedreht und Abschied von Koblenz genommen, nutzten wir die Station zum Ablassen des Grauwasser und machten uns schließlich gegen 11.45 Uhr auf den Weg zu unserer letzten Station dieser Reise: Franken.

Knapp 300 Kilometer und drei Stunden Fahrzeit lagen vor uns. Aufgrund des Sonntags waren nur wenige LKW’s unterwegs und auch sonst kamen wir sehr gut durch auf unserer Fahrt entlang der A3 über Frankfurt, Aschaffenburg und Würzburg. Erst kurz vor Rothenburg ob der Tauber standen wir dann mal eine Weile im Stau – eine Fahrbahnverengung von zwei auf eine Spur stellt für viele Autofahrer eben immer noch eine unglaubliche Herausforderung dar. Zum Glück konnten wir zwischendrin abfahren und so landeten wir um kurz nach 15 Uhr am Parkplatz des Mohrenhof Franken Campingplatzes in Geslau – gefühlt am Ende der Welt.

Nur rund 14 Kilometer von Rothenburg ob der Tauber entfernt, fährt man das letzte Stück entlang verlassener Sträßchen und an mehreren Bauernhöfen vorbei. Man möchte kaum glauben, dass da überhaupt noch mal was kommen würde. Aber siehe da: Gefunden!

Tatsächlich hatte ich bei diesem Platz ein bisschen Magenschmerzen. Schließlich ist der Mohrenhof Franken vorzugsweise ein Familien-Camp. Wir und (zu) viele Kinder … das ist immer so ein Thema für sich. Und im ersten Moment kam auch gleich eine ganze Schar kreischender Kids um die Ecke gebogen. Aber was soll ich sagen? Die ‚Befürchtung‘, dass es hier den ganzen Tag über extram laut sein würde, hatte sich definitiv nicht bestätigt.

Nachdem Anton uns eingecheckt hatte, bezogen wir unseren Platz AW02 auf den Panorama-Terrassen. Die Kategorie hatten wir bewusst gewählt – der Platz wurde uns vorab schon zu- und mitgeteilt. Und er war ein Traum!

Mit einer Größe von rund 120 m² hatten wir hier wirklich richtig viel Platz und eine tolle Aussicht über die Anlage und weit darüber hinaus auf die Felder und Wiesen. Ein Teil des Stellplatzes ist geteert (zum Abstellen von Wohnwagen oder -mobil), der Großteil besteht aus Wiese. Und das Beste: Gleich am Platz gibt es Strom und Wasser. Aufgrund der Größe bekommt man auch von den Nachbarn linker Seite nur wenig mit. Rechts befindet sich noch ein Mietobjekt in Form eines kleinen Schäferwagens.

Man mag es kaum glauben (und tatsächlich hätte ich hier am Platz auch am allerwenigsten damit gerechnet), aber es stellte sich von Minute eins ein Gefühl der absoluten Entspannung ein. Das hier war so ein richtiger Ort zum Wohlfühlen und Relaxen. Und nicht nur wir empfanden so. Auch die Hunde fühlten sich auf Anhieb wohl. Raus aus dem Camper und ab auf die Wiese – eingeschlafen. So ruhig, so gechillt und innerhalb weniger Minuten tief schlafend haben wir die beiden bisher auf noch keinem Campingplatz erlebt. Whow! Und so freuten wir uns auf unsere letzten Tage hier in Franken, die ganz im Zeichen der Erholung standen.

Unseren Platz wieder ‚wohnlich‘ gestaltet (in der Zwischenzeit waren wir echt fix mit dem Aufbau unserer Utensilien), machte ich uns jetzt erst einmal einen leckeren Kaffee und wir ließen die vergangenen Tage Revue passieren. Irgendwie kam es uns so vor, als wären wir schon Wochen unterwegs; immerhin haben wir ganz schön viel gesehen und erlebt.

Während Anton sich seiner Formel 1 widmete, schnappte ich mir meine Kamera und machte mich schon einmal alleine auf Streifzug durch die Anlage. Ich war einfach zu neugierig darauf.

Den Campingplatz Mohrenhof Franken gibt es tatsächlich schon seit 22 Jahren! Unglaublich, denn eigentlich sieht alles so neu aus – als wäre er erst vor kurzem eröffnet worden. Tatsächlich wächst der Platz aber auch Jahr für Jahr und hat wohl erst in den letzten Jahren einen erstaunlichen Schub in Form eines neuen Waschhauses, den Panorama-Terrassen sowie den vielen verschiedenen Mietobjekten (Mobilheime, Hütten, Schäfer- und Zirkuswagen sowie Tiny-Houses) bekommen. Und das war noch längst nicht alles – denn auch in den nächsten Jahren sollen noch viele weitere Objekte hinzu kommen.

