Flussfahrt auf dem Rhein


Hunde-Flusskreuzfahrt mit der MS Normandie Schnuppertour nach Holland

„Mit Hunden auf Flusskreuzfahrt? Ja, klar …

Als wir unser Umfeld von der neuesten Reiseplanung berichteten, ernteten wir ausnahmslos fragwürdige Blicke. Niemand konnte sich vorstellen, dass es Flusskreuzfahrten für bzw. mit Hunden gibt und wie das funktionieren soll.

Ja, auch uns fehlte noch ein klein wenig die Vorstellungskraft. Zwar hatten wir in Hundehotels bisher ausschließlich gute Erfahrungen gemacht, aber ein Flusskreuzfahrtschiff ist dann eben doch ein ganzes Stück eingeschränkter. „Eben mal so“ sich aus dem Weg zu gehen, kann schnell zur Herausforderung werden.

No risk no fun. Nach einigem Hin und Her und nachdem wir uns diverse Videos über bisherige Fahrten im Netz angesehen hatten, schickte ich schließlich Mitte Juni 2016 unsere Reiseanmeldung ab. Jetzt gab’s kein Zurück mehr … Öfter mal was Neues.

Als Tour hatten wir die einwöchige Reise nach Holland gewählt. Außer Amsterdam waren mir die Niederlande noch völlig fremd und da sie als besonders hundefreundlich gelten, sicher eine gute Wahl. Viele der genannten Orte hatte ich noch nie im Leben gehört und so machte ich mich wenige Wochen vor Reisebeginn im Internet auf die Suche nach Stadtplänen und Informationen, um zumindest ein klein wenig vorbereitet zu sein.

Tag 1: Anreise nach Langenfeld / Düsseldorf

Schon gegen 6 Uhr machten wir uns, noch etwas müde, auf den weiten Weg nach Nordrhein-Westfalen. Ehrlich gesagt graute mir schon seit Tagen vor dieser Fahrt, doch mangels Alternativen (Zug kam nicht in Frage, für die Flugzeugkabine ist unsere Hundedame zu groß), blieb uns nichts anderes übrig.

Erfreulicherweise war dann aber nicht allzu viel los auf den Straßen und so erreichten wir nach einer kurzen Kaffeepause im Spessart ganz im Zeitplan gegen 13 Uhr das gebuchte „Landhotel Lohmann“ in Langenfeld, zwischen Köln und Düsseldorf gelegen. Benita hatte die Fahrt ohnehin verschlafen. Zum Glück macht ihr Auto fahren nichts aus.

Ein Mittagessen im hoteleigenen Restaurant, eine kurze Verschnaufpause, dann stand Benita auch schon wieder schwanzwedelnd vor uns: GASSI!!! Und so drehten wir eine ausgiebige Runde durch Langenfeld, einem wirklich schönen Ort mit tollen Häusern und Villen.

Den Abend verbrachten wir schließlich mit lieben Bekannten im Restaurant ’12 Apostel‘ in Hilden und hatten uns viel zu erzählen. Ein schöner Einstieg in den Urlaub …

Tag 2: Rheinufer Köln & Einschiffung auf der MS Normandie

Weil wir erst gegen 12 Uhr beim gebuchten Parkservice aufschlagen konnten, ließen wir den Tag ruhig angehen. Trotz der gestrigen Anmeldung fürs Frühstück, verbunden mit einer Ausnahmeregelung für Benita (Hunde dürfen eigentlich nicht in den Frühstücksraum), hatte man uns dann doch nicht tatsächlich vergessen … Relativ unkompliziert wurde das Büffet aber noch einmal zusammengebastelt und wir hatten den gesamten Raum für uns alleine. Auch nicht schlecht …

Ausgescheckt und alles wieder ins Auto gepackt, machten wir uns auf den Weg zum Rheinufer im Stadtteil Sürth, um mit Benita Gassi zu gehen und die restliche Zeit „totzuschlagen“. Besonders attraktiv erschien es mir hier nicht, aber unsere Hundedame hatte ihren Schnüffel-Spaß und kurz nach 12 Uhr ging es dann auch schon weiter zum Parkhaus Globus. Dort hatten wir uns einen Stellplatz für die Dauer der Flusskreuzfahrt gebucht.

Die Abwicklung erfolgte schnell und unkompliziert. Koffer raus, Autoschlüssel abgegeben, Parkplatz bezahlt, fertig. Das Auto wird schließlich von den Mitarbeitern eingeparkt, der Schlüssel entsprechend aufbewahrt.

Die Halle füllte sich, nach und nach trudelten immer mehr Hunde mit ihren Herrchen und Frauchen ein und eines hatten wir alle gemeinsam: Die (An)Spannung, was uns wohl die nächsten Tage erwarten würde.

Doch nicht nur Hundebesitzer warteten auf den Transfer zum Schiff. Neben der MS Normandie von 1AVista standen noch weitere Schiffe in Köln. Während sich die Hundebesitzer alle untereinander schon etwas kennen lernten, merkte man die Anspannung und ‚leichte‘ Nervosität in den Gesichtern der Phoenix-Reisenden. Getuschel untereinander, irritierte Blicke auf die Hunde, schnell mal ein Stück von ihnen abgerückt …

Ich gebe ehrlich zu: Wir machten uns einen Spaß daraus, die Leute noch mehr zu verunsichern. „Freust du dich auch schon so auf die Phoenix? – Ich habe gehört, da sind um die 50 Hunde mit an Bord.“ Hm, wie schnell doch die Farbe aus einem Gesicht weichen kann …

Benita macht ja so gut wie alles anstandslos mit, doch der Bustransfer zur Anlegestelle war ihr gar nicht geheuer. Zum Glück dauerte er keine zwanzig Minuten, herausgelassen wurden wir schließlich am Konrad-Adenauer-Ufer.

Einmal durch die MS Bellriva hindurch (welche ebenfalls für 1AVista fährt), standen wir dann auch schon im Empfangsbereich der MS Normandie. Für den Check-In waren wir noch viel zu früh dran und wurden daher wieder weggeschickt. Kein Problem, wir wollten sowieso noch ein bisschen durch Köln bummeln.

Der erste Eindruck des Schiffes war aber schon einmal sehr gut. Wer mich kennt, weiß, dass ich eigentlich neuere Schiffe bevorzuge (je neuer, desto besser), die MS Normandie ist mit Baujahr 1989 daher mit Abstand das älteste Schiff, das ich jemals betreten habe. Aber alt bedeutet ja nicht immer gleich schlecht, zumal es 2010 und 2011 renoviert wurde. Jetzt muss nur noch der Rest passen.

