Ab an die Adria – Kroatien und Italien

Istrien & Friaul-Julisch Venetien

Aller guten Dinge sind drei. Zwei Mal mussten wir unseren Kroatien-Urlaub schon verschieben. 2020 aufgrund Reisebeschränkungen durch Corona. 2021 verzichteten wir freiwillig darauf, nachdem das Reisen zwar wieder möglich war, man an den Grenzübergängen jedoch selbst in der Nebensaison mit bis zu fünf Stunden Wartezeit viel Geduld aufbringen musste. Dazu hatten wir so absolut keine Lust. Neues Jahr, neues Glück. 2022 visierten wir Kroatien ein drittes Mal an und buchten ganz zuversichtlich im Dezember des Vorjahres.

Mein letzter Aufenthalt in Istrien lag schon ganze 34 Jahre zurück! Ach herrje – man wird alt. Mit 7 Jahren verbrachte ich gemeinsam mit meinen Eltern und meinem Bruder einen herrlichen Urlaub in Rovinj & Umgebung und kann mich auch heute noch an das ein oder andere Erlebnis erinnern. Jahre später besuchten wir im Rahmen von Kreuzfahrten Dubrovnik ganz im Süden des Landes. Doch recht viel mehr hatte ich bis dahin noch nicht gesehen.

Kroatien ist groß, unsere Urlaubstage waren inzwischen auf eineinhalb Wochen geschrumpft, so dass wir uns auch tatsächlich auf den oberen Teil des Landes, Istrien, konzentrierten. Acht Nächte dort und um eine kürzere Heimreise zu genießen, noch weitere drei Nächte in Italien. Das klang nach einem guten Plan.

Die Suche nach entsprechenden Campingplätzen gestaltete sich dabei recht einfach. Einer davon – nämlich der Campingplatz Mon Perin in Bale nahe Rovinj – war mir schon vor vielen Monaten ins Auge gestochen und absolut nicht verhandelbar. Da musste ich hin! Den zweiten Platz fand ich gerade mal eineinhalb Stunden entfernt in Lanterna nähe Novigrad mit dem Lanterna Premium Camping Resort. Dieser war mir aufgrund seiner besonders hervorgehobenen Hundefreundlichkeit aufgefallen, zumal es hier Plätze im eigens erschaffenen Themenbereich Happy Dog Village gab. Das hörte sich doch gut an. Für Italien durfte schließlich Anton einen Platz wählen und entschied sich für das Camping Village Mare Pineta in Sistiana nahe Triest. Hoch auf einem Felsen mit Blick auf das Meer buchten wir – wie auch schon bei den beiden anderen – einen Stellplatz in erster Reihe zum Meer.

Vor allem aufgrund Zeitmangel, aber auch, weil ich es nicht für notwendig erachtete, verzichtete ich auf großartige weitere Planungen. Zwar sah ich mir ein paar Wochen vor Reisebeginn die jeweilige Umgebung der Campingplätze näher an und schrieb mir ein paar Ausflugsmöglichkeiten zusammen. Das war es dann aber auch schon. Wir fahren ja ’nur‘ nach Kroatien … Die Folge war schließlich ein in manchen Teilen etwas abenteuerlicher Urlaub, nicht erfüllte Erwartungen und viele neue Erkenntnisse. Aber lest selbst …

Tag 1: Anreise nach Kroatien & Erste Erkundungen

Schon die ganze Woche über hatte ich das Wohnmobil gepackt. Immer zwischen den Terminen und wenn eben gerade Zeit dazu war. Jetzt nur ja nichts vergessen. Gefährlich, wenn man immer nur halb bei der Sache ist. Doch tatsächlich hatten wir an alles gedacht. Oder doch nicht? Zwei Tage später fiel uns auf: Die Grillzange lag zu Hause auf dem Tisch. Egal. Darauf kann man ja nun wirklich verzichten.

Die geplante Abfahrt um 7 Uhr hielten wir ein. Los geht’s! Auf dem Weg nach Österreich dann die erste Frage: Wo bekommen wir eigentlich die slowenische Vignette her? Noch in Deutschland? Oder erst in Österreich? Zwar hatten wir uns im Vorfeld schon öfter darüber unterhalten. Es dann aber immer irgendwie aus den Augen verloren.

Was uns allerdings schon ziemlich bald aufgefallen war: Für Slowenien gibt es entweder eine 7-Tages- oder dann gleich eine Monats-Vignette, welche natürlich doppelt so teuer ist. Und wir? Wir waren ausgerechnet acht Nächte in Kroatien! Das war ja mal super geplant.

Kurz kam der Gedanke auf, Slowenien auf der Rückfahrt irgendwie zu umfahren, um Kosten zu sparen. Camperfreunde kannten da einen Schleichweg. Doch die Streckenführung, die man im Übrigen auch im Internet als Top-Tipp findet, war so verwirrend und glich schon fast einer Doktor-Arbeit, dass wir uns schnell einig waren: Egal – wir nehmen die Monats-Vignette und zahlen dafür eben 30 €. Shit happens. Für das Rumgekurve und Gesuche hatten wir beide keine Geduld.

Blieb aber trotzdem noch die Frage offen: Wo bekommen wir sie jetzt her? Mir fiel siedend heiß ein, irgendwo gelesen zu haben, dass man diese nur noch online bestellen könne, mindestens aber bis einen Tag vor Einreise, da die Vignette angeblich über Nacht aktiviert werden muss. Mist! Schnell Dr. Google gefragt. Nein – auch an Autobahnraststätten und Tankstellen wäre sie zu erstehen. Puh, Glück gehabt!

Und so machten wir kurz vor Salzburg schließlich Halt an einer Autobahnraststätte und versuchten unser Glück. Zwanzig Minuten Anstehen. Dafür aber kam Anton voll ausgestattet zurück: Auch die Tauernautobahn und der Karawankentunnel waren im Vorfeld bezahlt. Für Österreich und Italien hatten wir ohnehin die Jahres-Vignette bzw. den Telepass.

Das war ja nochmal alles gutgegangen. Keine Stunde unterwegs und schon geschwitzt.

Aber auch die erste Erkenntnis gewonnen: Unbedingt vorab eine mögliche Maut und deren Dauer sowie Kosten überprüfen und – sofern möglich – bereits online organisieren. Das spart nicht nur Wartezeiten, sondern auch Nerven. (Hinweis: Ein paar Tage später haben wir von einem anderen Urlauber erfahren, dass er die slowenische Vignette in Österreich an den Tankstellen kaufen wollte. Dort verwies man ihn auf die Online-Bestellung, bei ihnen könne man sie nicht erwerben. Daraufhin zog er sich das Ticket online, was dann aber auch ohne angebliche Aktivierung über Nacht funktionierte).

Die weitere Fahrt über Villach und anschließend durch den Karawankentunnel verlief angenehm. Zum Glück gab es weder Blockabfertigung noch Staus und auch die Einreise nach Slowenien war ohne Probleme. Dort gab es dann erst einmal eine kleine Pause an einer Raststätte. Anton holte uns für rund 15 € zwei kleine Kuchenstücke und zwei Cappucchini. Für Slowenien ein stolzer Preis.

Grob vorbei an Bled und um Ljubiljana herum, ging es anschließend weiter in Richtung Koper und zur Grenze bei Plovanija nach Kroatien. Weil das Land kein Mitglied des Schengener Abkommens ist, finden Ausweiskontrollen statt, die uns zunächst überraschten. Auch das war uns nicht bewusst, aber natürlich lagen sie griffbereit.

Die Ausweise wollte der nette Herr dann aber gar nicht sehen. Auf meine Frage hin, was genau er denn von uns benötigen würde, faltete er die Hände, sah uns mit einem Lächeln im Gesicht an und meinte, er hätte nur zwei Anforderungen an uns: 1.) Ich solle doch bitte nicht ’so böse‘ schauen wie seine Frau, das würde ihn verunsichern und hätte er schon zu Hause immer (ich sah sicherlich etwas gestresst aus, weil man bei Grenzkontrollen ja nie so genau weiß, was alles gebraucht und angesehen werden muss und mich das immer etwas nervös macht) und 2.) müsse mein Mann heute Abend am Strand eine Flasche Wein öffnen und mir sagen, wie sehr er mich liebt.

Na – diese beiden Bitten konnten wir ihm doch problemlos erfüllen. 🙂 Wir lachten alle Drei und verabschiedeten uns von dem netten Herrn, der mit seiner Art so unglaublich süß und freundlich war und uns im Verlauf der Reise immer wieder ins Gedächtnis sprang.

Eine gute Stunde Autofahrt lag schließlich noch vor uns, bis wir um kurz nach 15 Uhr endlich an der Rezeption des Campingplatzes Mon Perin angekommen waren. Geschafft! Nach 8 Stunden Fahrt stand uns die Müdigkeit ins Gesicht geschrieben.

Leider waren wir nicht die einzigen Anreisenden, so dass der Check-In eine ganze Weile dauerte. Unsere Hunde wurden langsam ungeduldig und ich auch. Jetzt ein Kaffee, das wär’s.

Der Campingplatz Mon Perin liegt ca. 6 Kilometer von Bale entfernt direkt am Meer und ist in zwei Bereiche unterteilt. Tatsächlich waren es einmal zwei einzelne Campingplätze, die sich vor einigen Jahren zu einem zusammengeschlossen hatten. Von der Rezeption führt jeweils ein rund 1 km langer Weg zum Bereich San Polo und ein weiterer in den ebenfalls rund 1 km entfernten Bereich Colona.

Wir hatten im Vorfeld lediglich die Kategorie ‚Premium Mare‘ gebucht. Ein Stellplatz in erster Reihe zum Meer. Den Bereich konnten wir uns nicht aussuchen. Hätte aber auch nichts gebracht, da wir ohnehin nicht wussten, wie es vor Ort aussah. Ursprünglich hatte ich ja mit einem Luxury Mare Platz geliebäugelt. Dieser ist offener und etwas größer, ebenfalls direkt am Meer und bietet sogar einen eigenen Grill sowie eine Pergola. Doch selbst ein dreiviertel Jahr im Voraus war diese Kategorie schon längst ausgebucht. Wie wir in Gesprächen mit unseren Nachbarn erfuhren, scheinen die Plätze aber wohl auch in erster Linie an die Stammgäste ‚unter der Hand‘ vergeben zu werden.

Trotz der Größe des Campingplatzes mussten wir uns eigenständig auf die Suche nach unserem zugewiesenen Stellplatz machen. Im Gegensatz zu manch italienischen Plätzen gab es hier leider keinen Platzwart, der uns den Weg wies. Das führte gleich einmal zu Verwirrungen und eine gute Viertelstunde verzweifeltes Suchen. Erst die Nachfrage bei einem Obsthändler brachte Klarheit.

Als wir endlich an unserem Stellplatz Nr. 187 / Zone A ankamen, traf uns erst einmal der Schlag. Groß war er ja, keine Frage. 150 m² und direkter Blick aufs Meer, nur durch einen kleinen Weg und die Liegewiese davon getrennt. Dafür aber ragten mitten im Platz mehrere Bäume nach oben. Und wie sollen wir da jetzt rein kommen? Nun haben wir ja nicht den größten Camper. Mit einer Länge von 6,60 m und einer Breite von 2,14 m gehört er zu den Vans. Anton war sichtlich angefressen. Kein Wunder. Nach 8 Stunden Fahrt wollten wir jetzt endlich mal ankommen. Stattdessen mussten wir Millimeter-Arbeit leisten, um uns irgendwie da rein zu pfriemeln. Ein Tausch war nicht möglich, da in dieser Kategorie alles ausgebucht war. Und abgesehen davon: Die anderen Plätze sahen auch nicht besser aus.

Und tadaaa … irgendwann hatten wir es endlich geschafft. Wir standen zwischen all den Bäumen. Ob wir jemals wieder rauskommen, war eine andere Frage. Doch die mussten wir uns zum Glück erst in ein paar Tagen stellen.

Auch unsere Nachbarn staunten nicht schlecht. Tatsächlich haben sie und auch wir im Verlauf unseres Aufenthalts mehr als einmal mitbekommen, dass Gäste wieder abfuhren, eben weil sie nicht in den zugewiesenen Platz einparken konnten. Schlechte Organisation des Campingplatzes, zumal man bei Buchung auch die Länge des Autos angibt.

Und so gab es auch schon die nächste Erkenntnis: Möchte man am Platz auf Tetris spielen verzichten, am besten vorab das Camp anschreiben und um einen Stellplatz bitten, der mehr Freiheit bietet. Ich zumindest werde das künftig bei südländischen Plätzen so handhaben.

Um kurz nach 17 Uhr war schließlich alles aufgebaut, was wir für die nächsten Tage benötigten und wir endlich im Urlaubsmodus angekommen. Mit den Hunden drehten wir eine erste Erkundungsrunde über den Platz und waren auf Anhieb begeistert. Neben dem türkisfarbenen Meer und dem direkten Zugang dazu gab es gemütliche Bars und Restaurants, kleine Sitzecken oer Schaukeln und traumhafte Landschaften. Und Benita hatte mit Nachbarshund Otis bereits einen neuen Freund gefunden. Was will man mehr?

Der Sonnenuntergang gegen 19.30 Uhr brachte uns dann vollends ins Schwärmen. Nicht nur, dass wir ihn von unserem Platz aus betrachten konnten – er war einfach wunderschön anzusehen. Ein Nachbar hatte mir schon erzählt: Die schönsten Sonnenuntergänge findest du in Kroatien. Da hatte er nichtso ganz unrecht. Ich hatte schon viele tolle Sonnenuntergänge erlebt – aber der hier toppte wirklich alles. Diese Farben – diese Stille – dieses Meer! Ein Traum!!

Den restlichen Abend verbrachten wir bis spät in die Nacht vor unserem Camper und freuten uns auf die nächsten Tage.

