Eine kleine Auszeit am Gardasee

Toscolano-Maderno (Westufer) – Mobilehome

Der schöne Gardasee. Anfang der 2000er nahezu jedes Jahr dort gewesen, legten wir irgendwann eine lange Pause ein und besuchten ihn zuletzt im September 2018 für ein verlängertes Wochenende wieder. Diese paar Tage haben uns dabei so gut gefallen, dass wir das Jahr darauf erneut an den größten See Italiens wollten. Vor allem Benita, unsere Hundedame, nahm es uns sichtlich übel, als wir nach einem schnellen Morgen-Gassi urplötzlich wieder aufbrachen. Sie saß den Großteil der Fahrt mit dem Rücken zu uns und dem Gesicht in der Lehne auf der Rückbank und war auch nicht mehr ansprechbar.

Doch die Jahre darauf war es wie verhext. 2019 für einen längeren Zeitraum krank gewesen, kam 2020 schließlich Corona. Und auch in diesem Jahr war lange nicht klar, ob es mit den vielen Einschränkungen überhaupt klappen würde. Zum Glück erwischten wir jedoch ein gutes Reise-Zeitfenster und buchten etwa zwei Monate vor Anreise unser ‚Mobilehome Superior Chalet‘ auf dem ‚Campeggio Toscolano-Maderno‘ am Westufer des Gardasees.

Zu diesem Zeitpunkt war die Auswahl schon ziemlich eingeschränkt. Klar, schließlich wollte inzwischen jeder weg. Zugegebenermaßen sind wir aber auch nicht ganz einfach, was die Unterkünfte betrifft. Wir haben eben so unsere Ansprüche und Vorstellungen, die teilweise nur schwer zu erfüllen sind. Aber wir wurden fündig.

Tag 1: Anreise & Erste Erkundungen

Am Morgen noch etwas im Homeoffice gearbeitet, packten wir alles nach und nach ins Auto und düsten um 10.15 Uhr los. Die Straßen waren frei, die Autofahrt somit sehr angenehm und auch an den Grenzen gab es keine Wartezeit. Weder in Österreich noch in Italien wurden die Einreisenden kontrolliert. Der Pflicht zur Online-Registrierung für Italien bin ich natürlich nachgekommen. Doch niemanden hat’s interessiert.

Und so erreichten wir nach rund fünf Stunden Fahrt um kurz nach 15 Uhr das ‚Campeggio Toscolano-Maderno‘, wobei wir rund eine Stunde davon um den See auf kurvenreichen Straßen unterwegs waren. Vor uns schleichende Transporter oder Urlauber. Die letzte Stunde verlangte uns nerventechnisch dann doch noch einiges ab.

Obwohl der Campingplatz mitten in der Stadt liegt, sind wir erst einmal daran vorbei gefahren. Der Blick in den Rückspiegel verriet uns: Einmal durch den Rundbogen hindurch – dann sind wir da.

Das ‚Campeggio Toscolano-Maderno‘ ist ein mittelgroßer 4-Sterne-Campingplatz und befindet sich innerhalb der Mauern eines alten Benediktinerklosters aus dem 14. Jahrhundert. Auf einem schattigen und großräumigen Platz gibt es zahlreiche Plätze für Wohnwägen, Zelte oder Wohnmobile. In einer anderen Ecke findet man Mobilheime verschiedener Kategorien und auch ein Hotel sowie zwei Pools fügen sich in den Park ein. Hier gibt es also eine große Auswahl verschiedener Unterkünfte und Annehmlichkeiten. Eine kleine Bar und ein kleiner „Tante-Emma-Laden“ runden das Angebot ab. Alles in allem ein sehr angenehmes und einladendes Areal.

An der Rezeption angemeldet und den Schlüssel sowie verschiedene Informationen entgegen genommen, machten wir uns auf den Weg zu unserem gebuchten ‚Superior Chalet‘. Das Auto kann man hier direkt daneben abstellen, was allein fürs Gepäck natürlich sehr praktisch ist.

Dass wir das letzte Häuschen in der Reihe erhalten hatten, entpuppte sich schon nach kurzer Zeit als absoluter Glücksgriff. Hier hatten wir unsere Ruhe, es rannte nicht ständig jemand an der Terrasse vorbei und auch von den Müllcontainern waren wir weit entfernt (andere Mobilheime hatten diese direkt vor der Nase).