Zu Fuß ging es schließlich vom Konrad-Adenauer-Ufer erst einmal zur Rheinpromenade, entlang der Restaurant- und Bar-Meile. Leider war es heute grau in grau und ein kalter Wind fegte über uns hinweg. Das hielt uns allerdings nicht davon ab, auf der Terrasse eines Cafés Platz zu nehmen. Zeit für Kaffee und Kuchen, unsere erste Mahlzeit des Tages.

Jetzt noch einen Abstecher zum Dom und der Domplatte. Es war unser zweiter Besuch in der Stadt und trotzdem … so richtig warm werde ich mit Köln einfach nicht. Keine Ahnung, woran das liegt, vielleicht muss sie mir einfach mal von einem Köln-Liebhaber gezeigt werden.

Gegen 15.00 Uhr machten wir uns dann auch langsam wieder auf den Rückweg. Inzwischen war das Schiff schon gut gefüllt, Hunde in allen Größen blickten uns entgegen. Benita war anfangs noch ziemlich überfordert und trat ihnen mit großer Vorsicht gegenüber. Naja, das wird sich sicher bald ändern …

Der Check-In war in gerade mal zwei Minuten erledigt und so begutachteten wir erst einmal unsere Kabine. Wir hatten die 209 auf dem Oberdeck gewählt, mittig gelegen und mit einem Fenster zum Öffnen. Die Betten sind auf diesem Schiff getrennt. Vom Bad war ich äußerst positiv überrascht. Hier gehöre ich nämlich definitiv zur peniblen Fraktion, aber dieses hier war sehr neu und modern gestaltet; sehr schön.

Weil die Koffer noch nicht da waren (diese wurden/werden vom Parkhaus Globus direkt zum Schiff geliefert), machten wir es uns in der Lounge bequem und gingen auf erste Tuchfühlung mit den anderen Hundebesitzern. Kaum Platz genommen, saß auch schon ‚Waldi‘ bei mir auf dem Schoß. So, jetzt war ich in meinem ganz persönlichen Hundeparadies angekommen. 🙂

Kurz vor Ablegen um 16 Uhr trudelten dann auch die Koffer ein und so machten wir uns gleich ans Auspacken. Der Stauraum in der Kabine war für uns absolut ausreichend. Ein Schrank, mehrere Schubläden. Genügend Platz für alle Klamotten.

Die Zeit bis zum Abendessen verbrachten wir sowohl in der Lounge als auch oben auf dem Sonnendeck und ließen die Landschaft an uns vorüber ziehen.

Gegen 18.30 Uhr wurde das Abendessen in Form eines 4-Gänge-Menüs im Restaurant auf dem Hauptdeck serviert. Wir wurden einem 8er-Tisch zugeordnet, grundsätzlich sind aber auch Reservierungen vorab möglich. Uns war es eigentlich egal, wo wir sitzen. Wir kannten ja noch niemanden und waren demnach offen für neue Gesichter.

Auch die Hunde durften ins Restaurant mitgenommen werden, was vor allem für unsere Benita wichtig ist, die ja doch immer und überall mit dabei sein möchte. Andere wiederum ließen ihre Hunde auf der Kabine.

Auch auf die Qualität der Speisen waren wir schon sehr gespannt, hatten aber bereits im Vorfeld nur Gutes darüber gelesen. Das bestätigte sich dann auch bereits am ersten Abend. Ob Fisch, Fleisch oder Pasta … es schmeckte alles hervorragend. Lediglich die Suppen hätten gerne etwas dickflüssiger sein dürfen. Ebenfalls begeistert waren wir vom Service. Die Jungs und Mädels hatten alles wunderbar im Griff, jeder bekam genau das, was er am Vortag bestellt hatte, pro Tisch wurden die Mahlzeiten gleichzeitig serviert. So soll es sein; so ist es aber selbst bei Hochseeschiffen nicht immer.

Der Absacker in der Bar wurde von 21 bis 22 Uhr von einem kurzen Gassi-Stopp in Duisburg unterbrochen. Von der Stadt selbst sahen wir zwar nichts, aber die Hunde dankten uns den kleinen Spazierweg entlang des Rheins.

Tag 3: Unterwegs in Tiel & Utrecht

Schon um 4 Uhr morgens erreichten wir Tiel. Während Toni durch die Motorengeräusche im Bett stand, bekam ich natürlich wieder rein gar nichts mit. Tja, so ein tiefer Schlaf hat schon was. Das Ein- und Ausparken ging immer komplett an mir vorüber.

Nach einem schnellen Frühstück machten wir uns gegen 9 Uhr auf den Weg in die Stadt. An die etwas „anderen“ Liegezeiten mussten wir uns erst noch gewöhnen. Auf Hochseekreuzfahrten ist man in der Regel ganztags an einem Ort. Auf dieser Flussreise besuchten wir an einem Tag dagegen häufig mehrere Städte und so musste man sich etwas organisieren.

Die MS Normandie stand angenehm nah zur Innenstadt. Einmal übers Sonnendeck nach draußen, waren es nur wenige Schritte bis zum Stadttor (Waterpoort) aus dem Jahre 1979.

Dass die Geschäfte in Holland erst gegen 10 Uhr ihre Türen öffnen, wussten wir zunächst nicht und wunderten uns, dass hier noch gar nichts los war. Auch der Gemüse- und Warenmarkt war erst am Aufbauen, aber prompt stach mir der ellenlange Stoffe-Tisch ins Auge. Hm, ich glaube, da muss ich später noch einmal genauer kruscheln.

Die Gemeinde Tiel ist eine ehemalige Hansestadt in der Provinz Gelderland und eine der ältesten Städte der Niederlande. Sie liegt inmitten des wichtigsten Obstanbaugebiets der Niederlande. Verdeutlicht wird das durch Flipje, einer Figur, die aus Johannis- und Himbeeren besteht und im Stadtzentrum zu finden ist.

Wir spazierten quer durch die Stadt, entlang verschiedener Straßen und Gassen. Tiel gefiel uns. Ein kleines Städtchen, sicher keine Besonderheit, aber doch gemütlich und einladend.

Von der Martinikirche aus dem Jahre 1440 spazierten wir gemütlich wieder in Richtung Hafen, natürlich nicht, ohne den Warenmarkt nochmals aufzusuchen. Dort schlug ich dann bei den Stoffen zu. So viel Auswahl, so kleine Preise …

Kurz vor 12 Uhr hieß es dann auch schon wieder: Leinen los und ab zum nächsten Ziel: Utrecht.