Tag 2: Ausflug nach Rovinj

Was für ein Morgen! Es ist ja nicht so, dass wir nicht täglich mehrmals den Wetterbericht checken würden. So auch gestern Abend. Zwar waren weit entfernt Gewitter zu sehen. Doch die Wetter-App beharrte darauf: Bei Euch bleibt es trocken. Demzufolge gingen wir auch ohne Bedenken zu Bett.

Gegen 5 Uhr morgens weckte uns schließlich ein Gewitter direkt über uns. Hm. Blöd. Noch blöder, als wir schließlich unsere Markise im Wind flattern sahen. Der Wind wurde binnen Sekunden immer stärker. Was tun? Wir in Schlafklamotten nach draußen. Während ich die Markise festhielt, fuhr Anton sie gerade noch rechtzeit ein – wir waren beide von oben bis unten klatschnass! Na da hatten wir aber nochmal Glück gehabt. Eine abgerissene Markise braucht nun niemand.

Neuer Tag, neue Erkenntnis: Vertraue niemals einem Wetterbericht. Am besten vor dem Schlafen gehen die Markise einfahren, um mögliche Schäden zu vermeiden. Ist nervig, spart aber unterm Strich viel Geld und Ärger.

Noch ein paar Stunden geschlafen, wurden wir gegen 8 Uhr von Sonne und blauem Himmel geweckt. Das schlechte Wetter hatte sich verzogen. Draußen frühstücken war trotzdem nicht drin, unsere Stühle waren von Wasser vollgesogen. Aber egal.

Während sie in der Sonne trockneten, machten Anton und ich uns mit den Hunden auf eine ausgiebige Gassi-Runde. Nicht nur wir lieben es, über den Campingplatz zu schnurcken, auch die Hunde sind immer hellauf begeistert. Klar – bei so vielen Gerüchen.

Im Verlauf unseres Rundgangs kamen wir mit dem ein oder anderen Urlauber ins Gespräch. Hier waren die Leute schon gleich wieder viel offener und freundlicher als auf den letzten Plätzen im Norden Deutschlands.

Gegen 13 Uhr verabschiedete ich mich von meinen Lieben, schnappte mir das Rad (noch kurz vorm Urlaub hatten Anton und ich uns ein gemeinsames Mountainbike gekauft) und machte mich auf den Weg nach Rovinj.

Knappe 14 Kilometer trennten uns von dieser Stadt. Da ich sie nur noch vage in Erinnerung hatte, wollte ich natürlich unbedingt dorthin. Kein Problem – oder doch?

Einen Radweg spuckte Google Maps schon mal nicht aus. Tatsächlich sah es mit Radwegen hier ganz schön mau aus. Nun hatte ich zwei Möglichkeiten: Entweder, ich nehme die Hauptstraße mit rund 20 km oder ich wähle den Fußweg. Den zeigte mir Maps sogar entlang der Küste an. Na, wo Fußgänger gehen, kann man doch sicher auch mit dem Rad fahren? Dachte ich – und düste los.

Was habe ich mir dabei bloß gedacht? Ja, zum Radfahren waren sie grundsätzlich auch vorgesehen, das bewiesen zahlreiche Schilder mit entsprechenden Radrouten. Doch dass die Wege z. T. mit großen Steinbrocken gespickt waren und ein ‚Fahren‘ kaum möglich – daran hatte ich nicht gedacht. Vom Regen heute Nacht waren manche Wege sogar stellenweise unter Wasser bzw. mit großen Pfützen versehen. Hui – das macht Spaß, da durch zu rauschen.

Landschaftlich war es auf jeden Fall reizvoll. Immer wieder durchstreifte ich ganze Olivenhaine, traf keine Menschenseele, hörte stattdessen hier und dort mal ein Hundegebell aus verlassen geglaubten Hütten. Mit Wegweisern hatte man allerdings krätig gespart, so dass ich immer wieder Maps befragten musste, wo es denn jetzt eigentlich entlang ging – und mich prompt verfahren hatte. Als dann ein Weg immer schwieriger zu befahren war und ich selbst mit Schieben so meine Probleme hatte, drehte ich wieder um und probierte dann eben den nächsten.

Nicht nur einmal war ich kurz davor, mein Vorhaben sein zu lassen und wieder zurück zum Platz zu radeln. Aber nein, ich wollte nach Rovinj. Egal wie. Das wird doch nicht so schwer sein? Und tatsächlich. Nach mehr als eineinhalb Stunden Fahrt erreichte ich endlich den Stadtrand und war heilfroh, das Rad abstellen und erst einmal wieder per pedes unterwegs sein zu können.

Das malerische Rovinj liegt an der Westküste von Istrien und zählt zu den beliebtesten Destinationen in Kroatien. Zahlreiche verwinkelte Gassen zeugten von der venezianischen Epoche der Stadt. Der italienische Charme ist an allen Ecken zu spüren. Zahlreiche Bars und Restaurants laden zum Verweilen ein. Kleine Boutiquen schmiegen sich aneinander. In dieser doch recht kleinen Stadt kann man sich eine ganze Weile aufhalten, da jeder Weg, jede Abzweigung wieder neue Perspektiven zeigt.

Ich liebe Städte mit verwinkelten Gassen. Je kleiner und enger sie sind, desto besser. Einen Plan hatte ich nicht, ich lief einfach drauf los und ließ mich treiben. Schaute in die ein oder andere Gasse hinein, bestaunte die vielen bunten Häuserfassaden und erfreute mich an zahlreichen Fotomotiven.

Vorbei am Denkmal Gefallener Soldaten erreicht man die Seaside-Promenade und genießt von hier aus einen schönen Blick auf die Kirche Hl. Euphemia, die etwas erhöht auf einem Hügel steht, sowie die bunt aneinander gepressten Häuser. Etwas weiter draußen entdeckte ich sogar einen Dreimaster, der sich wohl schon wieder von Rovinj verabschiedete.

An diesem Hafen starten zahlreiche Bootausflüge, es gibt auch Restaurants und Parkplätze. Generell gibt es hier ein reges Treiben.

Nur 100 Meter vom Tito-Platz entfernt befindet sich der Markt von Rovinj. Vom lokal angebauten, frischen Obst über Gemüse, Pilze, typisch istrische Erzeugnisse, Liköre und auch frischen Fisch findet man hier alles. Der Fischmarkt war jetzt am Nachmittag natürlich bereits leergefegt. Hierfür müsste man schon früh morgens vor Ort sein. Dafür aber gab es Olivenöl, Schnäpse, Aufstriche etc. in Hülle und Fülle. Anfangs war ich regelrecht erschlagen von so vielen Waren!

Ich schlenderte gemütlich über den Markt, verzichtete jedoch schweren Herzens auf einen Einkauf. Mich lachte hier nahezu alles an. Doch mit Olivenöl etc. kenne ich mich nicht so gut aus. Dafür ist eindeutig Anton der Ansprechpartner, doch der war ja nicht mit dabei. Da die Preise hier nicht ohne sind und eine Flasche Olivenöl dann gleich auch gerne mal über 20 € kostet, wollte ich nicht auf gut Glück etwas kaufen, was man dann vielleicht nicht mag.

Weiter ging es nun über die verschiedensten Gassen in Richtung Kirche Hl. Euphemia. Die hübsch dekorierten Fenster und -bänke wie auch gemütliche Sitzecken mittendrin auf den Stufen boten dabei ein ganz besonders schönes Bild.

Auf dem heutigen Platz der Hl. Euphemia stand ursprünglich die Kapelle des Hl. Georg, die den Bewohnern Rovinjs jedoch mit der Zeit zu klein wurde. Also wurde 1651 der Grundstein für eine größere Kirche gelegt. Vorbild war dabei der Markusturm von Venedig. Daher auch die Ähnlichkeit. Ich warf einen Blick in das Kircheninnere und spazierte im Anschluss draußen einmal um die Kirche herum.

Von diesem Hügel aus hat man einen fantastischen Ausblick über Rovinj und das Meer. Ein groß angelegter Platz. Ein Ort zum Verweilen.

200 enge und wohl auch bereits ziemlich abgelaufene Stufen führen in den rund 62 m hohen Turm der Kirche hinauf. Normalerweise bin ich immer die Erste, wenn es darum geht, Aussichtsplattformen zu besteigen. Heute aber war ich vom Radfahren so dermaßen geschafft, dass ich keine Kraft mehr dafür hatte. Und das soll was heißen. Schade, denn die Aussicht von dort oben soll atemberaubend sein. Aber: Wir waren sicherlich nicht das letzte Mal hier. Nächstes Mal ist er dran. 🙂

Von hier aus streifte ich nun kreuz und quer durch die Straßen und freute mich riesig, hier zu sein. Da hätte ich echt einiges verpasst, wäre ich wieder umgedreht.

Über die Plaza Balota erreichte ich einen der Stadtstrände, an dem sich einige Bewohner Rovinjs wie auch Touristen aufhielten. Wobei Strand hier wirklich zu viel gesagt ist. Es sind Felsen, auf denen es sich die Leute bequem machten und ins Meer sprangen.

Vorbei an Bars und hübschen Aussichtspunkten erreichte ich den Veliki Mol, den Steg, der ins Meer führt und von dessen Spitze aus man einen herrlichen Blick zurück auf Rovinj genießt. Von hier aus sieht man die unterschiedlichen Häuschen in bunten Farben und im Yachthafen steht ein Boot neben dem anderen. Dieser ist übrigens ziemlich groß. Von hier blickt man bis Obala Alda Rismonda, einer Promenade am Luka Rovinj.

Gemütlich die Promenade entlang spaziert und dabei immer wieder Fotos geschossen, wurde ich plötzlich von einer Möwe verfolgt. Ziemlich fotogen stellte sie sich direkt vor mir hin. Das musste natürlich genutzt werden. Die Enttäuschung war sichtlich groß, als sie im Anschluss nichts Essbares von mir erhielt.

Über den Maršala-Tita-Platz spazierte ich weiter zur Obala Alda Rismonda, drehte anschließend wieder um und den Platz Pignaton entlang.

Aufgefallen ist mir hier in Rovinj das glänzende Kopfsteinpflaster, das mich sofort an Dubrovnik erinnerte. Wie frisch geschrubbt.

Ja, Rovinj gefiel mir sehr. Natürlich hätte ich noch Stunden hier verweilen können. Allein die vielen Boutiquen luden zu einem Einkauf ein. Ein kühles Getränk in einer der Bars. Oder einfach nur mal eine halbe Stunde am Hafen sitzen, den Möwen und den Bootsbesitzern zusehen. Doch ich wusste ja, dass mir noch ein langer Rückweg bevorstand und so brach ich nach rund zwei Stunden Stadtrundgang langsam wieder auf.

‚Der Rückweg ist sicher ganz easy, jetzt kenne ich ja den Weg.‘ So blauäugig wie dieses Mal war ich auf noch keiner meiner Reisen. Die ersten drei Kilometer verliefen tatsächlich sehr angenehm. Entlang der Hauptstraße konnte man ja nichts falsch machen. Doch dann bog ich wieder ab auf die Route quer durch den Wald … und verfuhr mich mal wieder. Aber ich hatte doch gerade auf Maps geschaut? Mein Handy fing zu spinnen an … drehte sich im Kreis. Verlass mich jetzt ja nicht!

Auch die Rückfahrt dauerte gute eineinhalb Stunden und führte erneut über Stock und Stein. Ich nahm andere Abzweigungen, erreichte wieder den Weg, den ich auf der Hinfahrt irgendwann umgedreht war, weil kaum befahrbar. Ich schob das Rad, kam an einem kleinen Grundstück vorbei und ein Hund bellte sichtlich aggressiv. Nichts wie weg hier!

Immer wieder erreichte ich Abzweigungen, die ich normalerweise nicht im Ansatz als Radweg in Erwägung ziehen würde. Durch Dickicht hindurch, gerade mal so viel Platz, dass man als eine Person hindurch kam, führte mich Maps aber genau in diese Richtung. Ich war ehrlich gesagt langsam den Tränen nah. Damit Anton sich keine Sorgen machte, schickte ich ihm eine kurze Info: Bin noch unterwegs. Eine Zeitangabe konnte ich nicht machen, denn ehrlich gesagt: Keine Ahnung, wie lange ich noch brauchen würde.

Doch irgendwann war ich endlich wieder auf der Straße zum Campingplatz angekommen. Jetzt noch einmal den Berg hinauf und dann wieder hinunter – angekommen!

Ganz ehrlich? Warum waren wir nur so dumm und haben uns ein normales – NORMALES!! – Rad gekauft? Ein sog. Bio-Bike, wie mein Kollege zu sagen pflegte? Warum haben wir uns nicht für ein E-Bike entschieden? Der Verkäufer hätte uns doch auch sagen können, dass die Wege in Kroatien so sind wie sie sind – vor allem auch ’sehr‘ hügelig. Ungeübte Radfahrer haben damit doch wirklich keine Freude. 😉

Erst einmal den halben Getränkebestand leer getrunken und ein wenig ausgeruht, ging es eine gute halbe Stunde später mit meinen Lieben wieder auf einen ausgiebigen Gassi-Rundgang. Am liebsten bin ich eben doch zu Fuß unterwegs. Das dann auch gerne über Stunden.

Die Hunde hatten ihren Spaß am Meer und so machten wir es uns auf einer Bank bequem und ließen sie einfach mal eine Weile grasen. Ist ohnehin ihre Lieblingsbeschäftigung. Weiter ging es schließlich zum Paleo Park, dem Dino-Schwimmbad unseres Campingplatzes, das allerdings auch von Auswärtigen besucht werden kann.

Die zahlreichen im Park aufgestellten Dinosaurier begeisterten mich. Ganz schön furchteinflößend und beeindruckend. Dass sie hier standen, hatte aber auch einen besonderen Grund. In Bale, genauer gesagt im Bereich Colona des Campingplatzes, fand man tasächlich vor vielen, vielen Jahren Skelette einiger Dionsaurier im Meer, die deren Existenz hier in der Gegend somit bestätigten.