Unsere Hunde waren froh, nach so langer Fahrzeit endlich wieder ihre Beinchen vertreten zu können. Während für Benita das Autofahren noch nie ein Problem darstellte, hat Mia dagegen grundsätzlich Stress und verkriecht sich in der untersten Ecke. Sie war sichtlich erleichtert, endlich raus zu kommen. Die beiden inspizierten sofort das Häuschen, begutachteten alle Zimmer und sprangen fröhlich herum.

Mit einer Größe von 32 qm bietet das ‚Superior Chalet‘ zwei Schlafzimmer und zwei moderne Bäder sowie eine Küchenzeile und einen Essbereich mit TV. Über die gesamte Länge des Mobilheims erstreckt sich zudem die Holzterrasse. Es gibt zwei Liegestühle, einen Tisch mit vier Stühlen, die Küche ist ausgestattet mit einem Kühlschrank (mit Gefrierfach), einer Herdplatte und Spülbecken. Backofen oder Mikrowelle sowie Spülmaschine sind nicht vorhanden, dafür aber Wasserkocher und Filterkaffeemaschine. Küchenutensilien waren ebenfalls vorhanden, qualitativ allerdings alles andere als hochwertig, es sah ziemlich zusammengewürfelt aus. Wir vermissten unsere gut schneidenden Messer. 😉

Die Schlafzimmer waren ebenfalls nur mit dem Nötigsten ausgestattet, jedoch mit genügend Stauraum Die Betten sind allerdings für unsere Begriffe viel zu klein und unbequem. Wem zudem eingefallen ist, direkt am Kopfende ein Holzbrett als Ablage anzubringen, würde mich auch interessieren. Aua!

Die Koffer ausgepackt und häuslich eingerichtet (es sah aus, als würden wir mit einer Großfamilie reisen!), holten wir uns anschließend im kleinen Lebensmittelmarkt die sog. „Erstausstattung“. Für den Mini-Laden ist die Auswahl ziemlich groß, wenngleich es wenig Frische-Ware gibt. Also kauften wir nur das Nötigste für den ersten Tag und planten den Großeinkauf für morgen in einem Supermarkt.

So, jetzt aber erst einmal einen Kaffee. In weiser Voraussicht hatten wir unsere Nespresso-Maschine von zu Hause mitgenommen. Raus auf die Terrasse, ein bisschen Gebäck dazu … Hallo, Urlaub!

Einige Zeit hier gesessen, viel gequatscht und einfach mal nichts gemacht, gab es am Abend ganz klassisch Spaghetti. Gut gestärkt, machten wir uns auf einen kleinen Gassi-Gang mit den Hunden. Schließlich wollten wir jetzt doch auch mal zum See, der von unserem Mobilehome rund 400 m entfernt lag. Heute Abend war es noch etwas frisch, die Wolken zogen auf, dennoch war es ein schöner, kleiner Spaziergang.

Doch eines überraschte uns: Unsere Hunde weigerten sich vehement, zum See zu laufen. Gut, Mia braucht ohnehin immer ihre Zeit, um mit neuen Orten warm zu werden. Könnte sie sprechen, würde sie sagen: Zuhause ist es doch auch schön, warum bleiben wir nicht einfach daheim? Reisen ist nicht so ihr Ding. Benita verstand ich allerdings gar nicht mehr. 2018 kaum vom See wegzubekommen, drehte sie ihm heute den Rücken zu. Das sollte im Übrigen auch alle weiteren Tage so bleiben. Lediglich am letzten Tag ließ sie sich dazu herab, mal ganz kurz die Pfötchen einzutauchen. Da soll noch einer schlau werden.

Den restlichen Abend verbrachten wir schließlich ganz gemütlich auf der Terrasse, tranken Wein und freuten uns auf die nächsten Tage.

Tag 2: Rundgang in Toscolano-Maderno

Dank der Hunde ist an großartiges Ausschlafen nicht zu denken, weshalb ich mich schon gegen 8 Uhr fertig machte. Frische Croissants und (typisch harte) italienische Brötchen geholt, gab es ein genüssliches Frühstück auf der Terrasse.