Die Fahrt durch die Prinses Irene Schleuse beobachtete ich vom Sonnendeck aus. Inzwischen waren wir auf dem Amsterdam-Rhein-Kanal unterwegs. Diese künstliche Wasserstraße von einer Gesamtlänge von 72 km wurde 1952 eröffnet und ist die Verbindung zwischen der Waal und dem Hafen von Amsterdam.

Gleich dahinter trafen wir auf die A-ROSA Brava und die A-ROSA Aqua, die sich bereits wieder auf dem Rückweg nach Köln befanden.

Trotz des eher frischen Wetters machten wir es uns dick eingepackt auf dem Sonnendeck bequem. Ich musste über Benita schmunzeln. Saß sie doch nicht tatsächlich total interessiert mit Blick auf die Landschaft auf dem Stuhl. Während andere Hunde schliefen, scannte sie alles um sich herum genau ab. Was habe ich doch für eine reiseaffine Hundedame …

Je näher wir Utrecht kamen, desto besser wurde auch das Wetter und schließlich erwartete uns strahlend blauer Himmel und Sonnenschein. Perfekt, genau so hatte ich es mir erhofft.

Leider legten wir relativ weit außerhalb von Utrecht an, was den zu kleinen Kanälen geschuldet war. Unter den Gästen machte sich Unmut breit, einige konnten und wollten es einfach nicht verstehen. Aber was sollte der Kapitän auch machen? Was nicht geht, das geht eben nicht.

Laut google maps trennten uns gut 4,5 km von der Innenstadt. Die Herausforderung nahmen wir an. Gleich nach Anlegen des Schiffes marschierten wir schnellen Schrittes los. Mal sehen, wie weit wir kommen bzw. Lust haben. Erst einmal durch das arabische Viertel hindurch, vorbei an Schulen, dem Bankenviertel und über den Hauptbahnhof, erreichten wir nach knapp 50 Minuten die Altstadt. Na, geht doch!

Utrecht ist die viertgrößte und eine der wichtigsten historischen Städte in den Niederlanden. Sie wird als das „brausende und klopfende Herz“ Hollands bezeichnet, was wir definitiv so bestätigen können. Unglaublich, wie viele Menschen hier heute unterwegs waren, ebenfalls unglaublich, dass wir hier ausnahmslos in junge Gesichter blickten. Rund 70.000 Studenten sind in Utrecht gemeldet, mindestens 3/4 davon waren heute auch unterwegs. Wir boxten und schoben uns durch die Straßen, völlig geflasht von dieser Stadt.

Hier gibt es Cafés und Restaurants an allen Ecken, selbst auf den kleinsten Wegen findet man Tische und Stühle. Und jeder einzelne von ihnen war heute besetzt. Einen freien Platz zu finden war schier unmöglich.

So viele Menschen es hier gibt, so viele Räder sind unterwegs – und noch mehr. Ich hatte gedacht, Amsterdam wäre schon ’schlimm‘ mit ihren tausend Radfahrern. Utrecht hat allerdings noch einmal alles übertroffen. Hier gibt es Rad-Parkplätze, wie man sie noch nie gesehen hat. Da werden die Räder nach oben gestapelt! Und damit noch nicht genug: Auf unserem Spaziergang streiften wir doch nicht tatsächlich ein eigenes Rad-PARKHAUS! Was es nicht alles gibt.

Nicht zu übersehen ist natürlich der 112 Meter hohe Domturm mitten im Zentrum. Der höchste und älteste Kirchturm des Landes ist das Wahrzeichen der Stadt und wurde zwischen 1321 und 1382 erbaut. 465 Stufen führen auf eine Aussichtsplattform. Normalerweise bin ich die erste, wenn es darum geht, nach oben zu steigen. Heute allerdings wollte ich Toni und Benita nicht ewig warten lassen und verzichtete daher darauf.

Trotz des Trubels war ich absolut begeistert von dieser Stadt. Die Kanäle, die bunten, historischen (Armen-)Häuser, die netten Parkanlagen … traumhaft! So auf den ersten Blick gefiel mir Utrecht noch einen Tick besser als Amsterdam. Ich glaube, hier ist mal ein eigener Städtetrip fällig.

So langsam merkte man Benita Nervosität an. Kein Wunder, immerhin waren wir schon einige Kilometer unterwegs, dazu die unzähligen Menschenbeine … Als dann auch noch ein kleines Mädchen permanent hinter ihr her lief und ihr auf den Hintern klopfen wollte, entschieden wir uns zur Rückkehr. Einen kleinen Eindruck hatten wir ja bekommen. Beim nächsten Mal ist hoffentlich etwas weniger los.

Auf dem Rückweg blickte unsere Hundedame so gut wie gar nicht mehr nach rechts und links. Jetzt nur noch nach Hause … und ins Bett! Die kleine Maus war fix und fertig.

Umgezogen und frisch gemacht, hatten wir uns das Abendessen jetzt aber wirklich redlich verdient. Wir waren die einzigen an Bord, die den weiten Weg heute auf sich genommen hatten. Aber es war schön – und hat sich gelohnt.

Bei Sonnenuntergang das letzte Geschäft erledigt, machten wir es uns wieder in der Lounge bequem und ließen den Abend gemütlich ausklingen.

Tag 4: Unterwegs in Lelystad & Sneek

Um 21 Uhr in Utrecht abgelegt, erreichten wir gegen 3 Uhr nachts Lelystad. Gerade so zum Sonnenaufgang schälte ich mich aus dem Bett und machte mich mit Benita auf einen ersten Gassi-Gang.

1967 gegründet, ist Lelystad heute die Hauptstadt der niederländischen Provinz Flevoland und schließt sowohl einen Teil des IJsselmeers als auch des Markermeers ein. Sie wurde – wie ganz Flevoland – auf einem Polder erbaut. Das gesamte Gebiet wurde erst 1957 trocken. Die Stadt liegt knapp fünf Meter unter dem Meeresspiegel.

Die MS Normandie hatte direkt am Haven festgemacht, dem ältesten Teil der Stadt. Außer die Hundehalter vom Schiff war hier noch niemand unterwegs. Ich genoss die Stille und das tolle Licht, das den Hafen umgab. Der frühe Vogel … ach, Ihr wisst schon …

Nach Benita’s Frühstück – wir ließen unseres heute wieder ausfallen – machten wir uns schließlich zu Dritt auf den Weg. Wir streiften durch den Hafen, begutachteten die tollen Segelschiffe und spazierten weiter zum VOC-Retourschiff ‚Batavia‘.