Über den Bereich der Mobile-Homes, die es hier am Campingplatz in zahlreichen verschiedenen Kategorien gibt, spazierten wir wieder zurück zum Platz und genossen erneut den Sonnenuntergang über Istrien. Heute war keine einzige Wolke am Himmel, so dass er noch einmal viel intensiver wirkte.

Nachdem sich die Sonne verabschiedet hatte, grillten wir unseren Wolfsbarsch und die Garnelen, die Anton heute Morgen beim Fischhändler geholt hatte. Nur wenige hundert Meter von unserem Stellplatz entfernt gab es einen kleinen Super- und Gemüse-/Obst-Markt, dazu einen Souvenirladen sowie eine kleine Bäckerei. Zusätzlich konnte man am Vormittag zwischen 09.30 und 11 Uhr frischen Fisch erstehen. Diesen bot ein mobiler Händler in kleinen Mengen ab Kofferraum an. Erst nach Kauf spazierte er mit dem Fisch zum Meer und putzte ihn – sehr zur Freude der Möwen, die sich natürlich über ‚den Abfall‘ her machten.

Passenderweise hatten wir erst gestern Urlauber kennengelernt, die sich mit Fisch sehr gut auskannten und selbst dort einkauften. Sie wussten ganz genau, wie alt der dargebotene Fisch wirklich war und worauf man achten musste. Sehr interessant. Tagfrisch war er nämlich tatsächlich (leider) nicht. Was aber sicherlich auch dem geschuldet war, dass einfach zu wenige Urlauber bei ihm einkauften. An Fisch trauen sich eben doch nicht so viele heran bzw. in der Hauptsaison sieht es bestimmt auch ein wenig anders aus.

Aber: Es war ein fantastisches Essen. Sehr lecker, wenn auch tatsächlich fast ein bisschen zu wenig. Und von Garnelen kann ich sowieso nicht genug bekommen.

Auch heute ließen wir den Tag wieder ganz gemütlich vorm Camper ausklingen, drehten nochmals eine kleine Nacht-Gassi-Runde mit den Mäusen und gingen zufrieden zu Bett.

Tag 3: Unterwegs auf dem Campingplatz – Erkundungen

Nach einer ruhigen Nacht ohne Gewitter machte ich mich gegen 9.30 Uhr auf den Weg zum Bäcker. Noch war nicht viel los. Die Möwen tummelten sich auf den Felsen im Meer und genossen ebenfalls noch die morgendliche Stille, bevor die Badegäste auftauchten.

Unter den warmen Sonnenstrahlen gefrühstückt, drehten wir mit den Hunden erneut eine ausgiebige Runde über den Platz und besuchten dieses Mal auch den Hundestrand in San Polo. Hier war einiges los. Trotz des eher harten Kiesstrandes und den Felsformationen hatten die Vierbeiner ihre wahre Freude. Unsere sahen sich das alles lieber aus sicherer Entfernung an. Mia ist anderen Hunden gegenüber sehr distanziert und auch Benita wird im Alter immer wählerischer, was ihre Spielfreunde anbelangt.

Die Mittagszeit genossen wir am Platz. Die Hundis auf ihrer Decke, wir mit Buch und einfach nur erholen. Auch das tat mal sehr gut.

Für den heutigen Tag stand auch für mich kein großer Ausflug an. Die Radtour von gestern steckte mir noch in den Knochen und so wollte ich mir heute nur in aller Ruhe unseren Campingplatz Mon Perin ansehen. Schließlich war das eine richtig große Anlage und ich war neugierig, was er noch so alles zu bieten hatte.

Eine kleine Bimmelbahn verbindet die beiden Bereiche San Polo und Colona. Ich verzichtete allerdings darauf und machte mich zu Fuß auf den Weg.

Über den Bereich der Mobilheime, die ich mir heute mal genauer ansah und die es in gleich sieben verschiedenen Kategorien gibt, spazierte ich weiter zum Paleo Park. Bisher hatte ich ihn nur von außen gesehen, denn mit den Hunden darf man natürlich nicht ins Schwimmbad. Heute aber sah ich mich dort mal genauer um. Mit einem Chip-Armband (wird pro gebuchter Einheit an der Rezeption ausgegeben) hat man freien Zutritt.

Der Wasservergnügungspark ist wunderbar angelegt. Zwar gibt es weder Rutschen noch sonstige außergewöhnliche Spielstätten. Dafür aber ein schön gestaltetes Schwimmbecken, das sowohl für Kleinkinder als auch für Erwachsene geeignet ist. Drum herum findet man ausreichend Liegeplätze. Sowohl auf festem Untergrund als auch in der Wiese. In zwei größeren, kugelförmigen, Gebäuden stehen u. a. Billardtische und weitere Utensilien für mögliche Animation.

Besonders gut gefallen hat mir allerdings der Rundgang zu den einzelnen Dinosauriern. An verschiedenen Stellen sind diese lebensgroß dargestellt, Tafeln informieren über deren einstigen Lebensräume und Eigenheiten. Abgerundet wird diese Anlage von einem modernen und sehr einladenden Restaurant sowie einem kleinen Merchandising-Kiosk.

Auch hier rund um den Paleo Park findet man sowohl Mobilheime als auch Stellplätze. Die Mobilheime gibt es zum Teil sogar mit einem Yacuzzi. Welch ein Luxus.

Eine kleine asphaltierte Straße führt von hier aus direkt zum nur wenige hundert Meter entfernten Fresh Market & Farm. Darauf ist der Campingplatz ganz besonders stolz. Auf einer 3 Hektar großen Fläche werden hier Obst und Gemüse angebaut und können von den Urlaubsgästen tatsächlich auch selbst und frisch gepflückt werden. Nachhaltig und regional. Ein kleines Erlebnis für alle Gäste des Mon Perin. Leider wurde dieser Service jedoch etwa zwei Wochen vor unserer Anreise eingestellt. Aufgrund der lang anhaltenden Dürre und der vom Staat verordneten Beschränkung des Trinkwasserverbrauchs konnte es nicht auf gewohntem Niveau weitergeführt werden. Mich wunderte es, denn natürlich stattete ich der Anlage einen kleinen Besuch ab und fand hier eine Menge an Salat, Tomaten sowie Kräutern.

Seit Sommer 2022 gibt es neben dem Fresh Market auch einen kleinen Bauernhof mit zahlreichen Tieren. Während meines Besuchs entdeckte ich lediglich einen Esel. Ich glaube, alle anderen Tiere wurden aufgrund der Dürre anderweitig versorgt.

Ca. einen Kilometer weiter erreichte ich schließlich den Bereich Colona. Dieser Teil des Campingplatzes wirkte auf mich eindeutig ruhiger und verlassener als San Polo. Ich schlenderte den Hauptweg entlang und sah mich an den Stellplätzen etwas näher um, die hier etwas kleiner zu sein scheinen. Dennoch gibt es auch hier welche direkt in erster Reihe zum Meer.

Ansonsten ist hier alles zu finden, was es bei uns auch gab: Der gleiche Supermarkt, Obst- und Gemüse-Stand und die Bäckerei. Etwas weiter hinten eine Bar und ein Restaurant. Musik ertönte aus dem Lautsprecher an der Bar mit Blick aufs Meer. Sehr heimelig.

Anders als in San Polo gibt es hier eine Vielzahl an Booten und auch der Strand ist deutlich größer. Viel war nicht los. Nur vereinzelt traf man auf ein paar Badegäste. Auch der Hundestrand ist etwas großzügiger gestaltet. Genau hier wurden einst Skelette von Dinosauriern gefunden; ein Schild verweist auf diese Tatsache. Im Hintergrund konnte man die Burgruine Fort Forno erkennen, die ich allerdings nicht besuchte. Sie glich auf den Fotos eher einem Bunker, was mich so gar nicht interessierte.

Am anderen Ende der Anlage findet man noch ganz besondere Mobilheime. Beachside Villas mit eigenem Swimmingpool. Glamping vom Feinsten also. Und ein wahres Paradies, wenn auch mit über 400 € pro Nacht nicht besonders günstig.

Knapp zwei Stunden war ich mit meinem Rundgang über Mon Perin beschäftigt und konnte dabei viele schöne Eindrücke gewinnen. Die gesamte Anlage ist wunderschön gestaltet, bietet für Alt und Jung und für jeden Urlaubsgusto etwas. Zahlreiche versteckte Ecken, einladende Restaurants, fantastische Ausblicke. Definitiv ein Ort zum Erholen, Entspannen und Wohlfühlen. Eine klare Urlaubsempfehlung von meiner Seite!

Wieder zurück am Camper gab es jetzt erst einmal Kaffee & Croissant, anschließend wollten aber auch die Hunde mal wieder ihre Beinchen vertreten. Auch jetzt entdeckten wir wieder völlig neue Ecken des Platzes, testeten eine der zahlreichen Hundeduschen und statteten den Glamping-Zelten einen Besuch ab, die Mia besonders toll fand. Wann immer wir in deren Nähe kamen, zog sie direkt dorthin. Ein Wink mit dem Zaunpfahl, dass wir nächstes Mal doch bitte in so etwas Urlaub machen sollen??

Der Sonnenuntergang heute toppte noch einmal alles. Dass er aber auch jeden Tag anders war?! Heute wurde die Landschaft in ganz besonders tolle Farben gehüllt. Es wirkte schon fast unwirklich. Ein absoluter Whow-Moment!

Zum Abendessen entschieden wir uns heute für gegrilltes Hühnchen und Salat und saßen anschließend noch bei gutem Wein gemütlich beisammen. Mit unseren Solar-Lämpchen eine richtig schöne Stimmung.

Tag 4: Ausflug nach Bale

Nach dem wieder einmal sehr reichlichen Frühstück machten wir uns mit den Hunden auf einen ausgiebigen Vormittags-Spaziergang. Nachdem ich gestern von meinem Rundgang über den Bereich Colona berichtet hatte, wollte sich das Anton heute auch einmal näher ansehen und so ging es über den Paleo Park und den Fresh Market direkt dorthin. Die Sonne brannte vom Himmel, für die Hunde war es schon fast wieder zu heiß.

Dort hielten wir uns eine Weile auf, besuchten den Hundestrand, kühlten die Pfoten ein wenig ab und drehten anschließend wieder um.

Während sich meine drei Lieben anschließend für ein Nachmittagsschläfen hinlegten, schnappte ich mir mal wieder mein Rad und brach auf in Richtung Bale. Der Ort liegt nur etwa 6 km vom Campingplatz entfernt; die Strecke hatte es aber für Bio-Radler mal wieder in sich.

Zwar führte die gesamte Strecke entlang der wenig befahrenen und asphaltierten Hauptstraße. Dafür aber mit stetiger und nicht gerade geringer Steigung. Das bei praller Sonne. Tatsächlich legte ich immer mal wieder eine kleine Verschnaufpause ein und entdeckte dabei eine junge Tschechin, der es genauso ging wie mir. Auch sie fuhr immer nur rund einen Kilometer, stieg wieder ab, legte eine Pause ein. Immer wieder überholten und grüßten wir uns. Kurz vor Bale fuhr sie schließlich an mir vorbei mit den Worten: We did it! This is the end! – Ich musste herzlich lachen; wir gehören wohl beide nicht zu den Sportlichsten.

Eine dreiviertel Stunde später erreichte ich endlich den Ortseingang von Bale, gab noch einmal alles den letzten Berg hoch und stellte das Rad vor der Altstadt ab.

Bale gehört zu den schönsten istrianischen Schmuckstücken Kroatiens und ist vielen Künstlern eine Inspiration. Die historische, steinerne Stadt steht auf einem Hügel, umrundet von zahlreichen Olivenhainen und Weingärten. Das Kastell der Familie Bembo aus dem 15. Jahrhundert wird von vielen engen und gepflasterten Straßen umkreist und führt die Besucher innerhalb Sekunden zurück ins Mittelalter.

Viel war nicht los. Gerade mal eine Handvoll Besucher lief durch das Dörfchen. Perfekt. So mag ich das. Vorbei an dem ein oder anderen Aussichtspunkt durchstreifte ich die engen Gassen, die mal wieder fantastische Fotomotive boten. Ich liebe fotogene Haustüren und Fenster; und diese gab es hier en masse. Teilweise von Blumen überwuchert und von Weinflaschen flankiert.

Schon nach wenigen Minuten erreichte ich die Festung Kastel Soardo-Bembo. Sie wurde zwischen zwei Türmen erbaut und zeugt vom Stil der Gotik und Renaissance. Heute ist sie eine der wichtigsten Gedenkstädten Kroatiens und wurde 2012 komplett renoviert.

Am gegenüberliegenden Rathaus hat man wohl ein großes Herz für Tiere. Zumindest wurde hier ein kleines, etwas erhöhtes Häuschen mit Kissen und ‚Treppe‘ für die Hauskatze errichtet. Scheinbar die eigentliche Bürgermeisterin, denn sofort war sie zur Stelle und kontrollierte ganz genau, wer sich hier aufhielt und bettelte um Streicheleinheiten.

Richtig hübsch fand ich die vielen Schmetterlinge, die über eine kleine Straße gespannt im Wind flatterten, aber auch die vielen kleinen Deko-Details wie die Weinfässer und alle paar Meter aufgestellte kleine Tische und Stühle. Hier hatte man das Auge fürs Detail und irgendwie wirkte Bale eher wie ein kleines Freilichtmuseum auf mich. Ebenfalls aufgefallen waren mir die zahlreichen Appartements, Ferienwohungen und Hotels sowie Pensionen. Fast jedes dritte Haus hatte ein entsprechendes Schild an der Fassade. In diesem Künstler- und Jazz-Städtchen scheint man vorzugsweise von Tourismus zu leben. Erstaunlich, dass sich hier so viele Urlauber niederlassen, Kilometer vom Meer entfernt und in einem doch eher sehr überschaubaren Dorf.