In einem Supermarkt nur wenige Kilometer entfernt den Großeinkauf für die nächsten Tage erledigt und sogar meinen heiß geliebten Aperol Sprizz in Mini-Flaschen gefunden, war über die Mittagszeit jetzt erst einmal Faulenzen angesagt. Kleine Gassi-Runden, Lesen und dann doch mal kurz etwas arbeiten … die Stunden rannen nur so dahin.

Weil es mich aber nie allzu lange auf dem Liegestuhl hält, machte ich mich am späteren Nachmittag auf den Weg in die Stadt. Natürlich wollte ich mir auch den Ort etwas genauer ansehen. Für die Hunde war es viel zu heiß. Über 30 Grad und pralle Sonne; ein langer Spaziergang und noch dazu durch die Stadt mit heißem Asphalt geht gar nicht; und so düste ich alleine los.

1928 wuchsen die beiden Orte Toscolano und Maderno zusammen und sind nunmehr lediglich durch den Fluss ‚Toscolano‘ getrennt. Die Stadt reicht vom See bis zu den Hügeln unter dem Monte Pizzocolo, von dem aus man herrliche Ausblicke genießen und schöne Wanderungen unternehmen kann.

Toscolano war lange Zeit für seine Papierherstellung und den Buchdruck bekannt. Selbst Martin Luther druckte seine Bibel auf Papier aus Toscolano. Während Toscolano eher modern und schroff wirkt, übernimmt den schönen Teil der Stadtteil Maderno.

Ich ließ den See hinter mir, spazierte durch das Tor des Campingplatzes und immer weiter zur Hauptstraße von Toscolano. Hier wurde es mir schnell zu laut, auch gefielen mir die Gebäude nicht sonderlich, weshalb ich dann doch wieder in Richtung des Sees abbog und über romantische, kleine und auch enge Seitenstraßen spazierte. Dabei entdeckte ich tolle Gärten und einige schöne Fotomotive.

Vorbei an der ‚Ölfabrik Bonnaspetti Carlo Eredi‘ in der Via Bellini erreichte ich kurze Zeit später einen weiteren Campingplatz, den Camping Riviera. Da ich mich seit kurzem sehr mit dem Thema beschäftige und mich auch für Wohnmobile interessiere, lief ich einmal quer hindurch. Ein wirklich schön angelegter Platz, fast ausschließlich in italienischer Hand, ein gemütliches Flair.

Ich erreichte die Uferpromenade ‚Lungolago Giuseppe Zanardelli‘ und hatte wieder einen herrlichen Ausblick auf den See. Heute war einiges los hier, die Menschen flanierten entlang der Promenade, einige ließen sich am Strand nieder. Dennoch immer mit ausreichend Abstand. Nach so langer Zeit mit zumeist wenig Kontakten war das wieder etwas völlig Neues für mich und wirkte absolut fremd. Schon interessant, wie kontaktscheu man im Laufe der Zeit werden kann.

Ich setzte mich eine Weile auf einen Stein direkt am See und genoss einfach nur den Ausblick auf das zum Teil glasklare Wasser. Auch am See war einiges los. Ob Schwimmer, Kanufahrer oder SUP-Begeisterte.

Ein paar Schritte weiter entdeckte ich zahlreiche Marktstände, die sich entlang der Uferpromenade aneinander reihten. Klamotten, Snacks oder auch Krimskrams; es war schön, hier entlang zu bummeln und sich mal wieder von den Angeboten berieseln zu lassen.

Noch größere Aufmerksamkeit aber erlangten die wunderschönen Villen direkt gegenüber. Was für Prachtbauten! Riesige Parkanlagen, natürlich bestens gepflegt, mit Orangenbäumen, meterhohen Fliederbüschen und mittendrin top gepflegte Häuser. Traumhaft! 

Inzwischen hatte ich den Stadtteil Maderno erreicht. Gerade eben legte die Fähre am Terminal an. Von hier aus setzt man nach Torri del Benaco auf der Ostseite des Sees, etwas oberhalb von Garda, über. 