Die ursprüngliche Batavia wurde 1628 erbaut, sank jedoch ein Jahr später auf ihrer ersten Reise vor der australischen Westküste. Mehr als 330 Menschen ließen dabei ihr Leben. 1985 wurde schließlich unter Verwendung von Original-Materialien wie auch mit handwerklichem Bauverfahren ein Nachbau mit mehreren hundert von Hand geschnitzten Figuren und Ornamenten hochgezogen. 1995 taufte Königin Beatrix das Schiff, welches seitdem auf der Batavia-Werft besichtigt werden kann.

Die Werft selbst hatte aktuell noch geschlossen, das Schiff konnten wir uns zumindest von außen aber ansehen und direkt gegenüber stand sogar schon ein weiterer Nachbau. So wie es schien, war auch hier die gute alte Handarbeit Ziel der Aktion.

Ein paar Schritte weiter erreichten wir den Eingang zum ‚Batavia Stadt Fashion Outlet“. Auch hier waren die Läden noch geschlossen, es war ja auch erst kurz nach 9 Uhr. Äußerst Kreditkarten schonend. Wer braucht schon neue Schuhe …? 😉 Trotzdem spazierten wir gemütlich durch die Anlage, die einem kleinen bunten Dorf nachempfunden wurde, und machten es uns anschließend in einem kleinen Café bei Cappucchino gemütlich.

Ein schöner Vormittag neigte sich damit seinem Ende entgegen, schon um 11.30 Uhr ging die Fahrt weiter.

Während Toni und Benita sich nach dem Mittagessen auf die Kabine zurück zogen, genoss ich den Großteil des Nachmittags auf dem Sonnendeck, das seinem Namen heute alle Ehre machte. Die Fahrt nach Sneek war traumhaft schön. Vom Ijsselmeer ging es durch die ‚Prinses Margriet‘-Schleuse, weiter über den See Groote Brekken, entlang des Prinses-Margriet-Kanals über das Koevordermeer und anschließend über den See Wite Brekken in die immer enger werdenden Kanäle vor Sneek.

Das war Holland, wie ich es mir vorstellte. Endlos weite Wiesen, hier und dort ein paar (wenn auch nur wenige) Windmühlen, einsam stehende Höfe, grasende Kühe und Schafe und weit und breit keine Menschen. Wunderschön!

Auch in Sneek legte der Kapitän wieder sehr zentral an (Anleger Sommerrak) und so machten wir uns kurz nach Ankunft gegen 17.30 Uhr auf den Weg. Ich wollte die Stadt auf jeden Fall noch im Sonnenlicht erleben.

Durch eine kleine Parkanlage hindurch, vorbei an großen Wohnhäusern, standen wir kurze Zeit später inmitten der Altstadt und bummelten kreuz und quer. Den Stadtplan benötigte ich gar nicht. Die wichtigsten Punkte waren ohnehin angeschrieben und der Stadtkern sehr überschaubar. Solche Orte mag ich. Einfach gemütlich.

Besonders gut gefiel mir die Martinikerk, auch Grote Kerk genannt. Im 11. Jahrundert mit dem Bau begonnen, wurde sie bis ins 16. Jahrhundert immer weiter ausgebaut. Wir spazierten entlang der Kanäle, vorbei an hübschen Häusern und netten Restaurans, die sich nach und nach füllten.

Wir entschieden uns für das Abendessen an Bord und marschierten gemütlich zurück. Zwei Stunden später zog es uns dann aber doch nochmal nach draußen und wir bummelten erneut durch Sneek. Aber wo sind denn alle abgeblieben? Außer uns Hunde-Leute war kaum noch jemand unterwegs. Da werden die Gehsteige aber auch frühzeitig hochgeklappt …

Wie üblich, machten wir es uns wieder in der Lounge bequem und verbrachten einen gemütlichen Abend.

Tag 5: Unterwegs in Groningen

Nach dem traumhaften Wetter der letzten zwei Tage erwartete uns heute ein fieses „grau in grau“ und ein kalter Wind in Groningen, wo wir gegen 10 Uhr morgens anlegten. Hier sollten wir bis 17 Uhr verweilen. Also genügend Zeit, um sich die Stadt anzusehen.

Unser Kapitän legte relativ zentral am Eemskanaal Noordzijde an; von hier waren es knapp fünfzehn Minuten zu Fuß ins südliche Zentrum.

Groningen ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und genau wie Utrecht eine quirlige und bunte Studentenstadt, jedoch nicht ganz so überlaufen. Auch die vielen Fahrräder habe ich richtiggehend vermisst.

Wir spazierten zum Radesingel, einer langgezogenen Straße mit großer Grünfläche (in Groningen-Stadt relativ schwer zu finden), links und rechts gesäumt von fantastischen Häusern aus dem 19. Jahrhundert. An dessen Ende erreichten wir die neugotische St. Joseph-Kirche.

Weiter ging es zum Grote Markt, dem Hauptplatz der Stadt mit der Martinikirche und ihrem 97 m hohen Turm. Sie ist die älteste und größte Kirche der Stadt und wurde zwischen 1469 und 1482 errichtet. Der Marktplatz ist großzügig angelegt, an der Südseite reihen sich zahlreiche Bars und Restaurants aneinander. Besonders imposant wirkte das Groninger Rathaus. 1792 mit dem Bau begonnen, wurde er erst 1810 vollendet.

Wir stiegen auf eine Aussichtsplattform hoch, um den Marktplatz besser überblicken zu können. Ich weiß nicht, ob es das Wetter war, aber so richtig umgehauen hat uns Groningen nicht. Es wirkte alles so dreckig, so unaufgeräumt. Irgendwie hatten wir uns mehr erwartet.

Direkt hinter dem Rathaus, etwas versteckt, trifft man auf ein fast 400 Jahre altes, wunderschön restauriertes Gebäude, das ‚Café Restaurant Goudkantoor“, auf dessen Terrasse der ‚Olle Grieze‘ steht.

Aber auch die Reichsuniversität kann sich sehen lassen. 1614 gegründet, ist sie eine der ältesten Universitäten der Niederlande, jährlich verlassen ca. 2.500 Studenten die Uni mit einem akademischen Abschluss. Das Gebäude ist beeindruckend.

So langsam fröstelten wir. Der Wind pfiff uns ganz schön um die Ohren und so beschlossen wir die Rückkehr zum Schiff. Ursprünglich war ja geplant, irgendwo in der Stadt zu Mittag zu essen. Aber ehrlich gesagt entdeckten wir kein Restaurant, das uns angesprochen hätte.