Kreuz und quer verschlug es mich durch die eng verwobenen Gassen, immer wieder stieß ich auf kleine und größere Kirchen und Kapellen. In der Kirche der Heiligen Jungfrau Maria in Bale befindet sich das Lapidarium, die Krypta, mit steinernen Skulpturen und Fragmenten von Plastiken und liturgischen Möbeln aus dem Zeitraum der Antike.

Gleich dahinter entdeckte ich einen kleinen Pavillon mit Olivenölen, Aufstrichen, Wein und Likören. Sofort sprang die Verkäuferin von ihrer Damenrunde auf, die es sich wenige Meter entfernt im Schatten mit Gesprächen bequem gemacht hatte. Sie klärte mich über die regionalen Produkte auf und ehe ich mich versah, war ich mitten in einer Wein- und Likörprobe. Da ich ohnehin mit einem Rotwein-Likör geliebäugelt hatte, war es mir ganz recht, ihn erst einmal zu testen. Mmmh, war der gut. Ja, der musste auf jeden Fall mit. Von den Weinen konnte sie mich allerdings nicht überzeugen. Ich hatte ja bereits auf dem Campingplatz einen regionalen istrischen Wein gekauft. Das gehört für mich einfach dazu, Regionales zu testen, wenn sich die Gelegenheit bietet. Doch besonders gut fand ich ihn nicht. Und diese hier waren ganz ähnlich. Auch die Olivenöle durfte ich probieren.

Von der netten Dame verabschiedet, ging es wieder ein paar Gassen weiter. Dort wiederum saß eine sehr alte Dame mit ihren Stickereien im Schatten. Wenige Meter davor ihr Verkaufsstand mit eben diesen und noch weiteren handgefertigen Waren. Sie winkte und grüßte mich freundlich und für mich war das so ein schönes Bild. Traditionelle Handwerkskunst in einem traditionellen Dorf. Und pure Freund- und Fröhlichkeit der Bewohner.

Immer wieder entdeckte ich neue Abzweigungen, stand plötzlich vor einer weiteren Kirche oder Kapelle, traf auf die ein oder andere Katze und war sehr beeindruckt von Bale. Das Dorf ist nicht groß und es bietet auch kaum Restaurants oder Cafés im Altstadtkern. Dennoch macht es Spaß, hier hindurch zu schlendern, die steinernen Häuser auf sich wirken zu lassen und sich ein klein wenig ins Mittelalter zurück zu träumen.

Bevor es nun wieder zurück an die Küste ging, holte ich mir in einem kleinen Kiosk noch etwas zu trinken. Pushen für die Rückfahrt. Doch die war besser als gedacht. Klar, auf dem Hinweg hatte ich mit Bergen zu kämpfen; beim Rückweg musste ich das Rad mehr oder weniger nur laufen lassen und war in weniger als einer halben Stunde zurück. So mag ich Radfahren – warum nicht immer so?!

Noch ein paar Fotos vom Eingangsbereich des Mon Perin gemacht, sah ich mir auch den nur wenige Meter dahinter liegenden Hunde-Agilty-Platz an. Ein eingezäunter Bereich mit allerlei Hürden und Tunnel – zum Spielen und Trainieren. Allerdings war das wohl eher für kleine Hunde gedacht. Die Wippen und Rampen waren schon sehr mini.

Wieder zurück am Platz stand der restliche Nachmittag ganz im Zeichen der Hunde und der Erholung. Wir drehten gemütliche Gassi-Runden, erholten uns vor unserem Camper und ließen die Seele baumeln. Auch mit unseren Nachbarn kam es immer wieder zu netten Gesprächen. Innerhalb weniger Tage hatten wir hier so viele nette Leute kennengelernt, so dass der Abschied morgen sicher etwas schwer fallen würde.

Natürlich durfte auch heute der Sonnenuntergang nicht fehlen. Während Anton das Essen zubereitete – er hatte heute Morgen beim Fischhändler nochmals eine ganze Menge Garnelen geholt – machte ich es mir auf einer Bank am Meer bequem und genoss die herrliche Abendstimmung. Auch heute wirkte alles wieder ganz anders, viel mehr Wolken, andere Farben. Aber nicht minder schön als in den letzten Tagen.

Den restlichen Abend genossen wir bei gutem Wein und Fußball auf dem Tablet. Tatsächlich war es gar nicht so einfach, alle sportlichen Veranstaltungen anzusehen. Zeitlich war es kein Thema, aber aufgrund der vielen Bäume hatten wir keinen TV-Empfang und das Campingplatz eigene W-LAN war so grottenschlecht, dass es ständig abbrach. Also musste der eigene Hot-Spot genutzt werden. Ärgerlich, aber nicht anders machbar. Da wir nahezu an jedem bisher besuchten Campingplatz ähnliches erlebten, stand für uns somit nun fest: Wir holen uns einen eigenen Router fürs Wohnmobil. Schließlich muss man auch das ein oder andere Mal arbeiten und selbst das ist mit dem angebotenen W-LAN selten möglich.

Tag 5: Weiter geht’s nach Lanterna ins Lanterna Camping Premium Resort

Nach einem kurzen Frühstück ging es heute Morgen wieder ans Einpacken aller Utensilien. Bis 12 Uhr durften wir auf dem Stellplatz bleiben – diese Zeit wollten wir auch größtmöglich nutzen, da der Weg bis zum nächsten Camp nicht weit war und wir dort erst ab 13 Uhr einchecken konnten.

Alles soweit verstaut, drehten wir eine letzte Runde über Mon Perin und ein bisschen traurig war ich schon, dass die Tage hier nun so schnell vergangen waren. Der Stellplatz hatte uns trotz anfänglicher Schwierigkeiten richtig gut gefallen. Erste Reihe und trotzdem für sich. Wir fühlten uns richtig wohl.

Mit unseren Bekanntschaften ein letztes Schwätzchen gehalten und von ihnen verabschiedet, ging es nun ans Ausparken unseres Campers. Anton hatte sich schon Tage zuvor Gedanken gemacht. Ich war etwas nervös, doch letzten Endes kamen wir deutlich besser raus als rein. Auch wenn wir dafür die Einbahnstraße falsch fahren mussten. Aber anders ging es einfach nicht. Und wir waren ja auch nicht die einzigen. Solange niemand gestört wird, ist doch sowieso alles gut. Am Campingplatz ist alles entspannter.

An der Rezeption angekommen, checkte Anton uns aus, wir ließen noch unser Grauwasser ab und dann ging es auch schon weiter in Richtung Poreč. Das Tanken mit knapp 1,74 €/Liter an der Tankstelle um die Ecke war ein wahres Vergnügen, im Gegensatz zu den aktuellen Diesel-Preisen in der Heimat.

Knapp eineinhalb Stunden Fahrt lagen nun vor uns. Über huckelige Straßen und durch traumhafte Landschaften hindurch. Besonders beeinruckend war dabei der Blick auf den Limski-Kanal. Der rund 11 Kilomter lange Kanal verläuft zwischen Rovinj und Vrsar und gehört zum Naturschutzgebiet rund um die Limbucht. Aufgrund des hohen Sauerstoffgehalts und des sehr geringen Salzgehaltes findet man hier viele Fisch- und Muschelzuchtbetriebe.

Die Straßenverhältnisse hier in der Region sind allerdings sehr gewöhnungsbedürftig. Tatsächlich sind die Straßen in Slowenien deutlich besser als hier in Kroatien. Viele Schlaglöcher, schlechte Bankette. Sorry an die hinter uns hängenden Motorradfahrer. Aber schnell fahren ist nicht. Generell scheint hier die Zeit stehen geblieben zu sein. Absolute Einsamkeit, weit und breit nichts zu sehen.

Einmal an Poreč vorbei, fanden wir uns in der Zivilisation wieder. Entlang des Gewerbegebiets erreichten wir Tar & Vabriga und bogen ab zu unserem nächsten Campingplatz, den Lanterna Premium Camping Resort.

Auf diesen Platz war ich schon ganz besonders gespannt. Zugehörig zur Valamar-Group sollte es sich hier um einen Platz der Spitzenklasse handeln. Valamar = Hervorragend. Auch die Idee mit dem eigenen Happy Dog Village fand ich einfach spannend. Hier sollten wir die nächsten vier Nächte verbringen.

Der Eingangsbereich des Resorts versprach schon mal einiges. Den Camper auf einem großen Parkplatz vor der Schranke abgestellt, machte sich Anton auf den Weg zum Check-In. Kurze Zeit später kam er wieder – im Gepäck zwei Leckerlie-Tüten für Benita und Mia. Ein Willkommensgruß des Campingplatzes. Ach wie schön – über so etwas freuen wir uns natürlich immer sehr.

Die Dame an der Rezeption hatte Anton den ungefähren Weg zu unserem Stellplatz erklärt. Einen kompletten Platzplan konnte sie uns nicht aushändigen, dafür die Kopie unseres Teil-Bereichs im Happy Dog Village. Alles klar. Und so fuhren wir durch die Schranke, immer geradeaus bis zum nächsten Kreisverkehr. Da war man ja ewig unterwegs!

Nun war ja Mon Perin schon so groß, doch dieser Platz hier zog sich insgesamt über 3 Kilometer die Küste entlang. Ein kleines Sträßchen führte einen Berg hinunter, direkt am Meer entlang. Nein, das kann nicht sein. Da ist ja kaum Platz. Wenn uns da jemand entgegen kommt … nö, wir müssen vorbei gefahren sein. Also wieder ein Stück zurück. Doch unser Platzbereich und die -nummer waren nicht zu finden. Leider konnte mir die Dame in einem der Souvenirläden auch nicht weiterhelfen und so drehten wir eben noch einmal um.

Ein Pärchen mit Hunden kam uns entgegen. Perfekt, die müssten das doch wissen. Tatsächlich zeigten sie uns den richtigen Weg und siehe da … wir müssen das kleine Sträßchen entlang der Küste fahren. Diese Straße wurde später wieder etwas breiter und fast ganz am Ende des Campingplatzes Richtung Novigrad war er. Unser Platz Nr. 149 im K-Bereich Happy Dog Village. Also weiter weg von der Rezeption geht ja wohl nicht, oder? Ganze 2,1 km trennten uns von dieser. Puh, hoffentlich brauchen wir nichts.

Wettertechnisch war es heute zwar trocken, allerdings ziemlich bewölkt, so dass mich der Campingplatz auf den ersten Blick noch nicht so recht überzeugte. Auch der Stellplatz war … naja … anders als erwartet. Zwar hatten wir tatsächlich einen schönen großen Platz direkt am Wasser. Man musste nur einmal den Hügel nach unten klettern und stand mitten in der Adria. Der Ausblick hätte jedoch besser sein können. Zwar blickten wir direkt auf Novigrad, rechts davon allerdings auch auf ein Kieswerk und die Straße nach Novigrad war auch ziemlich präsent. Den Blick hatten wir uns romantischer vorgestellt. Aber gut.

Jetzt erst einmal die Beine vertreten. Die Fahrt war zwar nicht weit, doch unsere Hunde sind immer extrem aufgeregt, wenn wir wieder Neuland betreten und so müssen wir zu allererst immer eine gewisse Grund-Erkundung vornehmen. Schnüffeln, wer hier schon alles unterwegs war und ob es genehm für die Hundis ist.

So hat uns das Happy Dog Village gut gefallen. Tatsächlich ist es ein eigener Themenbereich am Ende des Campingplatzes, der komplett auf Hundehalter ausgerichtet ist. Sowohl auf den Stellplätzen sind diese gern gesehen als auch in den zahlreichen Mobilehomes und Glamping-Zelten verschiedener Kategorien. Manche der Mobilheime sind sogar von einem größeren Zaun umgehen, so dass man die Hunde im Garten durchaus ohne Leine herumlaufen lassen kann. Perfekt! Für uns wäre das mal wieder kein Vorteil, da Benita ohne Probleme über einen 1,60 m Zaun springen kann. Aber die meisten anderen Hunde sind hier definitiv gut aufgehoben und die Halter können sich entspannt auf der Liege zurücklehnen.

Auch einen kleinen Hundeladen gibt es, der jedoch während unseres Besuch kaum geöffnet hatte. Lediglich zwei Stunden am Vormittag. An einem Tag bin ich mit Benita kurz hinein und sofort wieder nach draußen geflüchtet, nachdem der Schäferhund des Ladenbesitzeres höchst aggressiv aus seiner Box keifte. Mir rutschte das Herz aus der Hose. DEN Hund hatte ich in der dunklen Ecke nicht gesehen.

Etwas oberhalb des Ladens gibt es ein Hunde-Hotel mit Zwinger, sofern man seinen Vierbeiner in einem eben solchen übernachten lassen will (käme für uns niemals in Frage). Und auch ein großer Agility-Platz ist hier zu finden, mit allerlei Spielgeräten für die Hunde zum Toben und Trainieren. Selbst Trainerstunden können gebucht werden. Der kleine Hundestrand bietet ausreichend Platz zum Toben und Schwimmen für die Hunde. Eine Hunde-Dusche direkt am ‚Strand‘ ist ebenfalls eine gute Idee.

Alles in allem eine nette Idee mit dem Themenbereich, wenngleich ich mir diesen anhand der Berichte und Fotos im Internet allerdings irgendwie anders vorgestellt hatte. Ich kann gar nicht so genau erklären, was genau ich eigentlich vermisste. Es war ja alles da. Aber trotzdem hatte ich mir – warum auch immer – etwas mehr erwartet. Man fühlte sich hier auch wie am Ende der Welt.

Wir für unseren Teil wurden somit wieder eine Erfahrung reicher: Es muss nicht zwingend ein spezieller Hundebereich sein. Auch weiter vorne – und somit näher am Geschehen – gab es Stellplätze für Hundehalter in erster Reihe zum Meer. Da war man weniger abgeschirmt vom Rest der Welt und der Ausblick war auch ein kleines Stückchen besser.