Vorbei an einer kleinen Werft erreichte ich den Altstadtkern Madernos und war gleich wieder ganz hin und weg. Einmal um die Kurve herum, blickte ich auf wunderschöne Kirchen, viele Boote und im Hintergrund die Berge. Was für ein Anblick! Blumenbeete überall, bunt gemixt und herrlich fröhlich.

Vorbei an diversen Restaurants, besuchte ich schließlich die ‚Kirche Chiesa parrocchiale di Sant’Andrea‘. Innen wie außen sehr beeindruckend. Ein paar Schritte weiter steht die ‚Kirche Chiesa Sant‘ Andrea Apostolo‘. Die romanisch-lombardische Kirche stammt aus dem 12. Jahrhundert und ist das älteste Gebäude der Gemeinde. Im Laufe der Jahrhunderte wurde sie immer wieder verändert, der weit sichtbare Kirchturm stammt z. B. aus dem Jahre 1469. Der dreischiffige Innenraum wird durch Pfeiler unterteilt und ist mit fantastischen Malereien ausgestattet.

Ich spazierte noch eine Weile entlang der Promenade, machte Fotos, bestaunte die Boote und bog schließlich in eine kleine Seitenstraße ab. Das einzige, was ich hier etwas vermisst hatte, waren kleine Boutiquen und eine schöne Einkaufsmeile. Zwar findet man ein Restaurant und eine Bar neben der anderen, auch Hotels fügen sich in das Stadtbild ein; aber zum Bummeln gibt es nichts. Schade, irgendwie hatte ich mich auf eine kleine Shoppingtour eingestellt.

Ich lief durch ein paar Seitengassen, stellte aber schnell fest, dass sich hier nichts mehr weiter verbarg und entdeckte schließlich einen Supermarkt. Weil uns noch Kleinigkeiten fehlten, ging ich schnell hinein und deckte mich zudem noch mit örtlicher Wurst und Käse ein. Das muss einfach sein.

Entlang der ‚Via Statale Maderno‘ ging es nun wieder zurück. Von der Stadt hatte ich nun soweit alles gesehen, zudem war ich müde und durstig. Die Temperaturen waren nicht zu unterschätzen.

Am Abend entschieden wir uns erneut für Pasta, dieses Mal allerdings mit frischen Garnelen. Mmmhh, wie lecker! So lässt es sich leben.

In der Dämmerung noch einmal zum See spaziert (weitere Therapiestunde für Mia, die sich langsam an die Menschen gewöhnen musste) und querfeldein über den Campingplatz, ließen wir den restlichen Tag ganz gemütlich auf der Terrasse bei Wein, Musik und einer leckeren Wurst- und Käseplatte ausklingen. An das lange draußen sitzen bis Mitternacht bei angenehm warmen Temperaturen waren wir gar nicht mehr gewöhnt und genossen es in vollen Zügen. Bei uns ist das leider viel zu selten der Fall.

Tag 3: Kleine Wanderung nach Pulciano

Frische Brötchen und Croissants geholt, gab es auch heute wieder ein ruhiges und gemütliches Frühstück auf der Terrasse. Die italienische Familie gegenüber zog gerade aus, es sollte heute also sehr ruhig werden, denn erst nachts trudelten die nächsten Gäste ein.

Die Sonne brannte schon am frühen Morgen vom Himmel und so verbrachten wir den Vormittag erneut mit Faulenzen, Lesen und auch wieder ein klein wenig mit Arbeiten.

Gegen 14 Uhr machte ich mich dann aber trotz der brütend heißen Temperaturen auf eine kleine Wanderung, die ich mir am Morgen herausgesucht hatte. Vom Campingplatz aus entdeckte ich gestern die beiden ‚Kirchen Antica Parrocchiale di San Michele‘ und die ‚Chiesa die San Michele Arcangelo‘ in Pulciano, einem Dorf oberhalb des Ortes auf rund 220 Meter. Obwohl sie ziemlich weit entfernt wirkten, zeigte mir das Handy lediglich eine Stunde Spazierweg an. Na, das sollte doch kein Problem sein.