Der Rückweg war gar nicht so einfach. Obwohl die Innenstadt eigenlich relativ ‚easy‘ von einem Kanal umgeben ist, liefen wir trotz Stadtplan erst einmal komplett in die falsche Richtung. Wir hätten uns doch einzeichnen sollen, wo das Schiff angelegt hatte …

Zwar entdeckten wir bei diesem Umweg nochmal ganz schöne Ecken der Stadt, aber über kurz oder lang wollten wir dann doch mal wieder ins Warme. Auch Benita war nicht mehr ganz so begeistert. Ihr wurde in den letzten Tagen schon einiges abverlangt. Ich glaube, die ist froh, wenn es wieder nach Hause geht … da ist es weitaus weniger anstrengend.

Aber auch mich hatte der Tag heute geschafft. Im Laufe des Tages keimten Kopfschmerzen auf, die – wie sollte es auch anders sein – natürlich wieder in leichte Migräne übergingen. Das Mittagessen musste ich aus diesem Grunde abbrechen und legte mich erst einmal aufs Ohr.

Etwas später gesellte ich mich zu Toni in die Lounge. Dort fand gerade ein Vortrag einer Hundetrainerin statt, die von 1AVista eingeladen wurde. Sie erklärte ein wenig die Grundregeln der Hundeerziehung, ging aber auch auf spezielle Fragen und die Nöte der Hundebesitzer ein. Natürlich ersetzte das kein Hundetraining, war aber eine schöne Idee und wurde von den Gästen auch sehr gut angenommen.

Auf die Vorstellung des Futters von ‚Pets Deli‘ verzichteten wir und gingen stattdessen nochmals ein wenig spazieren. In die Stadt hatten wir keine große Lust mehr, also einfach ein wenig am Kanal entlang. Einige andere Gäste taten es uns gleich.

Kurz vor 17 Uhr waren dann auch alle wieder an Bord und die Fahrt ging weiter. Gegen 21 Uhr legten wir irgendwo im Nirgendwo schließlich nochmals einen Gassi-Stopp ein. Hier war wirklich absolut rein gar nichts … außer das junge Pärchen im Auto, das sich wohl eher auf traute Zweisamkeit als auf eine Horde ‚wild gewordener‘ Hundebesitzer gefreut hatte. Tja, da mussten die beiden jetzt leider durch …

Alle Geschäfte erledigt, machten wir es uns wieder in der Lounge bequem und verbrachten einen lustigen Abend in sehr netter Gesellschaft.

Tag 6: Unterwegs in Lemmer, Urk & Zwolle

Schon gestern Abend gab es erste Anzeichen dafür, heute Morgen kam Toni dann gar nicht mehr aus dem Bett. Ihn hatte eine fette Grippe erwischt. Trotz ausreichend Medikamenten sollte sie bis zum Ende der Reise auch nicht mehr abklingen und so waren Benita und ich die restlichen Tage mehr oder weniger allein on Tour. Stadtrundgänge waren einfach zu anstrengend für ihn.

Lemmer erreichten wir gegen 8 Uhr, kurze Zeit später spazierte ich mit Benita dann auch schon los. Einen Stadtplan konnte ich vorab nicht ausfindig machen und so ließ ich mich einfach mal überraschen.

Lemmer liegt am Rande des IJsselmeers und ist einer der bedeutendsten Wassersportorte Frieslands.

Vom Anlegeplatz am Anfang des Vluchthavens (Vuurtorenweg) ging es immer am Wasser entlang in die Innenstadt. Wir waren das einzige Flusskreuzfahrtschiff, hinter uns standen noch einige tolle Segler.

Im Zentrum angekommen, war ich sofort begeistert von Lemmer. Ein wirklich schönes Städtchen, sehr gemütlich und mit den vielen Kanälen auch sehr romantisch. Überall standen die privaten Yachten, es wurde Kaffee getrunken, Zeitung gelesen oder bereits kräftig am Boot geschrubbt. Die Stadt war gerade am Aufwachen, wieder einmal eine sehr schöne Stimmung.

Knapp 1 1/2 Stunden liefen wir kreuz und quer durch die Straßen, genossen die warmen Sonnenstrahlen und setzten uns auch einfach mal auf ein Bänkchen. Benita hatte sichtlich Gefallen gefunden an der Stadt. Normalerweise hetzt sie gerne herum. Hier war sie vollkommen entspannt.

Wieder an Bord, ging es Toni leider immer noch nicht besser, so dass ich ihn weiterhin in Ruhe ließ und es mir auf dem Sonnendeck bequem machte, bevor es mit Ablegen um 12 Uhr zum Mittagessen ging.

Bis zum nächsten Ziel, Urk, waren wir nur knapp zwei Stunden unterwegs. Aufgrund der direkten Lage am IJsselmeer konnten wir das Fischerdörfen schon von Weitem erkennen. Besonders der Leuchtturm stach mir dabei ins Auge.

Urk ist die älteste und kleinste Gemeinde in der Provinz Flevoland und war bis zur Entstehung des Nordostpolders im Jahre 1939 eine Insel. Noch heute pflegen die Einwohner den Urker Dialekt und legen ganz besonderen Wert darauf, sich „op Urk“ (auf Urk) zu befinden.

Gleich nach dem Anlegen verließ ich die ‚MS Normandie‘ und machte mich mit Benita auf den Weg in die Stadt. Toni blieb vorsichtshalber auf dem Schiff, es ging ihm zwar etwas besser, aber der Wind war dann doch tückisch.

Also lief ich ganz gemütlich mit ihr entlang des Hafenbeckens, in dem sowohl Fischerbötchen als auch teure Yachten zu sehen waren. Das Wetter meinte es wieder sehr gut mit uns, strahlend blauer Himmel und Sonnenschein.

Der Spaziergang durch die sog. ‚Ginkies‘, den Gässchen der Stadt, war besonders schön. Hier war niemand mehr zu sehen, wir zwei waren vollkommen allein unterwegs und die zahlreichen bunten Häuschen in den verschiedenen Baustilen mit ihren bunten Gärten begeisterten mich. Urk empfand ich als unglaublich gemütlich, abgeschieden vom Rest der Welt.

Unterhalb des Wester-Deichs liegt einer der zwei Strandabschnitte von Urk. Als Benita den sah, tickte sie komplett aus. Benita liebt Strand, das Buddeln im Sand ist eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen und prompt buddelte sie drauf los. Damit hatte ich ihr jetzt sichtlich große Freude bereitet.