Wieder zurück am Platz, bauten wir nun als erstes wieder unsere Utensilien auf. Und staunten über die Markisen, die rings herum nicht mehr ‚am‘ Wohnmobil waren, sondern ’neben‘ dem Wohnmobil lagen. Ein Nachbar erzählte uns schließlich, dass in genau der Nacht, in der auch wir unsere Markise gerade noch rechtzeitig eingefahren hatten, der Sturm hier wohl noch deutlich schlimmer war und reihenweise die Markisen abriss oder über mehrere Hundertausend teure Camper geschleudert wurden. Eine absolute Horror-Vorstellung! Und für uns wieder Grund genug, jeden Abend alles ganz brav aufzuräumen.

Nach dem obligaten Kaffee spazierte ich nun ganz gemütlich über den Campingplatz. Anton und die Hunde erholten sich in der Zwischenzeit am Camper.

Inzwischen war auch die Sonne wieder zum Vorschein gekommen und rückte den Platz dann doch wieder in ein recht schönes Licht. So langsam gefiel mir, was ich da sah. Tatsächlich muss ich aber auch zugeben, dass ich anfangs immer ein wenig brauche, um mich irgendwo wohlzufühlen.

Sehr schön fand ich die zahlreichen unterschiedlichen Mobilhomes, wie sie sich unterhalb der Felsen und entlang der Küste aneinander reihen. Auch der kleine Massage-Cube direkt an der Küste im Wasser gefiel mir. Zwar sah einem hier jeder bei der Massage zu, denn alle Seiten waren verglast. Aber trotzdem versprühte es Urlaubsfeeling pur.

Unsere kleine Küstenstraße entlang gelaufen, vorbei am Supermarkt und den Berg hoch, streifte ich den Sportbereich, das Theater, div. Bars und Restaurant und schließlich den zentralen Bereich mit div. Geschäften, einem größeren Supermarkt sowie Gemüse- und Fischmarkt und vieles mehr. Tatsächlich befanden wir uns ja schon in der Nachsaison, so dass leider einige Geschäfte nicht oder nur noch wenige Stunden am Tag geöffnet hatten. Ab Samstag-Nachmittag und den gesamten Sonntag waren sogar alle komplett geschlossen. Sehr schade. In Urlaubsdestinationen und vor allem in Resorts sollte so etwas auch schon aus Eigeninteresse geöffnet sein.

Diverse Aussichtspunkte eröffneten mir einen herrlichen Blick auf Novigrad und das Meer, aber auch auf weitere Teile des Campingplatzes. Über eine Stunde war ich unterwegs und hatte längst noch nicht alles gesehen. Genauer genommen nur einen winzigen Teil. Puh – ich glaube, das ist der gefühlt größte Platz, den wir jemals besucht haben.

Vorbei an einem der Schwimmbäder und einem der Minigolfplätze, erreichte ich wieder unseren Stellplatz und berichtete nun erst einmal über das von mir Entdeckte.

Zwischenzeitlich zogen sich die Wolken wieder zusammen und obwohl der Sonnenuntergang erst in einer guten Stunde sein sollte, wurde das Meer schon jetzt in tolle Farben gehüllt. Mit dem Segelboot im Vordergrund mal wieder ‚das‘ Motiv schlechthin.

Den restlichen Nachmittag und Abend verbrachten wir mit einem leckeren Essen, gutem Wein und nochmals dem ein oder anderen Gassi-Rundgang.

Tag 6: Ein ruhiger Tag am Platz

Meine ursprünglich geplanten Ausflüge nach Poreč und Novigrad legte ich anhand meiner bisherigen Erfahrungen sowie mit dem Blick auf google Maps schweren Herzens ziemlich schnell ad acta.

Obwohl beide Orte gerade mal 7 bzw. 12 Kilometer von unserem Platz entfernt waren, hätte ich beide Wege mal wieder mangels Radwegen auf den viel befahrenen Hauptstraßen zurücklegen müssen. Dieses Mal gab es ja noch nicht einmal schottrige Fußwege. Dazu zahlreiche Höhenmeter. Mir und vor allem Anton war dabei nicht sonderlich wohl und so verzichtete ich auf den Besuch der beiden Städte.

Das ist eben der Nachteil an einem Wohnmobil: Steht man einmal am Platz, bleibt man (bzw. wir) auch stehen. Natürlich hätten wir wieder alles abbauen und mit dem Camper in die Städte fahren können. Aber so klein ist er dann eben auch wieder nicht und die Parkplatzsituation vor Ort nicht immer die beste. Abgesehen davon ist Mia nach wie vor nicht für Stadtbesichtigungen zu begeistern und daher möchte ich sie auch nicht damit quälen.

So gesehen gab es daher jetzt mal die Gelegenheit, mich zu erholen und nicht ständig ‚on tour‘ zu sein. Schließlich war das auch der Auftrag meines Chefs, auch mal alle Fünfe grade sein zu lassen.

Ja, und so stand der heutige Tag also ganz im Zeichen von ‚in den Tag hinein leben‘. Eine Tatsache, die ich auch mal lernen muss. Wir frühstückten ganz gemütlich am Meer, lasen ein wenig und gingen mit den Hunden spazieren.

So ganz ohne jegliche Bewegung ging es dann aber doch nicht. Ich schnappte mir mein Rad und fuhr weitere Teil des Campingplatzes ab. Dabeit entdeckte ich einen richtig tollen Weg direkt entlang der Küste. Gespickt mit tollen Aussichtspunkten und kleinen Buchten.

Ein Highlight hier ist mit Sicherheit der Val Adria Sandy Family Strand. Mit 200 m ist er einer der seltenen Sandstrände in Istrien und zieht vor allem Familien mit Kindern an. Der aufgeschüttete Strand verläuft flach ins Meer und bietet rund herum ein umfangreiches Serviceangebot. Wie z. B. The Beat Beach Club, das für das leibliche Wohl sorgt oder auch zahlreiche sportliche Aktivitäten.

Einige Meter gefahren, erreichte ich weitere Zonen des Campingplatzes und sah mich auf den zahlreichen Stellplatzmöglichkeiten um. Unglaublich, wie weitläufig hier alles ist. Ich gelangte zur Zone A mit einer Vielzahl von Mobilheimen unterschiedlicher Kategorien. Besonders viel war hier nicht los. Nur jedes fünfte schien besetzt zu sein. Die Stellplätze für Wohnmobile und Caravans waren vollkommen leergefegt. Dieser Bereich hier hat mir auch ehrlich gesagt so gar nicht gefallen. Mitten im Wald, ziemlich dunkel, kleine Stellplätze und auch die nächsten Einkaufsmöglichkeiten sowie das Meer ein ganz schönes Stück entfernt. Nee – da muss ich nicht hin.

Ich war froh, mit dem Rad unterwegs zu sein, da die Wege hier wirklich weit sind. Man kann es sich gar nicht vorstellen, wie es wohl ist, wenn bis auf den letzten Platz alles besetzt ist. Gibt es das überhaupt? Schwer vorstellbar, aber auf jeden Fall nicht besonders wünschenswert in meinen Augen.

Zwischendurch wieder eine Pause am Stellplatz eingelegt, drehten wir mit den Hunden gegen Abend eine Runde durch das Happy Dog Village und darüber hinaus zur Beach Bar Tarska Vala. Ein etwas verloren wirkendes Gebiet, aber mit hübscher Bar und einem echt netten, kleinen Fischerhafen.

Zum Abschluss des Tages wurden wir mal wieder von einem wundervollen Sonnenuntergang belohnt. Ich machte es mir mit den Hunden auf der Decke am Boden bequem und zu Viert genossen wir einfach nur den Ausblick aufs Meer. Selbst die Hunde hatten sich nach anfänglichem Desinteresse plötzlich hingesetzt und einfach nur die Blicke schweifen lassen. Vor allem Benita ist ja so eine kleine Genießerin.

Tag 7: Ausflug nach Tar, Vabriga & Lanterna

Heute Nacht hatte es mal wieder kräftige Gewitter mit Starkregen gegeben und auch Sturmböen mit bis zu 55 km/h waren mit dabei. Benita und ich saßen zugegebenermaßen etwas nervös im Bett. Im Wohnmobil ist man immer mittendrin statt nur dabei. Es ist alles viel lauter und beängstigender.

Nicht besonders zur Beruhigung beigetragen hatten dabei auch die mir zugesandten Links zu Nachrichten über bevorstehende Naturkatastrophen in Kroatien mit Überschwemmungen und Todesgefahr. Tatsächlich gab es wenige Tage zuvor im italienischen Ancona und Umgebung schwere Unwetter. Doch unsere Wetterberichte sagten anderes, auch die restlichen Urlaubsgäste hatten keine Aufbruchstimmung und so hofften wir einfach mal das Beste. Jetzt, in diesem Moment, bei dem Sturm und dem Krach da draußen zweifelte ich daran, uns richtig entschieden zu haben.

Doch irgendwann ging auch dieses Gewitter vorüber und wir fielen wieder in einen tiefen Schlaf. Am Morgen strahlte uns die Sonne entgegen und alles war ruhig. Verrückt.

Das Frühstück genossen wir daher wieder direkt am Meer und planten den heutigen Tag.

Nach dem üblichen Vormittags-Spaziergang mit den Hunden ging es für sie und Anton anschließend in den Erholungsmodus über. Ich dagegen machte mich auf den Weg nach Tar & Vabriga. Ursprünglich als Wanderung gedacht, nahm ich dann doch wieder das Rad. Denn somit konnte ich vielleicht noch eine Schleife nach Lanterna drehen.

Durch das Happy Dog Village hindurch und an der Bar Tarska Vala mit dem ein oder anderen Fotostopp vorbei, quälte ich mich mal wieder einen endlos steilen Berg nach oben. Vorbei an der St. Martins Kapelle erreichte ich nach rund einer halben Stunde das Doppeldörfchen Tar-Vabriga. Zwei Orte, die im Laufe der Jahre zu einem zusammengewachsen waren.

Hier geht es eher beschaulich zu. Mehrere Kirchen sind zu finden, aber auch nette Restaurants und Bars und bunt geschmückte Straßen. Die Region rund um Tar-Vabriga ist eine grüne Hochebene mit sehr fruchtbarem Boden. Allen voran findet man hier Olivenhaine. Das Olivenöl aus dieser Gegend soll angeblich das Beste des Landes sein.

Ich fuhr kreuz und quer durch die Orte, besuchte abgelegene Gassen, aber auch neu gestaltete Wohnviertel mit Villen, die man so in Kroatien ehrlich gesagt gar nicht erwartet. Viele davon werden auch an Urlauber vermietet. Mit eigenem Pool und ausladenden Terrassen durchaus ein hübsches Urlaubsdomizil.

Die Villen hinter mir gelassen, ging es durch einen Olivenhain wieder in Richtung des Campingplatzes. Das hier war mal ein Radweg ganz nach meinem Geschmack. Tolle Landschaften, schön zu fahren. Er hätte gerne länger sein können, aber nach rund 1,5 Kilometern war leider schon wieder Schluss und ich erreichte die Hauptstraße nach Lanterna.

Viel befahren war sie nicht, schließlich führt sie in den Bade- und Urlaubsort Lanterna. Unser Campingplatz lag rechter Seite, kurze Zeit später erreichte ich eine große Schranke, die ins Lanterna-Resort führt. Hier findet man alles rund um Valamar. Valamar-Hotels- und Appartements, aber auch Bars und Restaurants sowie ein großes Pferdezentrum. Die Anlagen sind wunderschön gestaltet.

Allein der riesige Pinienwald hat mich ja total begeistert. Ich liebe Pinien und wie sie da so in die Höhe ragen – kleine Wege ziehen sich durch den Wald, dazwischen kämpfen sich die Sonnenstrahlen hindurch – wunderschön!

Schließlich erreichte ich den Leuchtturm von Lanterna, der jedoch kein typischer ist. Nicht nur, dass es sich dabei eigentlich nur um ein quadratisches Haus mit einer kleinen Leuchte auf Meeresseite handelt. Das Gebäude gehört zur Valamar-Gruppe und kann für die Übernachtung gebucht werden. Ein schöner Platz, um morgens aufzuwachen.

Das Rad abgestellt und ein wenig hier umher geschlendert, fiel mir auch die Robinson Crusoe Bar auf. Fast schon wie in der Karibik. Etwas unterhalb davon findet man einen großen gepflasterten Liegebereich für Badegäste, auch Sonnenschirme aus Bast sind vorhanden. Hübsch angelegt, während meines Besuchs allerdings kaum besucht bzw. waren die meisten Leute eher direkt an und auf den Klippen zu finden.

Das Meer rauschte ganz schön und die Wellen knallten hoch über die Klippen. Richtig schön anzusehen. Zum Schwimmen in meinen Augen aber nicht ganz ungefährlich. Trotzdem waren einige im Wasser. Einer ließ sich sogar auf seinem aufblasbaren Donut über die Wellen schaukeln. Na, wer’s mag.

Vorbei am Restaurant Delfin, das laut Auskunft einer Bekannten sehr empfehlenswert sein soll, ging es für mich nun entlang der Küste und durch den Wald wieder in Richtung der Valamar-Hotels.

Ein bisschen im Valamar Tamaris Resort umgesehen – die Appartements bzw. Ferienwohnungen sahen wirklich toll aus! – ging es nun langsam wieder mit dem Rad zurück zum Campingplatz. Lanterna hatte ich mir tatsächlich etwas anders vorgestellt. Eher wie Bibione oder Lignano. Also mit einer Einkaufsmeile, mehreren Restaurants und Bars. Tatsächlich ist es aber ein reines Feriendorf mit Bademöglichkeiten auch für Auswärtige. Wieder was dazu gelernt.

Zurück am Platz warf ich mich zum ersten Mal auf dieser Reise in meinen Bikini und testete die Adria. Der direkte Zugang von unserem Stellplatz war dafür natürlich hervorragend geeignet. Natürlich wollte ich auch unsere Hunde ein bisschen dazu animieren – aber keine Chance. Mehr als bis zum Bäuchlein war nicht drin; dann zogen sie sich auch schon wieder auf ihre Decke zurück. Was für Langweiliger! Links und rechts neben uns Wasserratten, die mit ihren Bällen im Meer spielten oder sogar mit Herrchen und Frauchen auf dem SUP mitfuhren (oder gefahren wurden).