Vom Campeggio aus ging es die ‚Via Religione‘ über die Hauptstraße zum Rathaus und von dort dann weiter entlang der ‚Via Gan Battisto Vico‘. Leider existiert kein eigener Fuß- bzw. Wanderweg nach Pulciano, weshalb ich einen Großteil des Weges entlang der Straße laufen musste. Zum Glück war nur wenig Verkehr; aufpassen sollte man allerdings trotzdem, vor allem in den etwas unübersichtlichen Kurven. Die Italiener geben nämlich selbst mit ihren Vespas ganz schön Gas.

Abgebogen in die ‚Via Pulciano Gaino‘ ging es nun bei über 30 Grad steil bergauf. Puh, da hatte selbst ich ganz schön zu schwitzen, obwohl ich doch einiges gewöhnt bin.

Immer wieder blieb ich stehen und genoss die fantastischen Ausblicke über die Stadt und hinaus auf den Gardasee. Wunderschöne Fotomotive boten sich mir. Das war wieder ein Vorteil dieser anstrengenden Tour. Ich entdeckte so viele Kleinigkeiten, die man mit dem Auto gar nicht wahrnehmen würde.

Unterwegs zweigte schließlich ein kleiner Schotterweg ab. Auf den ersten Blick sah er sehr einladend aus, doch nach 100 Metern drehte ich – zugegebenermaßen ziemlich nervös – wieder um. Vor mir lagen stockdunkle Unterführungen, vollgeschmiert mit Graffiti. Ne, da wollte ich jetzt lieber mal nicht hindurch; wer weiß, wer oder was sich dahinter verbarg. Prompt raschelte und knackste es natürlich neben mir und ich fing zu Laufen an. Ach herrjeh … ich wieder.

Also ging es nun eben wieder an der Straße entlang, inzwischen auch mit einem kleinen Seitenstreifen. Ich erreichte eine Kreuzung, lustigerweise hießen aber alle Straßen gleich; ich war immer noch auf der Via Pulciano Gaino unterwegs und stand nach einiger Zeit im Stadtkern von Pulciano mit der Gelateria Castellari, in der reges Treiben herrschte; das einzige Lokal hier am Ort. Ansonsten war aber niemand zu sehen; ein kleiner ausgestorbener, aber durchaus malerischer Ort.

Noch einige Kurven genommen, bog ich nach insgesamt rund 40 Minuten ab in die ‚Via alla Chiesa‘, einem Steinweg hinauf zur Kirche. Ich hatte es geschafft! Erst einmal auf einer Steinmauer niedergelassen, war ich jetzt wirklich fix und alle und pumpte. Ich hatte allerdings auch ein enormes Tempo an den Tag gelegt.

Leider waren beide Kirchen verschlossen, so dass ich mich mit der1 Außenansicht zufrieden geben musste. Aber kein Problem, denn allein die Aussicht von hier oben war einfach atemberaubend schön. Von hier kann man ganz Toscolano-Maderno überblicken, ich entdeckte sogar unseren Campinglatz und die Gegenden, die ich gestern besucht hatte. Ich saß eine ganze Weile hier, genoss den Ausblick und freute mich über diesen kleinen Ausflug.

Eine gute halbe Stunde hier oben verbracht, zahlreiche Fotos geschossen und umher spaziert, machte ich mich langsam wieder auf den Weg zurück. Neben mir waren nur zwei weitere Paare unterwegs, also vielleicht auch ein kleiner Geheimtipp für Urlauber.

Der Weg zurück war deutlich einfacher. Nach unten geht es immer schneller. Eher durch Zufall entdeckte ich plötzlich wieder eine Abzweigung und spazierte entlang einer kleinen Stadtmauer in Richtung Innenstadt. Herausgekommen an der ‚Via Ariosto‘ erreichte ich nach nur zwanzig Minuten wieder den Stadtkern von Toscolano-Maderno.