Obwohl die Anlage mit aktuell 15 Hektar wirklich riesig ist – aufgrund ihrer Aufteilung wirkt sie gar nicht so. Durch die vielen verschiedenen Unterkunfts- und Stellplatzkategorien findet man sich immer wieder in einem anderen Bereich mit einer ganz eigenen Atmosphäre wieder. Ob Rondells, Terrassenplätze oder auch ganz idyllisch am Badesee. Hier ist wirklich für jeden Geschmack etwas dabei.

Zwischendurch haben sich die Dauercamper ein ganz eigenes Reich geschaffen. Mit Camping hat das in meinen Augen zwar nicht mehr viel zu tun. Oft dienen die Wohnwägen nur noch als Rückwand einer großen Blockhütte. Whirlpools und riesige Blumenbeete sind keine Seltenheit hier. Aber alles wunderschön angelegt.

Für den Hunger zwischendurch schafft die Seekneipe gleich am Eingang des Platzes Abhilfe. Hier gibt es fränkische Spezialitäten in einem gemütlichen Biergarten und zieht auch die Einheimischen gerne an.

Das besondere Highlight dieser Anlage ist aber mit Sicherheit der Wake Park auf der anderen Seite mit der Dschilly Island Beach Bar – sogar mit echtem Sandstrand, gemütlichen Liegestühlen und einer Menge leckerer Cocktails! Urlaubsfeeling pur – wer braucht da noch die Karibik? Auch heute übte sich gerade jemand im Wake Boarding und es machte Spaß zuzusehen.

Mein persönliches Highlight aber war die kleine Alpaka-Farm, die sich unweit des Wakeparks befindet. Aktuell leben hier 12 farbenfrohe Alpakas, mit denen man auch Wanderungen machen oder auch morgens bei der Fütterung mit dabei sein kann. Beides habe ich nicht gemacht, schließe ich bei einem evtl. weiteren Besuch hier am Mohrenhof aber nicht aus. Für’s erste erfreute ich mich an meinen mehrmals täglichen Besuchen am Zaun.

Und so drehte ich eine gute dreiviertel Stunde mit einem breiten Grinsen und voller Freude meine Runde über die Anlage und kam zu Anton zurück mit den Worten: Das hier ist mega-toll. Ich glaube, da waren wir nicht zum letzten Mal.

Da noch immer Formel 1 lief, nutzte ich die Zeit und widmete mich meiner Arbeit, bis wir uns am Abend auf einen ausgedehnten Spaziergang mit den Hunden machten. Gemeinsam durchstreiften wir noch einmal die komplette Anlage. Ich zeigte Anton das bereits entdeckte und die Hunde lernten zum ersten Mal in ihrem Leben Alpakas kennen. Benita war mutig und trat bis zum Zaun vor. Mia sah sich das alles lieber etwas aus der Ferne an. Lustigerweise hatten sich aber alle Alpakas irgendwie auf sie eingeschossen. Wann immer wir in den nächsten Tagen hier vorbei gingen, kamen sofort ausnahmslos alle Alpakas an den Zaun gerannt und fixierten die kleine Maus, verfolgten uns sogar. Keine Ahnung, was sie so an ihr faszinierte.

So langsam werden wir ja richtig faul im Urlaub. Früher hatten wir fast immer selbst gekocht. Auf dieser Reise nutzten wir jedoch zu gern die Gelegenheiten, uns einfach bekochen zu lassen. Auch heute beschlossen wir, uns an der Seekneipe etwas mitzunehmen und entschieden uns beide für eine unkonventionelle Currywurst mit Pommes. Mmmmhhh …

Und so ließen wir den restlichen Abend ganz gemütlich bei Wein und einem herrlichen Sonnenuntergang ausklingen und saßen noch bis weit in die Nacht draußen. Die Temperaturen waren richtig angenehm und während Benita noch bei uns blieb, stiefelte Mia von ganz allein ins Wohnmobil und legte sich schlafen. Also das hatten wir ja auch noch nie erlebt. Normalerweise geht sie nie freiwillig und vor allem nicht allein. Da muss sich aber jemand richtig wohlfühlen.

Tag 11 (Montag): Ausflug zur Burg Colmberg

Heute wollten wir alle noch nicht so recht aus dem Bett und schälten uns erst gegen 9.30 Uhr langsam raus. Bis 10 Uhr musste ich die vorbestellten Brötchen im Hofladen abgeholt haben – und bis dahin waren es gute zehn Minuten Fußweg. Also nichts wie los.