Den restlichen Nachmittag mit ein bisschen Arbeiten aber auch Lesen verbracht, zog sich das Wetter gen Abend schon wieder etwas zu. Wir drehten unsere übliche Gassi-Runde, besuchten aber auch mal unentdeckte Ecken. Mia zog es mal wieder zu den Glamping-Zelten. Keine Ahnung, was sie mit denen immer hat.

Die Abendstimmung war mit den vielen unterschiedlichen Farben herrlich anzusehen, sogar einen Sonnenuntergang bekamen wir noch. Noch schnell ein Abendessen, dann zog es uns allerdings schon etwas früher als sonst zurück in den Camper. Es wurde frisch. Für morgen war ein Regentag angesagt. Mal sehen, ob es dabei blieb.

Tag 8: Ein verregneter Urlaubstag & Erholung pur

Die heutige Nacht stand wieder ganz im Zeichen von Sturm, Gewitter und Regen. Noch gestern Abend hatte ich Kontakt mit einer Bekannten, die zufälligerweise auch hier am Campingplatz Urlaub machte und von den vielen Nachrichten von Focus & Co. über Sturmfluten, Weltuntergangsstimmung und Todesgefahr genauso verunsichert war wie ich vor ein paar Tagen. Letztendlich beschlossen wir aber – auch, weil alle anderen Nachbarn drum herum keinerlei Anstalten machten, abzureisen – hier zu bleiben und zu hoffen, dass es nicht ganz so schlimm werden würde wie vorher gesagt.

Natürlich hatten wir nicht unbedingt den optimalsten Platz. Nur wenige Meter vom Meer entfernt, frontalte Angriffsfläche für den Wind. Schlimmstenfalls müssten wir kurzfristig aufbrechen. Außer das Fahrrad, hatten wir ohnehin alles in den Camper geräumt. Nasse Stühle & Co. braucht nun niemand.

Schön war die Nacht nicht. Benita und ich hatten wieder unsere nervösen Momente. Die dicken Regentropfen donnerten auf das Dach. An Schlaf war nicht zu denken. Und das heißt was bei mir. Zuhause kann ich selbst beim größten Gewitter selig schlafen; hier war es nicht möglich.

Doch irgendwie hatten wir auch diese Nacht überstanden und am nächsten Tag doch tatsächlich bis kurz nach 11 Uhr geschlafen. Whow! Selbst unsere Hunde waren so todmüde, dass auch sie vorher noch keine Anstalten machten, aufzustehen.

Der Regen hatte sich verfestigt und tatsächlich sollte es heute bis zum späten Nachmittag dabei bleiben. Zwischendurch gab es immer mal wieder kleine Regenpausen, die nutzten wir auch für das ein oder andere Gassi und zum Einkaufen im Supermarkt. Die restliche Zeit verbrachten wir im Camper. So schlecht war dieser Tag gar nicht, denn so konnte ich einige Stunden arbeiten und Aufgelaufenes erledigen. Denn wie es immer so ist: Kaum bin ich im Urlaub, kommt alles zusammen.

Und dann, gegen 18 Uhr, kam plötzlich die Sonne heraus und binnen weniger Minuten sah man nichts mehr vom Regen und den Verwehungen der letzten Nacht. Dafür hatte es deutlich abgekühlt. Aber ehrlich: Das war uns egal. Hauptsache, mal wieder raus.

Da kamen sie alle herausgekrochen: Die Familien mit Kindern, die sichtlich froh waren, ihre Kinder wieder draußen spielen lassen zu können. Die Hundebesitzer, die endlich ohne nass zu werden, Gassi gehen konnten. Plötzlich war so viel los wie die ganzen letzten Tage nicht. Jeder sehnte sich nach frischer Luft und Beine vertreten.

Auch wir spazierten die Promenade am Meer entlang und besuchten im Anschluss noch etwas ausgiebiger den Agility-Platz in unserem Happy Dog Village. Bisher hatte ich ihn nur von außen betrachtet. Auch das Dog-Hotel sah ich mir näher an, fand die Zwinger aber alles andere als schön.

Zum Abend hin konnten wir dann endlich wieder unseren Tisch aufstellen und das Abendessen erneut bei einem schönen Sonnenuntergang genießen. Unser letzter Abend hier am Platz und generell in Kroatien. Morgen traten wir schon wieder den Rückweg in Richtung Italien an.

Tag 9: Weiterfahrt nach Italien – Triest

Die restlichen noch vorhanden Kuna beim Bäcker verbraten, gab es ein letztes, kurzes Frühstück in Kroatien. Bis 12 Uhr mussten wir den Stellplatz räumen. Eigentlich war geplant, schon viel früher aufzubrechen. Doch der gestrige Regen machte uns einen Strich durch die Rechnung.

Durch den Starkregen wurde die rötliche Erde – die es hier in Kroatien vorzugsweise gibt – stark aufgewirbelt und hatte alles, aber auch wirklich alles, was noch draußen stand, entsprechend verfärbt. Nicht nur, dass unser Camper bis oben hin mit roten Streifen versehen war. Sowohl das Fahrrad als auch die Keile und unsere Bade- und Freizeitschuhe waren vollkommen verdreckt. So richtig sauber bekamen wir es auch nach kräftigem Schrubben nicht. Noch viel schlimmer: Natürlich nahmen auch unsere Hunde trotz Pfotenputzens einiges mit in den Innenraum. Immerhin ging es nicht nur uns so. Auch von den Nachbarn hörte man immer mal wieder leises Fluchen.

Da unser Zeitplan ohnehin durcheinander geraten war, drehten wir jetzt erst einmal noch eine ausgiebige Runde mit den Hunden. Schließlich mussten sie noch wichtige Markierungsarbeiten leisten und den verbliebenen wie auch ankommenden Hunden Nachrichten hinterlassen. Benita nimmt dabei ihre Aufgabe immer sehr ernst und verweilt dann auch selbst gerne über mehrere Minuten an einem Grashalm, um die wiederum ihr überlassenen News genauestens zu ‚lesen‘.

Wieder zurück, packten wir nun den letzten Rest ins Auto und düsten los. Dieses Mal war ich gar nicht traurig, den Campingplatz wieder verlassen zu müssen. Wir hatten ein paar schöne Tage hier, auch das ein oder andere gesehen, aber so richtig warm wurde ich mit dem Lanterna Camping Premium Resort nicht. Dadurch, dass er sich zum einen auf über 3 km entlang der Küste erstreckt, zum anderen im Innenbereich aber auch riesige Areale bietet, fand ich ihn irgendwie unpersönlich und deutlich zu groß. Zu unserer Zeit war ja kaum mehr was los. Ich möchte behaupten, dass der Platz lediglich zu 40 % ausgelastet war. Voll belegt möchte ich ihn aber ehrlich gesagt gar nicht erleben.

Mich hatte hier ehrlich gesagt die ‚Aufbruchstimmung‘ gestört. Ja – wir befanden uns in der Nachsaison und ja – der Platz würde in rund zwei Wochen schließen. Dass aber bereits jetzt das ein oder andere Restaurant und die Läden auf der Plaza geschlossen waren (vor allem auch am Samstag und Sonntag – in einem Freizeitresort sollte es 7 Tage die Woche geöffnet haben), fand ich mehr als schade. Es gab auch keine Shows und keine Animation mehr. Auch der Fischladen hatte bereits dauerhaft geschlossen, was wir besonders schade fanden, da wir uns gerne mal frischen Fisch zum Grillen geholt hätten. Dazu kam, dass man weder beim Bäcker noch beim Gemüsemarkt mit Karte zahlen konnte. Euro wurden keine entgegen genommen. Wer keine Kuna (mehr) hatte (so wie wir) hatte echt ein Problem. Ein Währungsumtausch war nur an der Haupt-Rezeption möglich, nicht aber an den kleineren in den einzelnen Themenbereichen.

Sicher sind das alles nur Kleinigkeiten, aber auch die Freundlichkeit der Mitarbeiter litt sehr an dem Saisonende. Niemand hatte mehr Lust, niemand grüßte, niemand hatte ein Lächeln übrig. Wenn sie keine Lust auf Nachsaison haben, müssen sie den Laden eben mit Ende der Sommerferien schließen.

Aber zurück zum heutigen Tag. Unsere Rechnung beglichen und ausgecheckt, ging es nun punkt 12 Uhr auf direktem Wege nach Triest. Vorbei an Novigrad (wie gut, dass ich die Strecke nicht mit dem Rad gefahren war, die war wirklich ziemlich steil), fuhren wir über teils holprige und völlig kaputte Straßen Richtung Slowenien. Stellenweise wurden wir ganz schön durchgeschüttelt. Gemütliche Panoramafahrten mit dem Camper sehen anders aus.

Beeindruckt war ich allerdings von Buje, einer Kleinstadt auf einem 240 m hohen Hügel. Schon von weitem konnte man die markante Kirche erkennen. Rund herum fruchtbares Land und direkt an der Weinstraße. Insgesamt findet man in dieser Region gleich 23 Winzer. Für Weinliebhaber also durchaus eine sehr empfehlenswerte Gegend.

Wir durchquerten den Ort, in dem gerade für ein Stadtfest aufgebaut wurde und fuhren weiter, als wir schon nach kurzer Zeit wieder die Grenze zu Slowenien passierten. Nur kurz unsere Ausweise vorgezeigt, ging es auch schon wieder weiter. Schade, heute stand kein netter Mann da, der uns zum Lachen brachte.

Die knapp halbstündige Fahrt durch Slowenien eröffnete uns schließlich eine unglaublich tolle Landschaft. Im Gegensatz zu Kroatien wirkte hier alles wieder viel grüner, viel satter. Auch die Straßen waren wieder schön zu befahren. Keine Schlaglöcher, schön ausgebaut. Schon interessant, wie unterschiedlich die beiden Länder doch sind.

Tatsächlich könnte ich mir hier in Slowenien auch mal einen etwas längeren Urlaub vorstellen. Denn sowohl das Hinterland als auch die mit rund 50 Kilometer nicht besonders lange Adria-Küste warten mit vielen schönen Orten auf. Ich glaube, das muss ich mir mal genauer ansehen …

Slowenien wieder verlassen, erreichten wir schon nach kurzer Zeit Triest und fuhren über die Autobahn einmal drum herum. Plötzlich bauten sich riesige Wohnblöcke vor uns auf, ganze Industriegebiete reihten sich aneinander. Und das alles hoch über dem Meer. Eine Gegend, die so andersartig wirkte. So fremd. Gar nicht hier ins mediterrane Flair passend.

Immer weiter die E70 entlang und somit ein Stück hinter der Küstenstraße, erreichten wir schließlich gegen 13.45 Uhr unseren letzten gebuchten Campingplatz Camping Village Mare Pineta in Sistiana.

Bei der Suche nach einem Stellplatz hatte sich Anton damals relativ schnell für diesen hier entschieden, weil er sich hoch über dem Meer auf einer Steilküste befindet. Der Ausblick von hier oben auf die Häfen und weiter nach Triest begeisterten ihn.

Nachdem er unsere Platznummer am Check-In erhalten hatte, spazierten wir erst einmal mit dem Hunden dorthin, um das Einparken ‚zu planen‘. Wer weiß, wie viele Bäume hier wieder stehen. Tatsächlich war es jedoch kein einziger und so holten wir rasch das Auto.

Ich fühlte mich auf Anhieb wohl hier. Der Platz war deutlich kleiner als die zuletzt besuchten und es war auch ehrlich gesagt kaum etwas los. Man sah niemanden. Aber er war hübsch angelegt und auch die Landschaft drum herum war hier wieder viel satter und grüner als in Kroatien. Ja, das war eine gute Idee, hier noch abschließend ein paar Tage zu verbringen.

Bevor es nun wieder ans große Einrichten ging, spazierten wir eine erste Erkundungsrunde über den Platz. Auch den Mädels gefiel es. Selbst Mia hatte keinerlei Berührungsängste.

Im weiteren Verlauf das Nachmittags drehten wir noch einmal eine ausgiebigere Runde, ich machte zahlreiche Fotos und weil im Restaurant nichts los war, versuchten wir mit Mia mal wieder einen Café-Besuch. Das ging besser als gedacht. Ein echter italienischer Cappucchino ist eben doch was anderes als unsere Nespresso-Maschine im Van. Ein schöner Platz.

Ehe man sich versah, hatten unsere beiden Mäuse den Bademeister um den Finger gewickelt. Der war ganz begeistert von den Hunden und freute sich fortan jedes Mal, wenn wir bei ihm vorbei kamen.

Vor dem Abendessen spazierte ich schließlich noch kurz in den Ort Sistiana. Kleine Erkundung, ob und was es dort so gäbe. Anton war nämlich kurz im platzeigenen Supermarkt. Fisch und Fleisch gab es allerdings nicht. Eine Metzgerei konnte ich zwar nicht ausfindig machen, dafür aber die Touristeninformation, wo ich mich schließlich von einer netten Dame beraten ließ. Sie überreichte mir zahlreiche Karten und gab wertvolle Tipps und Informationen für die Region. Leider zog sie mir aber schnell wieder den Zahn in Bezug auf Radwege. Auch hier gab es aufgrund der Steilküste und dem geringen Platzangebot nur Fahrmöglichkeiten auf den Hauptstraßen. Irgendwie ist das auf dieser Reise schwierig mit Radfahren.

Wieder zurück am Platz, holte uns Anton schließlich zwei Pizzen. Auf Kochen und Grillen hatten wir heute keine Lust. Abgesehen davon muss man doch in Italien auch mindestens einmal Pizza essen! Die war auch tatsächlich sehr, sehr lecker. Allerdings riesig, so dass wir uns beide für morgen noch ein bisschen was zur Seite stellten.