Durch kleine und bunte Gassen hindurch, schön anzusehen, aber leider komplett ausgestorben (der Großteil der Häuser/Läden stand zum Verkauf), erreichte ich nach einiger Zeit die ‚Via Gozzi‘, überquerte die Hauptstraße und lief die ellenlange ‚Viale Gugliemo Marconi‘ entlang, wo sich ein Parkplatz an den nächsten reiht. Ausreichend Platz für die zahlreichen Strandbesucher, die sich vorne an der ‚Spiaggi Toscolano‘ versammelten. Unglaublich, was hier heute los war. Der Strand war bis auf den letzten Zentimeter besetzt, an Abstand dachte hier niemand mehr. Es gab Geschrei, vollkommen überfüllte Mülleimer, an Bäume gebundene Hunde (die nämlich eigentlich nicht an den Strand dürfen) und zahlreiche Gummitiere. Ein Anblick, den ich so gar nicht vom Gardasee kannte. Jetzt nichts wie weg hier …

Einmal um die Ecke noch einige hundert Meter weiter und ich erreichte am frühen Abend wieder meine Unterkunft. Ein schöner kleiner Ausflug, der mir richtig viel Spaß gemacht hat.

Nach einer kleinen Ruhepause machten wir uns anschließend wieder auf einen gemeinsamen Gassi-Gang. Schließlich mussten die Hunde auch mal wieder raus, auch wenn Mia mit dem Ziel „See“ nicht ganz so begeistert war. Durch das Campingviertel war es inzwischen kein Problem mehr; an der Promenade vorne fing sie wieder zu Zittern an. Wir ließen uns auf einer der Bänke nieder und gaben ihr Zeit, sich zu beruhigen.

Die Abendstimmung war einfach herrlich; tolle Wolkenformationen, gepaart mit Sonnenstrahlen. Wunderschön.

Wieder zurück, aßen wir gegen 20 Uhr zu Abend, es gab Hühnchenfleisch und Salat. Den restlichen Abend verbrachten wir wie die bisherigen; auf der Terrasse bei einem Glas Wein. Auch eine entspannte Abendrunde über den Platz durfte natürlich nicht fehlen. Wir genossen es, die vielen verschiedenen Wohnmobile, Wohnwägen und auch Zelte und die dazugehörigen Leute zu beobachten. Einfach, um zu sehen, was uns künftig wohl so erwarten würde, wenn auch wir zu Campern werden.

Tag 4: Ein fauler Tag

Der Tag begann wie alle anderen: Mit einem Frühstück auf der Terrasse. Heute allerdings lagen die Temperaturen schon um 9 Uhr morgens bei rund 30 Grad. Puh. Auch die Hunde hatten damit zu kämpfen, ließen es sich aber natürlich nicht nehmen, sich mitten in die Sonne zu knallen.

Tatsächlich verzichtete ich heute auf einen Ausflug, was großes Erstaunen hervor brachte. Ich und einen ganzen Tag an nur einem Platz? So gar nichts tun oder zumindest nicht viel? Wirklich? – Ja, ich war selbst ganz erstaunt, aber zum einen gab es in unmittelbarer Nähe nichts besonders Interessantes mehr, zum anderen war es selbst mir heute zu heiß.

Und so machte ich Fotoshootings mit den Hunden, plante bereits die nächsten Reisen, las und schwups, war es auch schon wieder später Nachmittag. Wo ist nur die Zeit geblieben?

Gegen Abend schnappten wir uns schließlich wieder die Hunde und liefen vor zum See. Mia war heute etwas entspannter als die letzten Tage, wenngleich sie nicht allzu weit laufen, dafür aber auf die Bank wollte. Alles von oben überblicken, ob Hund oder Mensch, der da vorbei ging.

Eigentlich hatten wir ja geplant, uns am letzten Abend eine Pizza vom Restaurant gegenüber der Straße zu holen. Doch der Kühlschrank war immer noch gut gefüllt. Bei der Hitze hielt sich der Hunger tagsüber in Grenzen. Und so gab es heute also Maishähnchen-Keulen. Lecker.

Je später es wurde, desto mehr Wehmut kam schließlich auf. Wir fühlten uns hier wohl, die Terrasse und das Haus gefielen uns, das süße Nichtstun auch. Obwohl wir immer noch ein Woche Urlaub vor uns hatten und es außerdem nach einem kurzen Stopp zu Hause erneut für ein paar Tage (in den Geburtsurlaub Teil 2) weg gehen sollte, hätten wir es hier auf jeden Fall noch einige Tage ausgehalten. Warum sind die Tage immer so schnell vorbei?

Tag 5: Es geht wieder nach Hause

Heute schon etwas früher aufgestanden, gab es das obligate Frühstück, das wir uns natürlich auch am Abreisetag nicht nehmen ließen.