Die letzte Tüte auf dem Fensterbrett. Eine Verkäuferin war nirgends zu sehen, bezahlt werden sollte an der Rezeption. Auch gut. Doch auch die wollten kein Geld von mir. Ich solle morgen wieder kommen. Hm. So etwas mag ich ja immer gar nicht. Jemandem etwas schuldig bleiben. Aber was hilft’s. Dann eben morgen.

Nach dem Frühstück spazierten wir mit den Mäusen wieder quer über die Anlage und begrüßten als erstes die frechen Alpakas. Die freuten sich riesig, Mia wieder zu sehen und stürmten gleich wieder alle an den Zaun. Echt süß.

Wieder zurück am Van, warteten auf Anton einige Telefonate und so startete ich in den letzten Ausflug dieser Reise. Eigentlich hatte ich geplant, ins 14 Kilometer entfernte Rothenburg o. d. Tauber zu fahren. Die Stadt kannte ich bereits von mehreren Besuchen in meiner Kindheit und auch mit Anton war ich vor rund 20 Jahren mal dort. So gesehen wäre es mal wieder an der Zeit gewesen. Doch irgendwie kam ich heute nicht so recht in die Puschen. Die Aussicht auf zwei Stunden reine Radfahrt und dann doch eher weniger Zeit in der Stadt (ich wollte ja nicht den ganzen Tag weg bleiben) war nicht besonders attraktiv. Mir war heute eher nach etwas Gemütlichem und anschließendem Nichtstun und Lesen am Platz. Also entschied ich mich kurzerhand um und machte mich auf den Weg ins 9 Kilometer entfernte Colmberg mit gleichnamiger Burg – das kannte ich noch nicht.

Über die Mini-Dörfer Hürbel und Dornhausen fuhr ich also eine gute halbe Stunde querfeldein durch eine herrliche Naturlandschaft. Teils auf der (so gut wie gar nicht befahrenen) Hauptstraße, größtenteils aber auch über Feld- und Radwege. Immer wieder blieb ich stehen, um mir die Gegend näher anzusehen. Die Burg Colmberg hatte ich dabei von Anfang an immer im Blick.

Zuerst ein klein wenig durch den Ort gestreift und die hübschen Fachwerkhäuser bestaunt, ging es nun weiter direkt zu Burg. Bei 30 Grad das Fahrrad rund 500 Meter einen steilen Berg hochschieben – na wunderbar. Oben angekommen, war ich fix und alle und brauchte erst einmal eine Pause. Was zu trinken wäre jetzt nicht schlecht. Hoppla, ausgerechnet heute hatte das Lokal Ruhetag.

Aber irgendwie kam mir das auch ganz recht, denn somit war hier oben absolut nichts los. Wieder einmal streifte ich mutterseelenallein über die Burganlage. Wie schön!

Die Burg Colmberg ist eine Spornburg und liegt auf 511 Meter im Altmühltal, direkt an der Burgenstraße. Die Geschichte der Burg geht auf das 13. Jahrhundert zurück. 1318 wurde an den Burggrafen Friedrich IV. von Nürnberg verkauft. Knapp 500 Jahre war sie sodann im Besitz der Hohenzollern, anschließend wurde sie 1806 Sitz des Rentamtes des Königreichs Bayern, ging 1927 in den Besitz des kaiserlichen Konsul in Japan über und wurde letztendlich 1964 von einer Colmberger Familie gekauft und zum Hotel ausgebaut. Seitdem kann man hier in modern gestalteten Zimmern und Suiten übernachten, große Familienfeste und Hochzeiten feiern, aber auch einfach nur ein leckeres Essen im Restaurant genießen. Verschiedene Veranstaltungen runden das umfangreiche Angebot ab. Eine Burg voller Erlebnisse also.

Ich war ganz froh, dass heute nichts dergleichen zu hören und zu sehen war und so sah ich mir rund um die Burg näher um. Was für eine schöne Anlage. Der Ausflug hierher hatte sich wirklich gelohnt. Und auch der Ausblick auf das Altmühltal von hier oben war einfach unglaublich.

Eine gute dreiviertel Stunde hielt ich mich hier auf, anschließend machte ich mich langsam wieder auf den Rückweg. Die Fahrt nach unten war definitiv lustiger als der schweißtreibende Aufstieg vorhin. Nochmal kurz einen kleinen Supermarkt besucht, ging es nun auf den gleichen Wegen wieder zurück, auf denen ich gekommen war.

Tatsächlich hatten die Drei noch gar nicht mit mir gerechnet, freuten sich aber natürlich trotzdem, dass ich wieder da war. Ich erzählte von meiner kleinen Tour, arbeitete im Anschluss noch ein paar Mails ab und ließ es mir für die nächsten paar Stunden am Liegestuhl gutgehen. Zum ersten Mal seit Beginn der Reise kam ich nun endlich mal zum Lesen. Unglaublich. Da hab ich zig Sachen mit dabei und komme doch zu nichts. Bücher, Häkelzeug und Bastel-Sachen … alles bis dato auf all unseren Reisen vollkommen unberührt. Aber es ist ja gut dabei. Wichtiger ist mir dann eben doch einfach das Erleben, die Zeit mit den Hunden und Anton.