Den restlichen Abend verbrachten wir bis ca. 22 Uhr noch draußen vor dem Camper, dann wurde es allerdings frisch und wir verzogen uns nach drinnen.

Tag 10: Ausflug zum Schloss Miramare

Nach dem Frühstück und dem morgendlichen Spaziergang mit den Hunden trieb es mich heute wieder aufs Fahrrad. Mein Ziel: Das Schloss Miramare, rund 14 Kilometer entfernt Richtung Triest.

Als Sisi-Fan ‚musste‘ ich mir natürlich das Schloss ansehen, in dem Kaiserin Elisabeth 14 Mal urlaubte. Abgesehen davon ziehen mich Burgen und Schlösser immer an.

Nachdem ich ja gestern schon erfahren hatte, dass es mit Radwegen aussichtlos war, biss ich in den sauren Apfel und fuhr die Küstenstraße SS14 Strada Costiera Triestina entlang. Lt. Google Maps sollte es keine besonderen Steigungen geben, so dass es nach einer eher gemütlichen Fahrt aussah.

Ganz so gemütlich war es nicht, das ein oder andere Mal ging mir schon mal wieder die Puste aus, dafür aber stellte ich erfreut fest, dass es direkt neben der Straße zumindest zu 90 % einen angedeuteten Radweg gab, so dass man doch etwas sicherer unterwegs war und die Autos einen nicht halsbrecherisch überholen mussten. Nachdem die Strecke direkt entlang der Steilküste verläuft, bieten sich einem alle paar Meter Aussichtspunkte, so dass sich die Hinfahrt tatsächlich etwas hinzog, da ich immer wieder abstieg, um Fotos zu machen und den Weitblick über den Golf von Triest zu genießen. Und das war traumhaft! Dunkelblaues Meer, hellblauer Himmel, Schiffe und Segler. Wunderschön!

Im Übrigen befand ich mich gerade auf ‚der Traumstraße‘ der Adria, welche 1928 eröffnet wurde und knapp 11 Kilometer umfasst. Sie ist für die Triestiner das, was für Los Angeles der Highway No. 1 ist. Den kenne ich zwar (noch) nicht, allerdings hatte mich diese Straße schon sehr beeindruckt.

Immer wieder führen kleine Sträßchen zu verlassenen Buchten hinab. Größere Strände bieten oben sogar Parkbuchten.

Besonders beeindruckend und zweifelsohne auch das Highlight dieser Straße ist die Galleria Naturale. Ein Natur-Tunnel, 52 m lang, 6,25 m hoch und eindrucksvoll in den Fels der Steilküste geschlagen. Whow!

Ein scheinbar ungeschriebenes Gesetz ist das Hupen, sobald man die Galleria durchquert. Klar – das hörte man hier natürlich besonders laut.

Das Schloss Miramare wurde immer größer und größer. So langsam ging es in den Endspurt. Die letzten zwei Kilometer zogen sich dann allerdings ganz schön, die Fahrt durch Grignano war dann eher unangenehm. Zu viele Autos.

Zu Fuß gäbe es eine Abkürzung zum Schloss. Mit dem Rad musste ich die Kurve der Viale Miramare ausfahren und erreichte anschließend den Sticco Beach, der sich entlang der Küste bis hin zum Schloss zieht. Auf den Felsen und zum Teil den ins Meer gebauten Plateaus sonnten sich die Triestiner und Urlauber. Kleinere Bars und Restaurants findet man ebenfalls.

Entlang der Viale Miramare findet man den ein oder anderen Parkplatz für die Badegäste und Schlossbesucher, was sich hier allerdings in Stoßzeiten schnell zum Drama wandeln kann. Auch heute war ziemlich viel los und die Autos fuhren kreuz und quer. Nichts war mehr frei, die Leute genervt und dementsprechend auch ihr Fahrstil.

Ich düste an ihnen vorbei, nicht, ohne immer mal wieder einen Stachel reinzuhauen und Fotos zu machen. Mann, heute meinte man es aber wieder gut mit Fotomotiven für mich. Aber wenn es auch so schön war.

An der Porta della Bora – dem Eingangstor zum Park Miramare angekommen – wurde es ein kleines bisschen ruhiger. Die nächsten Meter schob ich das Rad; fahren war ausdrücklich verboten und erstaunlicherweise hielten sich die Leute auch daran. Den von Bäumen durchzogenen Park durchquert stelle ich das Rad an der Fontana rotonda ab und spazierte nun ganz gemütlich über die Anlage.

Das Schloss Miramare wurde von 1856 bis 1860 im Auftrag des Erzherzogs Ferdinand Maximilian, dem Bruder von Kaiser Franz Joseph in Österreich, errichtet. Mit seiner Frau Charlotte von Belgien konnte er das Schloss leider nur bis 1867 als Residenz nutzen. Im selben Jahr wurde er in Mexiko nach seiner Krönung zum Kaiser erschossen. Nachdem Charlotte daraufhin wahnsinnig wurde und nach Belgien zurück ging, diente es bis 1914 als Sommerresidenz der Habsburger. Kaiserin Elisabeth reiste 14 Mal zwischen den Jahren 1869 und 1896 hierher.

Die Innenausstattung des Schlosses ist nach wie vor original erhalten; seit 1955 dient das Schloss als Museum und zieht seitdem zahlreiche Besucher an. Es gehört zu den meist besuchtesten Orten in Europa.

Ganz begeistert von dieser wundervollen Architektur, spazierte ich um die Brunnenanlage und den inneren Bereich der rund 22 Hektar großen, terrassenförmig angelegten Parkanlage. Diese wurde in Kombinaton aus italienischem Garten als auch englischen Park sowie einer Naturlandschaft mit viel Wald angelegt. Maximilian brachte von seinen zahlreichen Reisen immer wieder exotische Pflanzen mit, die auch heute noch hier zu finden sind.

Die gesamte Anlage ist gut erhalten, dennoch wurden Teile des Schlosses gerade renoviert, was jedoch den Besuch in keinster Weise einschränkte. Besonders schön fand ich die weitläufige Terrasse auf der Meerseite, mit Erkern und kleinen Balkonen. Ornamente zieren das Steingeländer. Ein traumhafter Ort zum Verweilen und ich stellte mir Kaiserin Sisi hier vor, wie sie mit einem ihrer Lieblingsbücher in der Sonne sitzt und nebenbei den Ausblick genießt.

Den Eintritt von 12 € (Stand: September 2022) bezahlt, sah ich mich schließlich auch in den Innenräumen des Schlosses näher um. Erfreulicherweise musste man sich hier keiner Führung anschließen, sondern konnte sich frei bewegen. Auf das Audiogerät mit geschichtlichen Informationen verzichtete ich. Manches wusste ich eh schon und alles andere würde ich mir ohnehin nicht merken können. Ich wollte lieber die Einrichtungen und die Bilder auf mich wirken lassen.

Die Innenausstattung ist auch heute noch genau so erhalten, wie bei der Fertigstellung im Jahre 1870. Daher dient es als authentisches Beispiel für fürstliche Wohnkultur in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Es besteht aus einem Erd-, Ober- und Dachgeschoss und ist eine Kombination aus neugotischen und neumittelalterlichem Stil. Die Repräsentationsräume, welche erst 1870 eingerichtet wurden, zeugen von Neurenaissance und Neubarock.

Die Besichtigung machte mir sehr viel Spaß. Es liegt schon eine Weile zurück, als ich ein so gut und vor allem original erhaltenes Schloss gesehen habe. Sofort verfiel ich wieder in meine Beigeisterung für die Habsburger und Wittelsbacher und beschloss, mich in das Leben von Erzherzog Maximilian und seiner Frau Charlotte von Belgien näher einzulesen.

Bei meinem Besuch hatte ich richtig Glück. Normalerweise stehen die Touristen hier Schlange – so jedenfalls die Informationen aus dem Internet. Ich dagegen spazierte direkt hindurch. Besser geht’s doch gar nicht.

Im Anschluss meines Rundgangs lief ich noch durch die weitreichende Parkanlage und erreichte den schön angelegten Parco del Kaffeehaus, an dessen Ende auch ein Café zu finden ist. Eingekehrt war ich nicht, dafür sah ich mir aber die hübsch angelegten Blumenbeete etwas näher an, in deren Mitte eine Statue und ein Brunnen zu finden sind.

Vorbei an der Kapelle San Canciano erreichte ich einen weiteren Aussichtspunkt, dieses Mal auf den Hafen von Grignano, wo zahlreiche Boote und Segelyachten zu sehen waren.

Noch eine ganze Weile hier hindurch spaziert, trat ich langsam wieder den Rückweg an. Besonders viel Lust auf die Radfahrt hatte ich zugegebenermaßen nicht. Schließlich befand ich mich gerade auf Meereshöhe, musste allerdings wieder auf die Klippen zurück. Doch die Steigungen verteilten sich auf den knapp 14 Kilometer so gut, dass es mir sogar leichter vorkam als auf der Hinfahrt und so brauchte ich gerade mal eine Stunde. Großartige Pausen legte ich auch nicht mehr ein, schließlich hatte ich die Aussichtspunkte schon alle besucht.

Voller Freude über den durchaus gelungenen Ausflug, der mit der wunderschönen Küstenstraße Strada Costiera Triestina noch eine Überraschung in petto hatte, erreichte ich am Nachmittag wieder den Campingplatz, wo meine Lieben gerade dabei waren, es sich vor dem Camper bequem zu machen. Gutes Timing.

Kaffee getrunken, was Süßes gegessen und ein wenig ausgeruht, drehte ich noch eine kurze Fotorunde über den Platz, als wir schließlich mit den Hunden auf einen längeren Spaziergang aufbrachen. Geplant war eine Kurzwanderung zum Hafen Sistana, der direkt unterhalb des Campingplatzes liegt und auf den wir jeden Tag blickten.

Zwei Wege standen zur Wahl: Entweder der kurze, mit Treppen versehene Waldweg oder der deutlich längere entlang einer viel befahrenen Straße. Natürlich wählten wir mit unseren Hunden Möglichkeit 1 und machten uns auf die Suche nach dem Eingang zu diesem Weg, der etwas versteckt hinter der Touristeninformation zu finden ist. Bereits im Vorfeld hatte ich gelesen, dass dieser Weg etwas gefährlich und rutschig sei und tatsächlich war er mit den vielen Verwucherungen und den zum Teil bereits abgebrochenen Treppenstufen zwar schön anzusehen; mit an der Leine ziehenden Hunden, die auf der Spur waren, jedoch eher suboptimal. Kurz vor Ende des Wegs dann die Ernüchterung: Hier war Klettern angesagt, man musste sich mit Seilen nach unten hangeln. Tja, das ging mit den beiden Mädels nicht und so traten wir wieder den Rückweg an.

Noch kurz Möglichkeit 2 entlang der Straße versucht, kamen wir aber auch hier nicht weit. Mia drehte bei den Autos plötzlich wieder komplett durch und sprang auf die Straße. Natürlich war sie angeleint und Anton sofort hinterher. Aber unter diesen Umständen brachen wir unser Vorhaben ab. Auf dieser Reise war unsere Maus wieder deutlich unentspannter als auf den letzten. Innerhalb der Campinganlage war es nach einem ersten ’sich zurecht finden‘ immer in Ordnung; da stolzierte sie auch hoch erhobenen Hauptes vorneweg. Doch sobald man die Anlagen verlies, wurde sie unsicher, weshalb ich auch dieses Mal meine Ausflüge wieder alleine unternahm.

Zum Glück ist es für Anton auch immer ok, wenn ich ein paar Stunden am Tag unterwegs bin und die Umgebung erkunde. Er nutzt die Zeit gerne mit den Hunden, die er zu Hause aufgrund Arbeit nicht hat, genießt aber auch die Ruhe und Erholung.

Wieder am Platz, gab es daher erst einmal wieder einen leckeren Kaffee und so saßen wir eine ganze Weile hier, um Mia wenigstens wieder in Bezug auf Restaurants/Cafés zu sensibiliseren.

Den restlichen Tag verbrachten wir gemütlich am Platz. Die Hunde waren selig, die vorbei laufenden Artgenossen zu beobachten oder auch ein Schläfchen zu halten und auch ich kam mal wieder dazu, mein Buch zu lesen. Auch die Nachbarn kamen das ein oder andere Mal auf ein Gespräch vorbei.

Tag 11: Wanderung entlang des Rilke Wegs & Besuch der Häfen Sistiana & Portopiccolo

Die heutige Nacht hatte es wieder in sich. Gegen 3 Uhr stand ein heftiges Gewitter direkt über uns und weil dieses Mal ausnahmsweise kein Lüftfchen wehte, verharrte es dort für eine gute Stunde. Benita und ich ’standen‘ wieder im Bett. An Schlaf war nicht zu denken. Als es dann endlich vorbei war, musste einer der Nachbarn noch lautstark telefonieren – mitten in der Nacht?

Die fehlende Stunde am Morgen nachgeholt und mit den Hunden gekuschelt, genossen wir im Anschluss wieder ein ausgiebiges Frühstück bei strahlendem Sonnenschein. Na zum Glück hatte sich wieder alles verzogen.

Gegen halb 12 Uhr brauch ich schließlich auf meine heutige Mini-Wanderung auf. Direkt am Camp vorbei führt der Rilkeweg, ein Wanderweg zwischen Duino und Sistiana, der nach Rainer Maria Rilke benannt wurde. Dieser schrieb während seiner Aufenthalte im Schloss Duino zwischen 1912 und 1922 zehn Gedichte, die Duino und seine Kliffe weltweit bekannt machten.