Hier hielten wir uns eine ganze Weile auf, im Anschluss spazierten wir weiter zum Leuchtturm, dem Wahrzeichen von Urk. Bereits seit 1617 hatte Urk einen Leuchtturm, der jedoch stets an eine höher gelegene Stelle versetzt werden musste. Der jetzige Leuchtturm stammt aus dem Jahre 1844 und bietet eine schöne Aussicht über das Wasser und das Dorf.

Hier trafen wir wieder auf bekannte Gesichter vom Schiff, der Großteil hielt sich eher im vorderen Bereich des Dörfchens auf. In Begleitung spazierten Benita und ich wieder zurück in Richtung Schiff, bogen kurz vorher aber noch einmal in das alte Zentrum hab. Es war noch so schönes Wetter und wir hatten noch so viel Zeit, da wollte ich gerne noch die entlegeneren Ecken der Stadt erkunden.

Pünktlich zur Abfahrt zog sich der Himmel zu, kräftiger Wind wehte uns um die Ohren. Wettertechnisch wurde uns auf dieser Fahrt wirklich (fast) alles geboten. Wir verließen das IJseelmeer, fuhren in das Ketelmeer über die Ijssel unserem nächsten Ziel, Zwolle, entgegen.

Die Einfahrt nach Zwolle beobachteten wir von der Lounge aus. Inzwischen war es schon dunkel, die Fahrt entlang der Kanäle, vorbei an den beleuchteten Brücken und Kirchen/Plätzen war schön zu beobachten. Wir legten tatsächlich mitten in Zwolle an. Nur ein Steinwurf entfernt befand sich die Innenstadt. Eigentlich perfekt, um abends noch raus zu gehen. Abr mit Benita „um die Häuser ziehen“ ist dann eben doch nicht möglich. Also blieb es lediglich bei einem kleinen Abend-Gassi.

Den Rest des Abends verbrachten wir in gewohnt lustiger Runde, bei netter Musik und etwas Tanz und fielen schließlich gegen Mitternacht todmüde ins Bett. Es war ein langer Tag.

Tag 7: Unterwegs in Zwolle & Zutphen

Ein kurzes Morgen-Gassi mit Benita, dann ging es gegen 8 Uhr auf Besichtigungstour durch Zwolle. Schon um 10 Uhr sollten wir die Stadt wieder verlassen und weil es Toni wieder schlechter ging und Benita spürbar keine Lust auf einen längeren Spaziergang hatte, machte ich mich eben alleine auf den Weg.

Leider war es heute sehr bewölkt und frisch, was aber meiner guten Laune keinen Abbruch tat.

Zwolle ist die Hauptstadt der Provinz Overijssel und hatte sich im Goldenen Zeitalter rasant zu einer wichtigen Hansestadt entwickelt. Inzwischen ist sie eine gelungene Mischung aus modernem Leben und mittelalterlichen Häuserfassaden.

Es war noch weit vor 10 Uhr, also hatten die Läden mit Ausnahme der Bäckereien und Cafés noch geschlossen. In den Straßen war kaum etwas los, hin und wieder traf ich auf bekannte Gesichter vom Schiff. In Holland beginnt das Leben eindeutig später als bei uns.

Ich spazierte die verschiedenen Straßen und Gassen entlang und erreichte einige Zeit später das Provinzmuseum, dessen Kuppel optisch so gar nicht zum Rest des Gebäudes passt, aber das Zusammenspiel zwischen Tradition und Moderne der Stadt widerspiegelt.

Die kleinen Gassen wirkten sehr mittelalterlich. Teilweise hörte man sogar mittelalterliche Klänge aus den Räumen; es wurde wohl gerade für ein entsprechendes Fest geprobt.

Beeindruckend ist das Sassenpoort, das Stadttor der Stadtmauer von Zwolle, das im späten 14. und frühen 15. Jahrundert erbaut wurde. Von der Stadtmauer selbst sind von ursprünglich 23 Türmen nur noch drei übrig geblieben, an vereinzelten Plätzen findet man noch entsprechende Mauer-Abschnitte.

Eine knappe Stunde war ich in Zwolle unterwegs, dann ging es wieder zurück zum Schiff. Nochmal ein kurzes Gassi mit Benita, anschließend machten wir es uns in der Lounge bequem.

Eigentlich sollten wir schon gegen 14 Uhr Zupthen erreichen. Da aber eine der Schleusen kaputt war, hieß es jetzt: Eine Stunde warten. Die Begeisterung der Gäste hielt sich in Grenzen, aber auch hier waren dem Kapitän einfach die Hände gebunden. Wir mussten es hinnehmen wie es war und tatsächlich ging es dann auch schon eine gute Stunde später weiter. Interessant wäre es geworden, wenn die Schleuse heute gar nicht mehr reparabel gewesen wäre. So schnell kann ein ganzer Zeitplan durcheinander kommen.

Doch man weiß ja mit Veränderungen umzugehen und so verlegte man das von zwei Gästen angebotene „Anti-Giftköder-Training“ eben um ein paar Stunden nach vorne. Ich fand es toll, dass die zwei sich dazu bereit erklärten, uns etwas zu zeigen. Natürlich ist es immer Ansichtssache, was man annimmt oder nicht. Aber es war interessant und jeder konnte sich das für sich wichtige herausziehen. Die beiden machten das auch wirklich gut. Die Hunde machten ebenfalls gut mit.

Während sich Toni und Benita wieder in die Kabine zurück zogen, machte ich es mir auf dem Sonnendeck bequem und beobachtete die vorbei ziehende Landschaft. Dick eingemummelt, aber gemütlich war es.

Gegen 16 Uhr erreichten wir schließlich Zupthen. Sie ist Hansestadt der Provinz Gelderland und liegt an der Mündung des Flusses Berkel in den Fluss Ijssel. Vor rund 1.700 Jahren entstanden, ist sie eine der ältesten Städte der Niederlande und bietet eine Vielzahl historischer Gebäude und einladender Plätze.

Von unserem Anlegeplatz an der Ijsselkade waren es nur wenige hundert Meter bis ins Stadtzentrum. Da es ihm ein wenig besser ging, machte sich Toni mit uns auf den Weg. Wir liefen über den Groenemarkt weiter zur St. Walburgiskirche und zum Stadthaus und erreichten einige Zeit später entlang kleiner Gassen wieder den Groenemarkt.

Inzwischen begann es zu regnen und so kehrten Toni und Benita wieder zum Schiff zurück, während ich meinen Rundgang durch die Stadt fortsetzte. Ein kurzer Shopping-Stopp (Ha, doch noch geschafft, man sollte die Hoffnung eben nie aufgeben!), dann war es auch schon wieder trocken.