Im Anschluss packten wir unsere Koffer und Taschen zusammen, räumten das Häuschen auf und machten uns auf einen letzten Spaziergang mit den Hunden. Und siehe da: Kaum ein paar Tage hier gewesen, ließen sich die Damen auch mal dazu herab, ihre Pfoten ins Wasser zu strecken. Keine Ahnung, warum das die letzten Tage nicht möglich war; es bleibt wohl für immer ihr Geheimnis.

Alles ins Auto gepackt, ging es um kurz nach 10 Uhr schließlich wieder los. Rechnung bezahlt, Schlüssel zurückgegeben, machten wir uns auf den Weg nach Hause.

Weil uns das Navi auf dem Hinweg etwas eigenartig lotste, wählten wir heute eine andere Strecke, die aber durchaus reizvoll war. Wir fuhren wieder an der Westseite des Gardasees entlang, begleitet von herrlichen Ausblicken auf den See. Dabei fielen uns die zahlreichen Hotels auf, deren Parkplätze so dermaßen eng und begrenzt sind, dass wir uns ehrlich fragten, wie man hier entspannt urlauben kann? Die Fahrzeuge standen zum Teil querbeet. Wollte der letzte raus, mussten fünf andere umparken. Ne, das wäre ja absolut nichts für mich. Stress vorprogrammiert.

Spannend war es, als wir an Limone oder auch an Riva vorbei fuhren. Hier waren wir Anfang der 2000er oft. Während ich Limone noch ganz anders in Erinnerung hatte (viel freier und offener), wusste ich bei Riva noch genau, auf welcher Bank wir saßen und wo wir etwas gegessen hatten.

Lange ließen wir die Autobahn links liegen und fuhren über Landstraßen mit schönen Panoramen. Besonders das grüne Valle dei Laghi begeisterte mich. Obst- und Weingärten, wohin man sah. Seen, Hügel … einfach herrlich. Ein Highlight dieser Gegend ist der Tobliner See mit der Burg Toblino Was für ein Anblick! Natürlich war hier aber auch einiges los; die Burg ist wohl aus div. Filmen bekannt und somit auch ein Anziehungspunkt für Touristen.

Leider hatten wir heute keine Zeit mehr für großartige Erkundigungen. Aber in meinem Kopf ratterte es schon wieder; hier lässt sich doch sicher mal ein kleiner Campingurlaub einplanen …

Bei Trient dann doch langsam auf die Autobahn und über Bozen wieder in Richtung Heimat, erreichten wir um kurz nach 15 Uhr unser Zuhause. Koffer ausgepackt, gewaschen und ab auf die Terrasse.

Und weil wir ja in Italien keine Pizza mehr bekommen hatten, ließen wir den letzten Tag unseres ersten Urlaubs schließlich mit einer Pizza beim Italiener ausklingen. Mindestens genauso lecker und auch die Temperaturen waren heute so angenehm, dass wir lange draußen sitzen konnten. Ein schöner Abschluss dieser Kurzreise.


Fazit zu dieser Reise:

Der Aufenthalt hier am Gardasee war herrlich. Er sollte in erster Linie zur Erholung dienen und auch dazu, Mia – unsere jüngste Hundedame – wieder an das Reisen zu gewöhnen. Zusätzlich habe ich den ein oder anderen Ausflug gemacht, die Gegend näher kennengelernt und konnte auch meiner Fotografie-Leidenschaft frönen.

Inzwischen finde ich auch immer mehr Gefallen an Campingplätzen und fühle mich dort auch wohl. Allein die täglichen Spaziergänge über die Anlage, zu sehen wer neu dazu gekommen ist, die Wohnmobile zu betrachten und Ideen zu sammeln, gefielen mir. Die Vorfreude auf das eigene Wohnmobil stieg in diesen Tagen enorm an.

Trotzdem haben wir festgestellt, dass uns der südliche Gardasee doch noch ein Stück besser gefällt. Dort ist es italienischer, hier an der Westseite wirkt es etwas schroffer, zurückhaltender. Wir werden es sehen, wie er erneut auf uns wirkt; in wenigen Wochen soll es noch einmal an Italien’s größten See gehen.

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