Einmal aus dem Camp raus und 350 Meter nach rechts, erreichte ich den Start des Wegs direkt an der Touristeninformation. Der Grund, weshalb ich auch diese Wanderung allein und ohne Hunde unternahm, war einfach: Der Weg ist ziemlich eng, in den letzten beiden Tagen wanderten immer wieder ganze Schul- und Touristengruppen hier entlang und auch zahlreiche (vorzugsweise) unangeleinte Hunde liefen vorbei. Somit war an eine entspannte Wanderung nicht zu denken. Für Mia wären das wieder zahlreiche Stressmomente gewesen, die wir ihr ersparen wollten. Schade, denn der Weg an sich ist perfekt für Hunde. Viel zu Schnüffeln, schön durch den Wald, tolle Aussichten. Hier hätten wir uns locker einen halben Tag aufhalten können. Aber die Erfahrungen von gestern Nachmittag zeigten uns, dass Mia eben aktuell nicht so weit ist. Also hat es einfach keinen Sinn.

Nach wenigen hundert Metern kam ich auch schon an unserem Stellplatz vorbei und winkte meinen Lieben zu. Zwischen Stellplatz und Rilkeweg lag nur ein kleiner Grünstreifen und ein Zaun. Deshalb hatten wir auch immer die Wanderer hier laufen sehen.

Obwohl die einfache Strecke nach Duino lediglich 2,2 Kilometer lang ist, sollte man viel Zeit mitbringen. Nomalerweise benötige ich für so eine Entfernung gute 20 Minuten. Doch der Weg bietet alle paar Meter wundervolle Aussichtspunkte, Bänke zum Verweilen und zahlreiche Fotomotive, so dass ich letzten Endes doch tatsächlich eine gute Stunde unterwegs war!

Ich war vollkommen fasziniert von diesem Ort! Der Weg ist wunderschön angelegt, besteht größtenteils aus Schotter und/oder Waldwegen. An vielen Stellen findet man Holzzäune, doch tatsächlich gibt es hier zahlreiche gefährliche und ungesicherte Stellen. Schilder weisen auf diese Gefahr hin, dennoch sollte man kleine Kinder keinesfalls unkontrolliert hier entlang laufen lassen! Vor allem am Aussichtspunkt zur Bucht von Sistiana ist Vorsicht geboten.

Für mich war aber genau das auch das Schöne: Dass eben nicht alles bis oben hin abgesperrt und gesichert ist, sondern der Weg in seiner Ursprünglichkeit erhalten geblieben ist. Immer wieder ragten Steine aus dem Weg, auch hier muss man oftmals aufpassen, um nicht zu stolpern. Gutes Schuhwerk ist auf jeden Fall zu empfehlen.

Besonders schön fand ich das weitreichende Geröllfeld mit kargen Bäumen und dem ein oder anderen Steinmännchen, das die Leute hier aufgebaut hatten. Der weitreichende Blick über das Meer und die Ruhe waren unglaublich erholsam. Heute waren zum Glück auch gar nicht so viele Wanderer unterwegs und wenn, waren sie genau so geflasht wie ich von dieser Aussicht und genossen sie im Stillen.

Meine Kamera stand gar nicht mehr still. Wer soll sich die vielen Fotos später nur ansehen? Aber es war einfach zu schön.

Während dieser Wanderung stellte ich einmal mehr fest, dass mich Italien dann doch mehr begeistert als Kroatien. Ich musste schon immer lachen, wenn Anton im ersten Teil unserer Reise immer wieder auf Italien zu sprechen kam und wie viel besser es ihm dort gefallen würde. Doch hier und heute musste ich ihm zustimmen: Die Landschaften und vor allem die Vegetation und die bunten Farben waren schon um ein Vielfaches schöner. Sicher – im Frühjahr grünt und blüht es auch in Kroatien. Vielleicht sollten wir einfach in dieser Zeit noch einmal dorthin reisen.

Zwischen den Steinen fand ich immer wieder kleine bunte Blumen und nach einer Weile entdeckte ich auch endlich das gelbe Duino Schloss. Dieses sollte ich nun aus mehreren Perspekten immer wieder von den Aussichtspunkten aus betrachten.

Die Felsen und Berge in dieser Region heißen Triester Karst. Dabei handelt es sich um ausgewaschene und poröse Steine, die auch tiefe Höhlen bilden können, so dass es hier im Umfeld auch die ein oder andere Grotte zu sehen gibt. Auch militärische Bunker aus dem Ersten Weltkrieg sind während des Wegs zu sehen. Auch sie dienen heute als Aussichtspunkte.

Gegen Ende des Weges erreichte ich einen wunderschönen Waldweg und kurze Zeit später das auf den Ruinen eines römischen Außenpostens um 1300 erichtete Schloss Duino. Dieses konnte ich leider nicht besuchen, da es ausgerechnet heute Ruhetag hatte. Doch das hatte ich bereits im Vorfeld gelesen und fand ich nun nicht ganz so schlimm.

In einer rund eineinhalbstündigen Führung kann man sonst die Vielfalt des mediterran angelegten Parks und die kostbare Ausstattung besichtigen. In 18 Räumen findet man historische Dokumente, Familienfotos, aber auch ein von Liszt gespieltes Klavier. Viele illustre Gäste hielten hier im Laufe der Zeit Einzug. Neben Kaiserin Elisabeth von Österreich gingen auch Johann Strauß, die Grafen von Chambord sowie zahlreiche Dichtler und Künstler hier ein und aus. Heute gehört es der Familie Thurn und Taxis, die auch heute noch hier lebt.

Statt dem Schloss stattete ich eben der Kirche Parrocchia San Giovanni Battista in Duino einen Besuch ab und schlenderte durch die Gassen und Straßen des kleinen Ortes. Kleine Snack-Bars, einen Souvenirladen und eine Mini-Post sind hier zu finden; ansonsten ist der Bereich rund um das Schloss in meinen Augen noch sehr ursprünglich erhalten.

Rund um das Schloss hatten es sich einige andere Wanderer auf den Bänken mit einer Brotzeit bequem gemacht. Ich dagegen trat langsam wieder den Rückweg an und erlebte diesen nun aus einer völlig anderen Perspekte.

Auf einer einsamen Bank legte ich eine kleine Pause ein und ließ die Umgebung auf mich wirken. Wer sich hier in der Gegend oder auch in Triest befindet, sollte unbedingt einen Abstecher hierher unternehmen. Es lohnt sich!

Im Anschluss an diese wundervolle Wanderung versuchte ich noch einmal mein Glück mit dem Hafen von Sistiana. Ohne Hunde ging es nun erneut den steilen Waldweg von gestern hinab und als ich die Stelle zum Klettern erreichte, überlegte ich kurz, ob ich da jemals wieder hoch kommen würde. Aber egal. Irgendwie wird’s schon gehen. Durch eine Spalte zwischen zwei Wurzeln ließ ich mich mehr oder weniger nach unten fallen und nutzte die Seile für das letzte steile Stück. Geschafft.

Von hier waren es nur noch wenige Schritte, als ich das Hafengelände erreichte. Schade, dass man diesen Weg nicht anders gestaltet, denn dieser Bereich hier wäre mit den Hunden richtig schön gewesen. Groß und breit, kaum Leute unterwegs. Das hätte ihnen gefallen.

Ich lief einmal um den Yachthafen herum und betrachtete die vielen unterschiedlichen Boote. Vom kleinen Schlauchboot bis zum Segelschiff fand man hier alles. Besonders schön fand ich aber die alten Fischerboote mit all ihren Utensilien und den weit darüber hinaus ragenden Angeln.

Am Bagno Castelreggio wurde gerade gebaut. Alte Gebäude werden abgerissen, neue errichtet. Dahinter erstreckt sich ein ziemlich großer und breiter Strand aus Kieselsteinen, wo es sich auch heute einige Einheimische wie auch Urlauber auf den Liegen bequem machten. Ein schöner Strand, das Wasser ist hier auch so herrlich blau und sauber. Auch genießt man von hier einen fantastischen Blick auf die Steilküste, sogar bis hin zum Schloss Duino.

Von einer kleinen Bar ertönte leise Musik, Cocktails und Kaffee schlürfende Gäste ließen sich die Sonne aufs Gesicht scheinen. Ein schöner Platz, so ruhig und angenehm. Ich verließ diesen Strand wieder und spazierte in Richtung Portopiccolo, der zweiten Marina in der Bucht von Sistiana.

Portopiccolo wurde von einem großen Immobilienunternehmen entwickelt und im Sommer 2015 eröffnet. Am Fuße eines steilen Berghangs erbaut, erhebt sich auf rund 35 Hektar ein Ferienresort wie ein Amphitheater. Es wurde nach höchsten Baustandards errichtet und richtet sich vor allem an Wohlhabende, die sich hier niederlassen oder in Wohnungen investieren möchten. Vor allem Triestiner und Österreicher sind hier anzutreffen.

Die moderne Marina bietet 121 Liegeplätze sowie ein gehobene Infrastruktur mit Pool am Hang, einem Beach Club, mehreren edlen Restaurants und Bars, Wellness-Anlagen und natürlich auch die ein oder andere Boutique. Auch ein 5-Sterne-Hotel ist zu finden.

Obwohl künstlich errichtet, hat mich diese Marina total beeindruckt. Viel war um diese Zeit nicht mehr los. Das Resort dient vor allem als Zweitwohnsitz für die Sommerferien oder das Wochenende. Nur vereinzelt traf ich auf ein paar Leute und fühlte mich in meiner kurzen Hose und Shirt schnell underdressed. Aber egal. Ich spazierte trotzdem entlang der Marina und war ganz begeistert von den zahlreichen Booten, die zum Teil auch gemietet werden können.

Etwas unwirklich war das Bild der Segelyacht Portopiccolo Prosecco Doc, wie sie mit ihrer Länge von knapp 28 Metern, einer Breite von rund 6 Metern und dem Mast von 38 m mitten in der Marina vor den Appartements des beschaulichen Dörfchens lag. Ganz schön groß.

Vorbei am Hotel Falisia spazierte ich einmal die Marina entlang und kehrte anschließend wieder um. Das war noch einmal ein schöner Abschluss meines heutigen Ausflugs. Häfen und Boote finde ich ohnehin immer schön anzusehen.

Wieder am Hafen von Sistiana vorbei, trat ich den Rückweg über den mir bereits bekannten Waldweg an. Einen anderen gab es ja nicht. Und prompt stand ich vor der Herausforderung: Tatsächlich kam ich im ersten Moment nicht mehr nach oben. Die Seile zum Hochhangeln taugten nicht viel, ich kletterte wieder durch die Wurzeln hindurch und hievte mich nach oben. In diesem Moment kam eine Tschechin von oben, sah sich das ganze an und drehte wieder um.

Müde, aber glücklich über den heutigen Tag, erreichte ich am Nachmittag wieder unseren Platz und berichtete in allen Einzelheiten von dem heute Erlebten.

In gewohnter Weise machten wir es uns alle wieder vor dem Van bequem, Anton ging zwischendurch was einkaufen und am späteren Nachmittag gönnten wir uns erneut einen leckeren Cappucchino im Restaurant. Der Bademeister kam vorbei, um unsere Hunde zu begrüßen, doch Mia hatte ihn scheinbar schon wieder vergessen; heute fand sie ihn so gar nicht toll und verzog sich mit eingezogenem Schwanz.

Den restlichen Abend und unsere letzten Stunden in Italien verbrachten wir mit kleinen Gassi-Runden über den Platz und wurden etwas wehmütig. Morgen sollte es schon wieder nach Hause gehen. Darauf hatten wir beide so absolut keine Lust. Tatsächlich wären so ein, zwei Tage länger durchaus noch schön gewesen. Denn aufgrund Zeitmangel hatte ich leider keine Gelegenheit mehr, mir Triest anzusehen. Und auch die ein oder andere Grotte wäre sicherlich interessant gewesen. Aber wer weiß – mir hat es auf diesem Platz gut gefallen und vielleicht dient er mal wieder als Verbindung zu einer weiteren Reise nach Kroatien oder Slowenien.

Tag 12: Es geht wieder nach Hause

Weil er für die Nacht mal wieder Regen angesagt hatte (was dann auch so war), packten wir bereits gestern Abend alles soweit zusammen. Generell war das eine gute Idee, denn unseren Platz mussten wir bereits bis 10 Uhr verlassen, was ich ein wenig früh fand. Aber so sind nunmal die Regeln und wir wollten ja auch nach Hause.

So verzichteten wir heute auch tatsächlich auf ein Frühstück, drehten nur nochmal eine etwas längere Runde mit den Hunden, verabschiedeten uns von den Nachbarn und düsten gegen 9.15 Uhr los.

Vom Campingplatz aus waren es nur wenige Kilometer auf die Autobahn und prompt entdeckten wir im Hafen von Monfalcone zwei MSC-Schiffe. Auf den ersten Blick sahen sie aus wie Hochhäuser. Hach, so eine Kreuzfahrt wäre auch mal wieder was Feines.

Knapp sechs Stunden dauerte schließlich die Heimfahrt über Udine, Villach und Salzburg, mit einem etwas längeren Stau in der Chiemsee-Region, den zu umfahren aber Quatsch gewesen wäre. Auf die halbe Stunde mehr oder weniger kam es nun auch nicht mehr an und so trafen wir um kurz nach 15 Uhr schließlich wieder in unserem Zuhause ein.

Ein schöner und abwechslungsreicher, aber auch etwas abenteuerlicher Urlaub ging zuende. In den eineinhalb Wochen haben wir viele neue Eindrücke gewonnen und tatsächlich kam es mir vor, viel länger unterwegs gewesen zu sein. Wir trafen auf sympathische Leute, stellten fest, dass etwas mehr Planung manchmal deutlich von Vorteil sein kann und waren uns einig: Kroatien gerne wieder, dann aber im Frühjahr und mit Campingplätzen deutlich näher an den Städten.

Ein Mangel wurde bereits wenige Tage nach unserer Rückkehr behoben: Von meiner Schwiegermutter bekam ich ihr altes E-Bike geschenkt; somit würde ich meine Radtouren künftig vielleicht etwas entspannter antreten können.

Hier findet Ihr die Fotos zu Kroatien (147 Stück):

Hier findet Ihr die Fotos zu Italien (67 Stück):