In der Laarstraat entdeckte ich die mit Abstand schönste Häuserzeile der Stadt. Bunte Gebäude, eins nach dem anderen, nette Boutiquen oder auch Käseläden, dazwischen kleine Cafés. Sehr nett gestaltet.

Weiter ging es zum Turm Drogenapstoren, ein Salztor aus dem Jahre 1444-1446. Aus Kostengründen diente es nur kurz als Stadttor und wurde schließlich zugemauert. 1887 wurde der Turm zum Wasserturm umgebaut, seit 1983 befinden sich Wohnungen darin. Direkt vor dem Turm befindet sich ein etwas eigenartige Skulptur des Namensgebers Beeld Thonis Drogenap. Ohne Gesicht, sehr mystisch. Nachts möchte ich nicht unvorbereitet an dem vorbei laufen …

Schade, dass das Wetter heute so gar nicht mitspielte, denn Zutphen ist wirklich eine schöne Stadt. Tolle Restaurants und Cafés zum draußen sitzen, interessante historische Gebäude und einladende Plätze. Hier hat es mir gut gefallen.

Eigentlich wollte ich ja in einem der Käse-Läden einkaufen, entschied mich dann aber doch dagegen. Offener Stinke-Käse – damit hätte ich wohl niemandem so rechte Freude bereitet. Weder uns noch den Mitreisenden.

Nach dem Abendessen verabschiedete sich Toni wieder auf die Kabine, die Champions League lockte. Ich machte es mir mit Benita in der Lounge bequem und ließ den Abend bei netten Gesprächen gemütlich ausklingen.

8. Tag: Unterwegs in Arnheim & Wesel

Erst gegen 2 Uhr nachts verließen wir Zutphen, um 8 Uhr morgens erreichten wir schon wieder Arnheim.

Toni entschied sich auch heute wieder gegen eine Stadtbesichtigung. Da es morgen nach Hause ging und uns eine weite Autofahrt bevorstand, wollte er dafür einigermaßen fit sein. Ich hatte mich zwischenzeitlich daran gewöhnt und so lief ich mit Benita gegen 8.30 Uhr auch schon los.

Arnheim ist Hauptstadt der Provinz Gelderland und war neben Groningen die einzige Stadt, die mir zumindest vom Namen her schon vor der Reise ein Begriff war. Was genau sie zu bieten hat, wollte ich mir nun genauer ansehen.

Benita merkte man die Anstrengungen der letzten Tage langsam an. Sie bockte vom ersten Schritt an und hatte so absolut überhaupt keine Lust auf diesen Stadtrundgang. Da musste sie jetzt allerdings durch, in der Hoffnung, dass sie vielleicht doch wieder ihren Spaß daran finden würde. Aber es war schnell klar: Großstädte sind einfach nichts für sie. Durch die kleinen Dörfer flitzte sie ohne Protest. Heute hatte ich ganz schön zu kämpfen.

Angelegt hatten wir am Boterdijk, von hier waren es kanpp 15 Minuten in die Innenstadt. Der Lärm und die Hektik der Stadt stressten auch mich anfangs etwas, das Gemütliche und Ruhige der letzten Tage war auch mir lieber.

Wir erreichten die Rijnstraat, die Einkaufsstraße im Zentrum von Arnheim. Sie wir überspannt von Wäscheleinen mit großen T-Shirts. Eine nette Idee und praktisch für die Orientierung.

Etwas davon entfernt steht die Eusebiuskirche, auch Grote Kerk genannt. Der Bau begann 1450 und dauerte über 100 Jahre lang, der Turm ist 93 m hoch. Gleich daneben befindet sich das äußerst moderne Rathaus. Beides zusammen ergibt ein sehr eigenartiges Bild.

Von hier spazierten wir nochmals kreuz und quer durch diverse Straßen, aber besonders ergiebig erschien mir Arnheim nicht. Neben dem bisher Gesehenen gab es nicht mehr sonderlich viel und so machte ich mich mit Benita langsam wieder auf den Rückweg. Ganz so als würde sie es wissen, lief sie schnurstracks in Richtung Wasser. Da wird man plötzlich wieder schnell …

Arnheim scheint ein sehr beliebtes Ziel auf Flusskreuzfahrten zu sein, jedenfalls standen hier heute eine Menge anderer Schiffe. Phoenix, Viking, Plantours, ein weiteres 1AVista-Schiff und viele mehr. Es war interessant, die vielen Unterschiede schon von außen zu sehen.

Benita hatte jetzt nur noch eines im Sinn: Wo ist Herrli? Und genau deshalb stürmte sie auf jedes einzelne Flussschiff zu, wollte in jedes einzelne hinein. „Da muss er doch irgendwo sein?“ Tja, dumm nur, dass wir das letzte Schiff in der Reihe waren.

Die Freude war groß, als sie ‚endlich‘ wieder in der Kabine war. Prompt legte sie sich schlafen. Eindeutiger kann man mir wohl nicht sagen, dass das heute partout nicht ihr Ausflug war.

Weil ich jetzt aber nicht zwei Stunden auf dem Schiff und noch weniger in der Kabine hocken wollte, beschloss ich, noch einmal allein in die Stadt zu düsen. Toni lag ohnehin noch im Bett und kurierte seine Grippe aus. Alleine blieb ich dann erfreulicherweise auch gar nicht. In netter Begleitung ging es nochmals Richtung Rijnstraat mit Kaffee-Abstecher im „Le Café“. Ein kurzweiliger Vormittag.

Noch mal schnell mit Benita raus, dann legten wir gegen 12 Uhr auch schon wieder ab. Toni war wieder einigermaßen fit, auf das Mittagessen verzichteten wir allerdings beide und beobachteten das Auslaufen aus Arnheim von der Lounge aus. Sehr gemütlich, zumal sonst fast alle beim Essen waren.

Bei der Ausfahrt kamen wir noch an vielen weiteren Flusskreuzfahrtschiffen vorbei, von denen uns die Viking am meisten zusagte. Mit den Balkonkabinen und dem schönen Sonnendeck definitiv mal eine Überlegung wert.

So langsam verließen wir die Niederlande und erreichten wieder Deutschland. Am Nachmittag war ich wieder für einige Zeit auf dem Sonnendeck unterwegs, gegen 17 Uhr legten wir in Wesel an. Leider hatten wir dafür nicht wirklich viel Zeit, denn schon um 18 Uhr wartete das Kapitäns-Dinner auf uns, das wir natürlich nicht verpassen wollten.