Gegen frühen Abend drehten wir schließklich wieder eine ausgiebige Gassi-Runde, besuchten Ecken der Anlage, die wir bisher noch nicht gesehen hatten und bereiteten schließlich alles für einen gemütlichen Grillabend am Platz vor.

Ganz so lang wie gestern hielten wir es heute leider nicht aus. Nachdem die Sonne untergegangen war, wurde es ziemlich schnell frisch und die Mücken schwirrten auf.

Tag 12 (Dienstag): Es geht wieder nach Hause

Ach nein! Ich will doch noch gar nicht … Müssen wir wirklich schon wieder nach Hause fahren?

Obwohl wir uns beide natürlich auch wieder auf Zuhause freuten, wären so ein paar Tage länger sicher nicht verkehrt gewesen. Aber wo fängt man an und wo hört man auf? Ob nach zwei Wochen oder drei – oder gar nach einem Monat … Ich glaube, man ist nie ‚lange genug‘ unterwegs und würde immer noch mal gerne etwas verlängern.

Wie meinte ich eingangs doch so schön … ich bin gespannt, wie unser Fazit nach 12 Tagen Leben im Camper ausfallen wird. Tja, was soll ich sagen? Es war einfach herrlich! Wir haben die Zeit sehr genossen und viel erlebt, konnten uns aber vor allen Dingen auch erholen. Trotz der Arbeit, die immer irgendwie mitgereist war. Dieser Mini-Road-Trip war eine toller Mix aus vollkommen unterschiedlichen Landschaften, absoluter Stille vs. Stadttrubel, komplett verschiedenen Mentalitäten und regionalen Köstlichkeiten. Fast schon wie eine Kreuzfahrt auf vier Rädern.

Der Wettergott war uns wohlgesonnen, denn während der gesamten Reise hatten wir tatsächlich nur einen halben Regentag, manchmal auch nachts Gewitter, aber zu 90 % Sonne und sommerliche Temperaturen. Somit waren wir auch fast nur draußen anzutreffen, was vor allem auch die Farbe im Gesicht deutlich zeigt (und die Schattierungen auf den Beinen dank verschieden langer kurzer Hosen ;-)).

In jedem Falle hat uns dieser Urlaub in unserer neuen Reisart bestärkt und wir freuen uns schon jetzt auf die nächste etwas längere Reise mit dem Wohnmobil, die noch in diesem Jahr stattfinden wird. Wohin es uns da verschlägt, erfahrt Ihr natürlich rechtzeitig wieder auf meiner Website.

Doch bevor wir nun den tatsächlichen Rückweg antraten, ließen wir den Tag ganz gemütlich angehen. Im Hofladen holte ich meine gestern wieder online vorbestellten Brötchen – aber auch ein 800 g Steak, das direkt hier vom Mohrenhof Franken stammt. Das wollten wir mit nach Hause nehmen und zum Ausklang unseres Urlaubs noch auf den Grill legen.

Nach dem Frühstück drehten wir eine Abschiedsrunde über den Campingplatz, besuchten ein letztes Mal die Alpakas und waren uns einig: Wir werden sicher wieder kommen! Allein für ein Wochenende, einfach nur zum Entspannen und nichts tun, ist das hier der perfekte Ort. Für uns vorzugsweise natürlich außerhalb der Saison.

Alles wieder in den Camper gepackt und die Rechnung beglichen, starteten wir um kurz vor 12 Uhr wieder gen Heimat. Drei Stunden Autofahrt lagen vor uns, die erfreulicherweise sehr angenehm verliefen. Kein Stau und keine Besonderheiten – so mögen wir das. Zu Hause angekommen, hatte ich zum ersten Mal den Eindruck, dass auch unsere Hunde gerne noch ein Weilchen länger geblieben wäre. Sie fetzten nicht so ausgelassen wie sonst durch den Garten, sondern sahen uns fragend an: War es das jetzt schon?

Hier findet Ihr die Fotos zu Haldensleben (14 Stück):

Hier findet Ihr die Fotos zu Dorum, Wremen & Umgebung (56 Stück):

Hier findet Ihr die Fotos zu Dornum (Dornumersiel), Bensersiel & Umgebung (70 Stück):

Hier findet Ihr die Fotos zu Koblenz (82 Stück):

Hier findet Ihr die Fotos zum Mohrenhof Franken & Burg Colmberg (54 Stück):