Ich schnappte mir Benita und so ging es auf einen kleinen Gassi-Gang nach draußen. Wir legten außerhalb von Wesel an, was ich gar nicht so schlecht fand, denn hier war alles grün, direkt am Fluss. Sehr angenehm. Auch Benita hatte wieder ihren Spaß gefunden und schnüffelte sich durch die Gegend.

Beim Kapitäns-Dinner nahm – wie sollte es auch anders sein – der Kapitän mit Kollegen teil. Statt einem 4-Gänge-Menü gab es einen Gang mehr, im Anschluss noch eine Eisbombe ganz á la Traumschiff. Das Essen war wieder einmal hervorragend, die Stimmung ebenso.

Nach dem Abendessen brach etwas Hektik aus, denn wir mussten alle noch einmal kurz mit den Hunden raus, um 20 Uhr ging es schon wieder weiter. Das war wieder mal ein herrliches Bild. Eine Horde Leute mit ihren Hunden, alle kreuz und quer über die Parkfläche verstreut.

Den letzten Abend verbrachten wir nochmals mit unseren neu gewonnenen (Hunde-)Freunden und so langsam wurde ich wehmütig. Morgen sollte die Reise schon wieder vorbei sein – und dazu hatte ich so absolut gar keine Lust. Doch diesen Gedanken schob ich schnell wieder beiseite und genoss die letzten gemütlichen Stunden bei interessanten und lustigen Gesprächen in vollen Zügen.

Tag 9: Rückkehr nach Köln & Heimreise

Hatte ich die letzten Tage darauf verzichtet, ging ich heute Morgen doch schnell eine Kleinigkeit Frühstücken. Die Heimreise war lang und über kurz oder lang kommt sicher der Hunger.

Gegen 9 Uhr erreichten wir Köln. Schnell die Kamera geschnappt, bekam ich zumindest noch ein paar Schönwetter-Fotos dieser Stadt, war es doch am Einschiffungstag so trübe.

Unsere Koffer hatte ich gegen 7 Uhr vor die Tür gestellt, diese wurden alle in der Lobby aufgereiht und nach Ankunft in Köln von der Crew zum Bus gebracht. Die Abreise war schließlich ziemlich hektisch. Jeder wollte am besten gleichzeitig von Bord. Wir verließen als eine der letzten die ‚MS Normandie‘, verabschiedeten uns und spazierten zum Transfer-Bus der „Globus Group Parkgarage“, der uns dann auch direkt dorthin brachte.

Glück muss man haben. Unser Auto stand in vorderster Reihe und so brauchten wir tatsächlich nur die Koffer einzuladen und konnten innerhalb weniger Minuten losdüsen. Auf Wiedersehen, Köln! Es war eine wunderschöne Woche, nun geht’s nach Hause …

Entgegen aller Erwartungen und Befürchtungen in Bezug auf Osterferien-Stau kamen wir erstaunlich gut voran und erreichten nach zwei kleinen Pausen gegen 16.30 Uhr unser Zuhause. Der Urlaub war vorbei …


Allgemeines Fazit zur Flussreise:

Die Reise hat mir unglaublich gut gefallen. War ich anfangs noch etwas skeptisch, ob mir eine ganze Woche Flusskreuzfahrt nicht vielleicht doch zu langweilig werden könnte, wurde ich sehr schnell vom Gegenteil überzeugt. Genau genommen fand ich richtig Gefallen an dieser etwas anderen Schiffsreise.

So eine Flussfahrt ist so wunderbar entspannend. Man setzt sich auf das Sonnendeck, lehnt sich zurück, und sieht stundenlang immer wieder Neues. Man legt an und ist innerhalb weniger Sekunden von Bord. Man sieht innerhalb einer Woche (je nach Route und Plan natürlich) so viele wunderbare Städte, die man ohne Schiff vielleicht niemals bereisen würde. Das Essen war fantastisch (wenn auch viel zu viel ;-)). Und nicht zuletzt hat auch die Crew einen ganz großen Teil dazu beigetragen, dass wir uns hier wohlfühlten. Immer freundlich, immer lustig und entspannt, nicht aufgesetzt, eben einfach familiär, auch der Kapitän war immer irgendwo präsent und gut gelaunt.

So schön ich Hochseekreuzfahrten finde und so sehr ich die großen Schiffe mit all dem Entertainment-Programm mag – eine Flussfahrt ist viel persönlicher, viel familiärer und ganz sicher wird es nicht die letzte Fahrt gewesen sein.

Fazit zum Thema „Mit Hund auf Flüssen unterwegs“:

Die Idee der Hundeflusskreuzfahrt ist wirklich einzigartig. Damit hat 1AVista vor einigen Jahren eine Marktlücke entdeckt und ich frage mich immer wieder, warum hier bis dato noch keiner nachgezogen hat.

Hundebesitzer sind glücklich, mit ihren Vierbeinern auf Reisen zu gehen, sie nicht immer abgeben zu müssen, die schönste Zeit des Jahres gemeinsam mit ihnen zu erleben. Und ja, es gibt durchaus auch Hunde, die gerne verreisen. Man sieht es an Benita, die gerne unterwegs ist und fremde Orte mit Leidenschaft erkundet.

Und wer denkt, dass es auf einem Schiff mit rund 50 Hunden „rund“ geht, der irrt gewaltig. Wie auch schon in den Hundehotels war es auch hier absolut entspannt. Klar – der ein oder andere Bellerer ist mal zu hören und natürlich sind sich auch nicht immer alle Hunde grün. Aber mal ehrlich: Können wir Menschen uns alle leiden? Schreien Kinder nicht auch einmal? – All das sind Ausnahmen. Man mag es kaum glauben, aber die Hunde lagen ganz entspannt bei ihren Herrchen und Frauchen und gaben keinen Mucks von sich.

Auch wurde einem von der Crew stets vermittelt, willkommen zu sein. Da gab es nie ein böses Wort oder einen bösen Blick auf die Hunde. „Hier sind Hunde nicht geduldet, sondern willkommen“ stimmt also tatsächlich.

In der Regel gibt es für diese Hundeflusskreuzfahrten jeweils einen Sponsor (Futtermittelunternehmen etc.). Natürlich gibt es hier dann entsprechende Veranstaltungen, die aber – zumindest bei uns in Form der Hundetrainerin – sehr interessant sind und selbstverständlich auch keine Pflichtveranstaltung.

Hier findet Ihr die Fotos zu dieser Reise (70 Stück):